Samstag, 2. Juli 2011

Sizilien 2011

Unser Urlaub führt uns in diesem Jahr nach Ostsizilien. Wir wohnen in Taormina (Mare), besuchen Messina, Syracus, die Liparischen Inseln, die Alcantara-Schlucht, und natürlich den gewaltigen Etna.

In Taormina kann man nicht nur Partytreiben und Shopping genießen, sondern auch durch verschalfene Gässchen wandern. Taormina sitzt am Berg und besteht - zumindest gefühlt - zur Hälfte aus Treppen. Es lohnt sich, zwischen den Häusern an der Haupteinkaufsstraße hindurch zu huschen und hübsche Bars und Restaurants an den angelegten Plateaus darunter zu finden.

Das griechische Theater in Taormina ist eines der größten und bekanntesten weltweit. Nicht nur die Griechen haben hier dem Schauspiel gefrönt, sondern auch die Römer haben später ihren Teil dazu getan und ein bißchen umgebaut. Insofern weiß man zwischen antiken Säulen und raffiniert strukturierten Ziegeln manchmal nicht so recht, wo man sich eigentlich befindet: Im Schauplatz für "Lysistrata" oder einer Gladiatorenarena? Unfassbar schön aber dann der Ausblick auf die Stadt am Meer.

Eines kommt in unserem Urlaub jedenfalls nicht zu kurz: Der Weingenuss. Interessanterweise kann man offenbar keinen Nero d´Avola erwerben, der nicht schmeckt. Wir jedenfalls haben es nicht geschafft. Der Etna, im Monat Mai zuletzt ausgebrochen, nimmt zwar viel, aber gibt es bezogen auf den sizilianischen Wein aber auf jeden Fall auch zurück. Hier eine optisch besonders schöne Auswahl an Vinos in einer kleinen Wein-, Spirituosen- und Feinkosthandlung.



Die Isola Bella bei Tormina besuchen wir auch. Landschaftlich in einer Bucht gelegen ist die Insel streng genommen eine Halbinsel und kann vom Festland aus bequem zu Fuß erreicht werden, wenn man in Kauf nimmt, ein bißchen durchs Wasser zu waten. Zum Baden finden wir es nicht so geeignet, ist der Strand doch voll mit dicken, harten Kieseln. Ohne Badeschuhe: Keine Chance und auch kein Vergnügen. Die Isola Bella - früher tatsächlich sogar Privatbesitz - an sich ist abgesperrt.

Ausflug nach Siracusa dauert einen ganzen Tag - da solte man wirklich mal früher aufstehen. Wir erleben die Wachtelinsel trotzdem in der schläfrigen Mittagshitze.

Domplatz von Sirakusa.

Promenade von Sirakusa.

Gässchen in Sirakusa.


Bei Siracusa liegt ein großer Park, in welchem nicht nur das Ohr des Dionysos zu finden ist, sondern auch ein griechisches Theater, eine römische Arena und allerhand Sehenswürdigkeiten, die den Göttern zu Gefallen angerichtet wurden.

Oberhalb des griechischen Theaters findet man nicht nur eine Quelle, sondern auch dieses merkwürdige Höhlensystem.
Römische Kampfkonstruktionen.



Mal wieder: Ein griechisches Theater. DIe Theater werden genutzt, was man hier am spektakulären Bühnenaufbau sehen kann. Schade wieder: Alles ist verkleidet und überbaut, dem Volke zum Genuss.

Einen Tagesausflug wert sind die Liparischen Inseln. Wir sehen Lipari und Vulkano.

