Sonntag, 4. September 2011

Wie man beruhigt altert: Midlife Club Live-Event im Hofkeller

Ich dachte ja immer, mir Ü-30 bin ich jetzt in die Liga der Erwachsenen aufgestiegen. - Tja, vertan, denn Ü-40 ist jetzt offenbar viel mehr IN. Da gibt es nämlich dann die wirklich erwachsenen Veranstaltungen, und glücklicherweise bin ich da nicht so und hab sogar Freunde, die schon Ü-40 sind und mich zu sowas sogar mitnehmen ;-).
Deshalb schlich ich mich am Freitag ins Midlife-Club Live-Event ein und genoß im Ambiente des Würzburger Hofkellers gleich vier Bands. Besonders cool fand ich Paul Rose & Band, die mit Blues-Rock aufschlugen und wirklich fein was an der Gitarre konnten und mir nach anfänglicher Tanzstarre dann doch auch körperlich was abverlangen konnten.
Mit dabei waren auch My New Zoo aus Nürnberger ("Wave’N’Roll", aha, da lerne ich mal wieder was neues), Markus Rill mit „The Troublemakers“ sowie die V3Houzeband aus AB. das ganze natürlich dann von Frankenwein unterlegt und kerzenbeschienen - gediegen und gleichzeitig schön verrucht zwischen den heiligen Weinfässern, bei denen in Führungen ja normalerweise so getan wird, als würde man schon beim zu scharfen Angucken bestraft.
Voll war´s, und aufgefallen sind wir dank exotischen Tanzarten durchaus auch. So viel sei verraten: Ich weiß nicht mehr genau, wann ich zuhause war. Und ich gehörte definitiv im Gegensatz zu sonst nicht gerade zu den Älteren im Publikum. Also kann ich wohl auch in zehn Jahren noch feiern, wenn man dem Abend und den Gästen dort trauen kann. Sehr beruhigend! Wird wieder frequentiert.

Hier gibt es mehr Infos über den Midlife Club.

Dienstag, 30. August 2011

Gefunden: Schokolade in der Landeshauptstadt

Geschmacksode an Ludwig II.: Die König Ludwig-Praline aus dem Sama Sama

Am Wochende gab es einen kleinen Ausflug in die Landeshauptstadt München. Da hat es natürlich passend zum Samstag schön geregnet, sodass mir leider, leider gar nichts anderes übrig blieb, als ein bißchen shoppen zu gehen. Und dann brachte mich und meine Freundin der Weg zum Sama Sama, einem Schokoladenladen in der Westenriederstraße. Da kann man der Inhaberin Frau Raabe beim Marzipanrollen und Leckereien zaubern zuschauen, Kaffee trinken und außerdem lecker lecker Schokolade und Pralinen naschen. Wir versuchten zartbittersüßscharfe Chilitrüffel und aßen zum Kaffee Florentiner. Dann entdeckte ich die König-Ludwig-Praline, die Ihr oben im Bild seht! Mit kandierten Veilchen, Schokoladencreme und Marzipan. Abends gab es zum Nachtisch außerdem kandierte Orangen mit Marzipanfüllung. Da gibt es einen echten Geschacksrausch, und aussehen tun die Pralinen, kandierten und mit Schokolade umhüllten Blüten und Obststücke einfach nur göttlich.

Alle Pralinen werden bei Sama Sama von Hand gemacht und sind echte Kunstwerke. Das Beste ist aber: Die schmecken auch noch! Ich war dort also sehr sehr glücklich... ;-)

Hier gehts zum Laden!

Sonntag, 21. August 2011

Gelesen: "Schoßgebete" von Charlotte Roche (und "Feuchtgebiete" auch, jawohl.)