Aufstieg zum Krater auf Vulkano. Obwohl hier schon ganz kurz vorm Ziel, kollabiere ich in der sengenden Hitze beinahe. Hinzu kommt, dass es ob der Schwefeldämpfe des Vulkans unglaublich eklig nach faulen Eiern stinkt. Ich habe auch nicht mehr viel Zeit, da wir feste Karten für die Fähre haben. Auf dem Weg bis hier habe ich mich durch straffes Tempo auch schon ziemlich verausgabt und habe nicht mehr viel Wasser dabei. Fazit: Als ich sehe, dass ich die letzten Meter bis zum Kraterrand allen Ernstes noch über Felskanten kraxeln muss, gebe ich tatsächlich auf. Ich ärgere mich bis heute deshalb, aber ich wollte auch nicht am Rand eines stinkenden Vulkankraters sterben... Ich werde wieder dorthin reisen und in den Vulkan spucken, ich schwöre es. Für dieses Jahr jedoch bleibt festzuhalten: Knapp daneben ist auch vorbei...

Sengende Hitze beim Aufstieg auf Vulkano.

Hafen von Lipari.

Antike Ruinen auf Lipari im archäologischen Park...

... und die unglaubliche Erklärungstafel dazu (???):



Gatto!!!


Ausblick auf Lipari.

Ausblick von Liparis Festungsmauern.

Sonnenuntergang über Vulkano.




Dieses Bild bedarf keiner Erklärungen, erklärt aber seinerseits eine gewisse Gewichtszunahme, die nach dem Urlaub zu verzeichnen war. Ganz egal: Es hat sich gelohnt. Lecker!

Mittwoch, 25. Mai 2011

Aus gegebenem Anlass: Nur mit meinem Handtuch!

Zum Andenken an den wunderbaren Douglas Adams ist heute, am 25. Mai, der große Towel-Day. Ich hoffe, Ihr hattet alle ein Handtuch dabei, denn das ist zweifelsohne das wichtigste und praktischste Utensil, das man - z. B. auf einer Reise durch die Galaxis - bei sich haben kann. Man kann sich damit zudecken, ein Seil daraus basteln, es als Fallschirm oder auch es als Kleidungsersatz verwenden - vielleicht kann man es auch an wilde Tiere verfüttern, wer weiß.

Ud wer jetzt denkt, ich hab eine Meise, der sollte sich einen Babelfisch ins Ohr stecken oder einfach "Per Anhalter durch die Galaxis" lesen.

Don´t panic!

Dienstag, 3. Mai 2011

Gehört: Progress - Take That im Zeichen der Zeit und der BRAVO!

Neulich brachte eine Mandantin ihre Tochter, 13, mit in die Kanzlei. Letztere hatte - weil beim Anwalt ist es ja schon ziemlich langweilig mit 13 - zur Eigenunterhaltung eine BRAVO! dabei.

Ja echt, Leute, die gibt´s noch! Und sie sieht natürlich irgendwie genauso aus wie damals. Ein kurzer Blick in die Weiten des Internets zeigt mir, dass BRAVO! zwar mittlerweile über einen Internetauftritt, außerdem aber immer noch über dasselbe Themenrepertoire wir zu Pubertätszeiten verfügt. Nur dass heute eben über Taylor Lautner und DSDS, Rihanna und Glee berichtet wird. Zu meinen Zeiten schmückten Take That, Brad Pitt und Die Toten Hosen die Covers. Einmal hatte ich das Glück, dass ein kleines Poster von Soul Asylum enthalten war. Und wahrscheinlich ist ganz Deutschland von Dr. Sommers Aufklärungstipps geprägt - der seit 1969 sexualberatende Erklärbär müsste, wäre er tatsächlich echt, mittlerweile so um die 100 sein.
Fragt sich ernsthaft, was da wohl bei Dr. Sommers gefühltem Alter eigentlich aus den Stars meiner BRAVO!-Zeit geworden ist. Kann ich Euch sogar sagen: Soul Asylums Alben - das letzte erschien 2006 - konnte ich mir auf Grund der pubertären finanziellen Engpässe erst ab 20 komplett zulegen (alle ab 1988 jedenfalls). Die Ärzte scheinen irgendwie ihre Texte nicht mehr mit dem eigenen Hirn zu schreiben und die letzten Alben von den Hosen - falls es welche gegeben hat - habe ich seit diesem bescheuerten Lied vom Kühlschrank ignoriert. Brad Pitt hat ungefähr zwanzig Kinder mit einer Barbiepuppe und aus Johnny Depp ist auf wundersame Weise Jack Sparrow, kauziger Disney-Pirat, geworden.