Ich kann das mittlerweile jetzt echt schon ganz gut glauben, dass die sechs Wochen Theatermarathon vorbei sind. Für mich war das ja das erste Mal Sommertheater und immerhin habe ich in jeder Vorstellung selbst gespielt, also sogar auf meinen beliebten Trick mit der geteilten Rolle verzichtet. Das ist dann also bei fünf Spielterminen in der Woche auch ein recht intensives Erlebnis, bei dem man nach dem Ende erstmal in so ein kleines Loch fällt und alle und alles vermisst. Auf der anderen Seite ist das aber auch sofort ganz schön, wieder Herrin seiner Zeit zu sein und machen zu können, was ich wann auch immer will.

Jetzt habe ich also Zeit.
Viel Zeit.

Die nutze ich auch sehr erfolgreich. Lese demzufolge drei Bücher auf einmal, kaufe trotzdem nebenher noch Zeitschriften und neue Bücher dazu.
Das mit den Büchern ist so eine Sache, weil man ja auch immer gerne erzählt was man so liest. Manchmal darf man das nicht erzählen, weil einen dann alle am Tisch für bekloppt halten. Habe neulich bei Essen erzählt, das ich mal (freiwillig, nicht nur das nötigste in der Schule) Kafka gelesen habe. Frage vom Gegenüber: "Was ist denn daran so toll, außer dass es Weltliteratur ist und alle sagen, oh, toll, Kafka. Der schreibt doch so wirres Zeug. Das kann man doch gar nicht lesen, das gibt einem doch nichts". Also erzähle ich dann, was ich gerade lese, und da ist das Entsetzen dann noch größer. Ist also ganz egal, was man liest, guckt doch immer einer komisch. Gerade habe ich recht viel Geld in Literatur investieren müssen, von der alle behaupten, sie sei das nicht wert. Deshalb auch das ganze Entsetzen-Pipapo am Tisch. Und das kam alles so:

Ich lese in der Mittagszeit beim Essen immer gern FAZ online. Da habe ich dann auch erfahren, dass die Frau Roche ihr neues Buch rausgebracht hat. Und obwohl ich das Debut, Feuchtgebiete, gar nicht gelesen habe, und mir eine Freundin erzählt hat, dass es da bloß um irgendwelche Blumenkohl-Hämorrhiden geht, habe ich dann doch den Neugierkurs eingeschlagen.
Ich wollte also dieses neue Buch dann doch irgendwie lesen. Ist aber gar nicht so einfach, weil das ja neu ist und man das mangels Leihmöglichkeiten nicht einfach mal so ausgeliehen kriegt. Will ja auch keiner haben, offiziell, eins von diesen bösen Schmuddelbüchern. Dabei haben alle aber irgendwie doch Feuchtgebiete gelesen. Also zumindest mal reingeschaut. Will aber keiner persönlich gekauft haben und demzufolge auch nicht an mich ausleihen.
Ist wie mit der Bild-Zeitung. Die verkauft sich auch super, aber keiner liest die. Komische Geschichte. Feuchtgebiete hat dagegen jeder mal gelesen, will aber keiner im Regal stehen haben. Ich beschließe deshalb, wenn ich das lesen will, muss ich das wohl selber kaufen. Öffentlich. In einer Buchhandlung.
Geht auch bei Amazon, aber das hätte mir zu lange gedauert. Ich bin da ziemlich ungeduldig, wenn ich was in der Nase hab, das ich lesen oder hören will. Besonders, wenn das jeder kennt, aber keiner besitzen will. Da gibt es nämlich nur zwei Erklärungen: Entweder, das ist so unglaublich gut, dass keiner das verleihen will, und alle wie die Elstern auf dem Gold sitzen -oder aber, das ist so skandalös, dass ich mindestens genauso besessen davon werde, mich der Kenner-Gemeinde anzuschließen.
Ich schleiche also samstag bei voller Hütte in der ortsansässigen größten Buchhandlung durch die Gassen und komme dann auch am großen Ihh-Bäh-Pfui-Charlotte Roche-Stapeltisch vorbei. Schaue mal rein. Hört sich gar nicht so schlimm an, nur ein bißchen ehelicher Sex, und sonst auch eigentlich nichts wirklich richtig krudes. Ich finde, das kann man ruhig mal kaufen, ohne dass man da komisch angesehen wird. Bewege mich also selbstsicher zur Kasse und kaufe das einfach. habe ich dann eine Woche später auch mit den Feuchtgebieten so gemacht. Ich musste da einfach einsehen, dass ich da sonst nicht rankomme. In der Bücherei ist es ständig ausgeliehen und vorbestellt, und persönlich haben will das ja keiner, obwohl das Ding sich millionenfach verkauft haben will.