Um so lieber erinnere ich mich zurück an die guten alten BRAVO!-Zeiten, als das größte Problem Pickel und Jungs waren. Ganz im Zeichen der BRAVO! war mein Zimmer mit Postern so zugepflastert, dass meine Eltern den Sinn des Tapezierens wohl in Frage gestellt haben - mit

Take That.

Tja, Take That... Ich muss ja sagen, dass ich mir mit 14 bei der Trennung schon gedacht habe, dass dieser Robbie Williams es sehr wahrscheinlich mit den ganzen Tattoos und dem "jetzt ist er schwul"-Gerücht karrieretechnisch ganz genau richtig macht. Jedenfalls habe ich keineswegs heulend vor dem Lehrerzimmer gesessen, somdern eher der Dinge geharrt, die da kommen. Vielmehr entlud sich der Trennungsschmerz in Wut auf meine Eltern, welche mir den Besuch eines Konzertes mit 13 untersagten und mir damit vermasselten, Take That (!!!) nochmal live zu sehen. Schließlich gab es ja nach der Trennung keine Chance mehr dazu!!! Das kann einem in diesem Alter schon den Rest des Lebens versauen - ihr seht ja, ich habe es bis heute keinesfalls vergessen ;-).

Take That zu viert gab ich dann nur eine sehr kleine bis gar keine Chance, und einzeln waren die Vier neben Robbie Williams wirklich schlichtweg unerträglich. Ausnahme: Howard Donald, der aber auch als DJ mal was wirklich neues ausprobierte. Wobei es bei Mark Owen ohne die Veröffentlichung von "Child" hätte besser laufen können - dieses Lied hätte wirklich jedem Künstler den Kragen gebrochen... Letzterer erschien mir auch endgültig am Ende angekommen, als ich hörte, er habe allen Ernstes einen Auftritt im englischen Big Brother-Haus hingelegt. Schließlich haben die fünf jetzt das einzige gemacht, was sicheren Erfolg versprach - sich wieder zusammen getan.

Herausgekommen ist, dass ich mir - POST-postpubertär, wie ich eben sein kann - das neue Album natürlich gleich zum Geburtstag wünschte. Zum 30. Geburtstag, wohlgemerkt. Und es heißt Progress. Welch unheilvolle Vorsehung... Schon beim ersten Hören merke ich tatsächlich, dass sich da was verändert hat. Die sind auch nicht mehr 20!!! Und machen auch keine Musik mehr wie in den 90ern! Alles klingt ein bißchen härter, schneller, weiter. Trotzdem supersolide Dance-Songs, bei denen echt nix anbrennen kann. Vielleicht eine zu sichere Sache? Zunächst mal lege ich die CD doch tatsächlich wieder weg.

Irgendwie denke ich aber nach dem BRAVO!-Mandat auf dem Weg aus der Kanzlei, dass es Zeit sein dürfte, die Hörprobe durchzuführen. Progress im CD-Player und Fahrtwind im Twingofahrernacken, erinnere ich mich, wie ich mit 14 herum geschmachtet habe. Jeder von denen (Gary, Mark, Robbie, Jason und Howard - ich kann´s noch!) war absolut unerreichbar entfernt und außerdem auch noch so erwachsen. Und ja, verdammt, die konnten TANZEN, hui! Mit 13 musste man die Sache natürlich anders regeln als heute: Da ging man dann nach der BRAVO!-Lektüre und der visuellen Dauerreizung durch lebensgroße Poster gezwungenermaßen, kurzerhand und schnell zur Kompensation in den Reitstall - Pferde striegeln.
Das waren Momente voller Herzkasper-Flimmern und Qualen, in denen man sich voller Wonne badete. Take That gehören also gewissermaßen zu den Höhepunkten des Soundtracks meiner Schulzeit - schrecklicherweise bin ich wahrscheinlich bis heute vom Traumbild der Überjungs gezeichnet, und Pferdetherapie hilft spätestens ab Volljährigkeit leider nicht mehr.