Habs übrigens auch alles gelesen. Ist gar nicht schlimm, echt nicht, gerade das neue nicht. Drei Tage Eheleben, Patchworkfamiliendasein, Unfallreflexion, Schicksalsdarstellung. Viel Innenleben, Gedankenwelten. Ich weiß nicht mal, ob das jetzt so wahnsinnig interessant ist, was da geschrieben steht. Ich finde im Gegensatz zu vielen anderen aber: Das kann ruhig mal gesagt werden. Das lässt einen mit vielen eigenen kruden Gedanken nicht so allein dastehen. Wenn man zum Beispiel mal krank ist mit was ekligem, Fusspilz oder Schrottzähne-Karies oder so, dann denkt man immer: Ich armer Mensch, jetzt bin ich krank und keiner leidet so wie ich. Ich kann darüber auch gar nicht reden, weil das ja eklig ist. Man schämt sich da ja schon irgendwie. Ich finde, das geht besser, wenn man z. B. dann Werbung sieht für Pilzmittel oder Zahnarztanzeigen liest. Das tut gut, weil man merkt: Ich bin ja gar nicht der einzige mit der Ekel-Sache. Und da ist man auch gleich viel beruhigter.
So ist das auch mit Charlotte Roches Büchern. Die sind natürlich total überzogen und plakativ, aber irgendwie merkt man: Man ist da nicht alleine krank in der Birne, das ist alles total normal, völlig im Rahmen. Das muss man vielleicht auch alles ein bißchen klinisch-neutral betrachten, was man da so liest, und sich nicht dauernd denken: Das ist aber jetzt keine Weltliteratur hier, das ist aber doch voll widerlich, das ist ja kein literarischer Hochgenuss, das gibt keinen Preis für unentbehrliches Literaturgut, etc.
Man kann das einfach auch nur mal lesen und sich denken: Andere sind schlechter dran als ich. Komische Gedanken kann man einfach mal so haben. Ich darf mich mit meinem Körper beschäftigen. Aha, andere tun das auch. Und wenn ich mal was komisches denke oder ein bisßchen verhaltensauffällig bin, muss ich nicht gleich zum Psycho-Doktor, das bleibt den härteren Fällen vorbehalten. Sehr erleichternd.

Ich weiß auch gar nicht, ob man das alles so kritisch analysieren muss, was die Frau Roche so schreibt. Es interessiert mich jetzt auf einmal auch nicht mehr, was andere über die Bücher denken. Ich kann mir selber eine Meinung bilden. Ich werde deshalb keine Artikel über diese Bücher ansehen oder darüber lesen. Man muss darüber nicht so viel sagen, denn so unfassbar aufmümpfig oder sensationell oder neu ist das doch alles gar nicht. Krank ist das auch nicht, sondern ich glaube, das ist alles - wenn man mal das für ein Buch eben notwendig aufgesetzt überinteressante weglässt (sonst ließe sich das aus Banalitätsgründen wohl auch kaum überhaupt verkaufen)- ziemlich normal.

Also, wenn wer eins von den Büchern lesen will: Ich gebe die auch mal aus der Hand. Würde ich verleihen, ganz ehrlich, gar kein Problem. Ihr müsstet dann nur zugeben, dass Ihr eins davon mal lesen wollt und mich fragen. Ja, so einfach kann das sein ;-).