Mit fortschreitendem Hintersichlassen der Pubertät kommt aber - unaufhaltsam und tragischerweise - auch die Entzauberung. Heute würde ich mit den Herren, die mal Jungs waren, vermutlich ein Bier trinken und darüber grinsen, dass mir unser Altersunterschied so gravierend vorkam - oder ich auch gern älter gewesen wäre (oh mann!!!). Falls die überhaupt Bier trinken - den Gerüchten zufolge müssen alle Diät halten, damit sie auf der Bühne eine gute Figur machen können ;-). Außerdem würde ich nicht kreischen oder in Ohnmacht fallen, wenn ich Mark Owen (Frau, Kinder und - ich kann es einfach nicht verdrängen!!! -Big Brother-Haus!) treffen würde - der Jubel legt sich und man wird beruhigend ruhiger. Auch der Reitstall wird ja dank überzeugender Alternativen nicht mehr frequentiert.

Hmm.

Progress. - Soll das jetzt also heißen, dass wir alle irgendwann erwachsen werden? Soll das heißen, dass ich jetzt nicht mehr mein Leben gegen eine Konzertkarte eintauschen würde? Soll das heißen, dass das Kribbeln aufhört?! Für immer?#$!?

Progress. Nach ein paarmal Hören entfaltet sich da dann plötzlich eine gewisse Leichtigkeit. Da schleichen sich Erinnerungen ein, zum Beispiel an das legendäre Musikvideo zu Pray, bei dem alle Take Thatler in Badehosen aufkreuzten (- schaut Euch das dringend mal an! Reitstall-ALARM, aber hallo!!!).
Aber dazu kommt nun diese absolut coole Gewissheit, sich eine CD ganz ohne gravierende Geldengpässe aus dem Internet herunterladen oder auf ein Konzert gehen zu können, ohne Mama und Papa dazu überreden zu müssen. Jungs hat man genug geküsst und kann sich sogar ernsthaft und überzeugend ein Urteil über gute oder schlechte Küsser erlauben. Ich darf solange ausgehen wie ich will und noch ganz andere Sachen tun. Außerdem suche ich meine Kleidung selber aus, finde meine Kleidergröße nicht mehr im geringsten beunruhigend und mich selbst gelegentlich sogar außerordentlich cool!

Ich kann es kaum fassen, als es mir klar wird: Das ist sie jetzt also - die große Freiheit, von der ich mit 14 geträumt habe! Die paar Falten und grauen Haare nehme ich dafür doch gern in Kauf. Und das erstaunlichste: Ohne Take That mit ihrem nicht gerade vertrauenserweckenden Progress hätte ich das gar nicht bemerkt!

Das Fazit lautet also ganz anders: Take That sind keine Jungs mehr, die 90er und unvorteilhafte bauchnabelfreie Mode sind vorbei, ich darf an Karneval Alkohol ohne Ausweis beim Schlecker kaufen und trotzdem darf ich mir noch voller Aufregung das neue Album von Gary, Mark, Robbie, Howard und Jason wünschen und es mit zittrigen Händen auspacken. Von wegen erwachsen - kreisch! Robbiiiiiiiee! Und Mark Owen hat das Big Brother-Haus ja wohl auch als Sieger verlassen, ätsch!

Wow. Es ist, als wäre John Lennon auferstanden.

Ach ja, ich muss jetzt unbedingt endlich zum Take That-Konzert, fällt mir dabei ein. Es gibt welche in Deutschland stelle ich fest, schon ganz verschwitzt vor dem Rechner sitzend, während meine Finger über die Tastatur huschen und Daten, Orte und Preise erkunden. Das Konzert in München ist erreichbar - ich kann ja selber fahren. Ich bin volljährig! :-)

Dann entdecke ich, dass ich am selben Tag, abends, unaufschiebbare Theater-Verpflichtungen habe. Das heißt - stelle ich voller Entsetzen und nunmehr atemlos und kurz vorm Nervenzusammenbruch fest -ich kann NICHT HIN! Da führt kein Weg dran vorbei. Mein Gott. John Lennon ist gerade im Theater gestorben... Und ich fühle mich wieder haargenau wie 13.


Im Booklet zu Progress steht schlicht "Thank you".
Das gebe ich an Take That zurück, hundertfach, für den Erhalt meiner geistigen Jugend und das Gefühl der unerfüllbaren Träume. Bitte trennt Euch nie wieder, es würde mir das Herz brechen. Ich liebe Euch! - mit 13, 30 und bestimmt auch 53. Und irgendwann, wenn John Lennon aufersteht, werde ich auch endlich auf ein Konzert gehen.

Tipp: Wer wissen will, wie die Herren von heute die Jungs von früher sehen,
der findet das Video zu Happy Now bestimmt genauso witzig wie ich.

Donnerstag, 28. April 2011

Amsterdam April 2011

Wenn man mich wählen lassen würde, in welcher Stadt ich gern mal ein Jahr leben würde, würde ich ohne Umschweife und langes Nachdenken sofort auf Amsterdam kommen. Da gibt es gar kein Vertun, denn diese Stadt ist wie keine andere, so absolut einzigartig und kompatibel mit jedem, der es mit ihr versucht. Nach bereits zwei Besuchen ist das dritte mal nun schon so richtig schön entspannend gewesen. Hier deshalb ein paar Chello-Impressionen aus der schönsten Stadt der Welt:

Hier ist das sozusagen das Wahrzeichen von Amsterdam: VIETSEN! Alles voller Fahrräder. Ich hab mir auch nach einem Tag Rumgelatsche eins gewünscht. Zumal Fahrräder absolute Vorrechte haben in Holland. Erst Fahrrad, dann Auto. Dann, irgendwann, Fußgänger. Und mit denen gehen die ganzen Fahrräder, Mopeds und Roller und Autos nicht gerade zimperlich um! Also: Am besten gleich Rückspiegel an den Hut machen, Blinken nicht vergessen und immer schön Schulterblick machen.

In Amsterdam ist auch Frühling.
Ich hab bisher die Stadt im Hochsommer besucht, aber so tolles Wetter hatte die bisher noch nicht parat. Hier sind die Mandelbäumchen aus dem Garten vorm Rijksmuseum. Als wir uns abends, nach Ankunft im Hotel gegen fünf, auf die Jagd nach etwas zu füttern machen, machen wir gleich unseren ersten Rundgang, der zunächst - von wegen HUNGER! - am Leidseplein endet. Der Leidseplein ist so eine Art Vergnügungszentrum, und da ist immer irgendwas los. Außer es ist ein Regenbogenfest - die sind meistens eher um den Rembrandplein angesiedelt. Am Leidseplein gibt es Restaurant-Flaniermeile, wo man sich vor tüchtigen Gastwirten, die einen in ganz mediterraner Manier in ihr Lokal locken wollen, fast schon in Acht nehmen. Wir sitzen beim Italiener, lassen uns eine wirklich gute Pizza samt Vorspeise schmecken und sind sofort von vertrauten deutschen Klängen umgeben. Juhu, der erste Abend und um uns rum eine sächsische Damen-Kegeltruppe! Gefällt auch den Österreichern, die am Tisch nebendran sitzen, zusehends immer weniger. Mit denen kommen wir dafür ins Gespräch und lassen uns Museumstipps geben. Dann dämmert es zusehends, und ich will mit dem Liebsten noch einen Abendrundgang machen.

Hier sehen wir die ersten Grachten, und die vielen gemütlichen Plätzchen, die es da zum Verschnaufen gibt. Nette Cafés und Pubs und Kneipen, aber auch gefühlte tausend Coffeeshops und dubiose Lokaitäten. Hier ein besonders schönes Stadthotel mit Grachtenterasse.

Zum Glück gibt es in Amsterdam, dessen Centrumsstraßen eher kreisförmig angelegt sind, daher kurvenreich immer schon um das Touristenziel herumführen, oft Stadtpläne, auf denen man gucken kann, wo man sich gerade befindet. Da können einen dann retten. Wir befinden uns gerade am Dam, der großen Hauptstraße, von wo aus man bequem direkt zum Königsplatz vordringen kann. Da ist gerade Kirmes, und vom Königlichen Palast sieht man nix. Außer vielleicht den Dächern.



Naja, macht nichts, denn die Nacht hier hat definitiv auf Grund des unschlagbaren Grachtencharmes andere Vorteile, die man unbedingt einmal zu Gesicht bekommen haben sollte.





Gracht in der Abenddämmerung

Nikolauskirche vom Stadtzentrum aus besehen

Am Damrak: Das Grashopper ist oben Hotel,
im Erdgeschoss Restarant mit Bar und im Keller Coffeeshop.
Schlägt man sich rechts dran vorbei, steht man sofort
mitten im Redlight District von Amsterdam.

Damrak

Die vielen Coffeeshops sind eine echte Attraktion in Amsterdam. Man findet sie fast überall. Achtung: Ein Bier oder sonstige alkoholische Getränke wird man da vergeblich ordern. Es gibt nur Softdrinks. Manche servieren auch tatsächlich - Kaffee. Ansonsten kann man dort eben Haschisch und Marihuana erwerben, auch in schon vergefertigter Form zum gleich dort rauchen.
Als wir einen mit Außenterasse finden, in dem es nicht psychedelisch grün und blau leuchtet, schauen uns auch dort drin mal um: Überall gibt es Schilder, auf denen steht, dass man zwar seinen Joint dort drin drehen darf, aber das Rauchen von Tabak nicht erlaubt sei. Das Rauchverbot hat also auch Holland erreicht, und das auch in den Coffeeshops. Hmm. Den vollen Aschenbechern nach zu urteilen, hält sich da aber keiner dran.

Für den kleinen Juristen: Auch in Holland sind Drogen jeglicher Art verboten. Der Verkauf von Haschisch und Marihuana jedoch wird - aus Gründen, die aus typisch deutscher Sicht wohl nicht nachvollziehbar sind - aber geduldet. das heißt, man darf dort zwar nicht bis zu 5 Gramm "weiche" Drogen kaufen, aber man kann - trotzdem. Tja, so ist das in Amsterdam, wo die Uhren eben erfrischend anders ticken. Wahrscheinlich gibt es eben auch ein Rauchverbot, aber man kann trotzdem rauchen.

Wir befinden uns jetzt übrigens im Redlight Distrikt. Das ist ein überaus merkwürdig anmutendes Viertel der Stadt, wo man mit Sex echt regelrecht beschossen wird. Das aber auf eine so ruhige und selbstverständliche Art, dass man gleich das Gefühl kriegt, das mit der Vermehrung bisher irgendwie immer viel zu unlocker verstanden zu haben. Die Damen stehen eben im Schaufenster, überall werden Dildos verkauft und alle sehen das irgendwie ganz locker. Neben mir in einem Schaufenster sind ungefähr eine Million rosa Plüschhasen mit überdimensionalen Schniedeln dekoriert, und ich höre eine Familienmutter, die Ihrer etwa fünfjährigen Tochter - die sich am Fenster die Nase plattdrückt - in aller Ruhe auf deutsch erklären, dass hier keins von den süßen Häschen gekauft wird, weil man doch zuhause schon welche hat. Aha. (Ich sehe schon im Geiste das Kind im Kindergarten mit dem Dildo-Hasen aufkreuzen und stolz das Urlaubsmitbringsel präsentieren)...
Auf dem Heimweg bleibt ein Eindruck von Schaufenstern, in denen halbnackte Frauen stehen, der Geruch von Gras und eine ganz friedvolle Stimmung zurück. Todmüde, aber mit der Gewissheit, dass wir nun sogar schon Metro gefahren sind und uns zurecht gefunden haben., fallen wir ins Bett. Amsterdam hat uns willkommen geheißen und bisher ist es whl ganz zufrieden mit seinen Gästen.

TIPP:
Eine GVB-Tageskarte (z. B. 24, 48, 72 Std. lang gültig) ist teilweise im Hotel oder in den Touri-Shops am Damrak oder auch in Bussen und Bahnen selbst erwerblich. Die 72 Std.-Karte kostet ca. 15 Euro und man kann damit dann beliebig durch die Gegend reisen. Die Tram fährt sehr regelmäßig bis ein Uhr nachts, danach muss man umsteigen auf Nachtbusse. Wichtig: Ticker immer am Kartenleseautomaten beim Ein- und Aussteigen (!) vorhalten.
Die GVB-Karte gilt nicht in GV-Bussen! Schwarzgefahren sind wir nämlich aus Versehen auch... Da piepst der Leser dann zweimal und zeigt an, dass die Karte ungültig ist. Merkt man als Anfänger aber erst, wenn der Bus schon losgefahren ist. Tja.

Am nächsten Morgen versuchen wir es dann auch mit Kultur. Als erstes ein Frühstück, das diesen Namen verdient hat: Ein Thunfischsandwich! Das nehmen wir auf dem Museumsplatz zu uns. Dann auf zu den ollen Schinken im Rijksmuseum.

Hier dürfen wir natürlich keine Fotos machen (was die Japaner nicht hindert, es trotzdem zu versuchen, was wiederum zu schnellem Einschreiten der Museumstruppe führt). Deshalb kann ich euch nur den schönen Eingang des Museums präsentieren.

Das Gebäude an sich wird gerade restauriert, sodass auch nur ein Teil der Sammlung zu sehen ist. Das macht aber gar nichts, denn wir brauchen trotzdem fast zwei Stunden, um alles interessante genau unter die Lupe zu nehmen.

Tipp:
An der Hobbemastratt aus den entsprechenden Linie aussteigen -
so steht man direkt vor dem Eingang zum Rijksmuseum.
Das van Gogh Museum ist auch nicht fern.


Rembrand, Frans Hals und all die anderen flämischen Maler, die Geschichte der Stadt und Porzellan, Tulpenwahn und Tulpenvasen machen echt hungrig. Wir essen... POMMES! Die holländischen sind die besten, ehrlich. Und dann gibt es da noch diese unglaublichen Automaten, wo man sich einfach einen Burger ziehen kann. :-)

Dann entdecken wir die Wasserwelt und machen eine Grachtenrundfahrt. Die Grachten wurden von Hand angelegt und waren eigentlich als Verteidigungsanlagen geplant. Ziemlich schnell haben die Amsterdamer aber gemerkt, dass sie sich prima als Handelswege übers Wasser eignen. Weil sie teilweise gerade einmal 2 m tief gebuddelt wurden, braucht man flache Schiffe mit wenig Tiefgang. Und weil die Mieten in Amsterdan nicht gerade günstig sind, gibt es auch jede Menge Hausboote, auf denen es absolut gemütlich ausschaut. Manche Bewohner haben ganze Terrassen und Gärten auf den Booten angelegt. Im Winter scheint´s zwar kalt zu sein, aber für den Sommer habe ich gerade einen neuen Traum vom Ferienhaus entdeckt!
Grachtenrundfahrt-Böötchen

Hausboote

Herengracht



Am zweiten Tag frühstücken wir am Leidseplain. Untrüglich führt mein Gespür mich zum Theater, wo wir in einem Café Frühstück bestellen.
Von da aus geht es in das Van Gogh - Museum. Dank den Östereichern haben wir uns am Tag vorher anlässlich der Grachtenrundfahrt im Tourishop schon ein Ticket gekauft. WIr gehen deshalb an der ca. 300 m langen Schlange einfach vorbei und kommen bevorzugt rein.
Außer Van Gogh gibt es gerade auch noch eine kleine Picasso-Ausstellung im Untergeschoß. Nach fast zwei Stunden Van-Gogh bin ich aber echt schon ziemlich platt und kann das kaum noch aufnehmen.


Tipp:
Ein Audioführer ist in diesem Museum sehr empfehlenswert,
da wirklich gut gemacht und sehr interessant.


Noch viel wichtigerer Tipp:

AUF JEDEN FALL im Touri-Shop die Tickets kaufen.
Die Schlange ist offenbar immer mindestens 100 m lang!
Außerdem kann man im Tourishop ein Paket
mit seinen Wünschen zusammenstellen
und kann ein paar Euro sparen (gezielt fragen...).

Danach trennen wir uns. Jeder muss schließlich seinen ganz individuellen, mittlerweile schon übermächtigen Bedürfnissen nachgehen!!! Der Liebste sucht ein Schachcafé auf, ich gehe ...shoppen! Das geht in Amsterdam ganz formidabel.

Tipp: In Amsterdam auf jeden Fall Schuhe kaufen. :-)

Beim Shoppen keht sich das unterste zuoberst in die Frau. Ich bilde da keine Ausnahme. Ich habe das also mal nicht dokumentiert, um keinen von Euch zu verschrecken... Also Zusammenfassung: Ich ergattere Schuhe, eine Jacke und noch mehr Schuhe. Wir sind dann ziemlich platt, heute kein Sightseeing mehr. Stattdessen hauen wir uns beim Griechen den Bauch dermaßen voll, dass uns nichts anderes übrig bleibt, als um zehn ins Hotel zurückzukehren. Macht nichts, es hat sich gelohnt, kann ich Euch sagen.

Am nächsten Tag haben wir einen wunderschönen Frühstücksplatz im Irishpub neben dem Hardrock-Café. Das findet man, indem man vom Leidseplein Richtung Museumsplatz einfach an den Schienen der Straßenbahn am Casino vorbeiläuft und dann zum Max-Euwe-Zentrum läuft.
Weil Max Euwe ein niederländischer Schachweltmeister war, gibt es über sein Leben und das Schachspiel auch ein kleines, aber feines Museum. Der Liebste kennt sich aus, aber ich lerne echt noch eine ganze Menge. Führung gibt es auf englisch, aber irgendwann vergisst unser Führer das und redet einfach aus Versehen auf niederländisch mit uns. Das wichtigste verstehen wir aber trotzdem und fühlen uns gleich sehr heimisch und irgendwie willkommen.



Hier ein Schachspiel aus Plexiglas, dass Herr Prof. Euwe von seinen Schülern geschenkt bekam.

Dazu auch Degner´s Schachsteine, deutscher Herkunft, welche dem Liebsten außerordentlich gut gefallen. Hat der Herr Euwe mal von einem Schachkollegen geschnkt bekommen.




Wir lassen unseren letzten Tag dann bei einem Bummel durch die Grachten ausklingen. Wir trinken Cola im Selbstbedienungs-Muffin-Laden und sitzen an der Prinsengracht. Irgendwann werden wir allerdings vom Besitzer verscheucht... Zweimal eine Dose Cola rechtfertigt eben nicht Platzrecht für zwei Stunden, naja.



oben: Prinsengracht
unten: Oude Kerk
Auf der Rückfahrt geraten wir übrigens in meinen ersten niederländischen Stau. Es ist furchtbar heiß. Aber wir kommen doch irgendwann an im schönen Sauerland, wo wir die Ostertage verbringen. Aber das ist eine andere Geschichte, die ein anderes Mal erzählt wird!
Abschluss-Tipp:
Unbedingt nach Amsterdam fahren. Und zwar schnell.
Ich fahre da nämlich auch sobald wie möglich wieder hin.
Und dann gibt es dort keine Schuhe mehr...
;-)