Samstag, 2. Juli 2011

In eigener Sache: "Das verflixte 7. Jahr" - ab 01.07.2011 im Theater Chambinzky

Das Theater Chambinzky zeigt die bekannte Komödie von George Axelrod vom 01.07.-12-08.2011. Es handelt sich um das Stück, in dem die gute Marilyn in der gleichnamigen Verfilmung weiß und luftig bewandet über dem Lüftungsschacht posierte ;-)
Lüftungsschachte gibt es im Chambinzky zwar nicht, New Yorker Hundstage und personifizierte Versuchungen in der Etagenwohnung oben drüber aber schon... Für die tolle Stimmung in unserer gestrigen Premiere: Ganz vielen Dank an unser Publikum!

Übrigens: Der Theatersaal ist klimatisiert.

Mehr Infos gibt´s hier.
Und hier gehts zur Kartenreservierung!


Sizilien 2011

Unser Urlaub führt uns in diesem Jahr nach Ostsizilien. Wir wohnen in Taormina (Mare), besuchen Messina, Syracus, die Liparischen Inseln, die Alcantara-Schlucht, und natürlich den gewaltigen Etna.

In Taormina kann man nicht nur Partytreiben und Shopping genießen, sondern auch durch verschalfene Gässchen wandern. Taormina sitzt am Berg und besteht - zumindest gefühlt - zur Hälfte aus Treppen. Es lohnt sich, zwischen den Häusern an der Haupteinkaufsstraße hindurch zu huschen und hübsche Bars und Restaurants an den angelegten Plateaus darunter zu finden.

Das griechische Theater in Taormina ist eines der größten und bekanntesten weltweit. Nicht nur die Griechen haben hier dem Schauspiel gefrönt, sondern auch die Römer haben später ihren Teil dazu getan und ein bißchen umgebaut. Insofern weiß man zwischen antiken Säulen und raffiniert strukturierten Ziegeln manchmal nicht so recht, wo man sich eigentlich befindet: Im Schauplatz für "Lysistrata" oder einer Gladiatorenarena? Unfassbar schön aber dann der Ausblick auf die Stadt am Meer.

Eines kommt in unserem Urlaub jedenfalls nicht zu kurz: Der Weingenuss. Interessanterweise kann man offenbar keinen Nero d´Avola erwerben, der nicht schmeckt. Wir jedenfalls haben es nicht geschafft. Der Etna, im Monat Mai zuletzt ausgebrochen, nimmt zwar viel, aber gibt es bezogen auf den sizilianischen Wein aber auf jeden Fall auch zurück. Hier eine optisch besonders schöne Auswahl an Vinos in einer kleinen Wein-, Spirituosen- und Feinkosthandlung.



Die Isola Bella bei Tormina besuchen wir auch. Landschaftlich in einer Bucht gelegen ist die Insel streng genommen eine Halbinsel und kann vom Festland aus bequem zu Fuß erreicht werden, wenn man in Kauf nimmt, ein bißchen durchs Wasser zu waten. Zum Baden finden wir es nicht so geeignet, ist der Strand doch voll mit dicken, harten Kieseln. Ohne Badeschuhe: Keine Chance und auch kein Vergnügen. Die Isola Bella - früher tatsächlich sogar Privatbesitz - an sich ist abgesperrt.

Ausflug nach Siracusa dauert einen ganzen Tag - da solte man wirklich mal früher aufstehen. Wir erleben die Wachtelinsel trotzdem in der schläfrigen Mittagshitze.

Domplatz von Sirakusa.

Promenade von Sirakusa.

Gässchen in Sirakusa.


Bei Siracusa liegt ein großer Park, in welchem nicht nur das Ohr des Dionysos zu finden ist, sondern auch ein griechisches Theater, eine römische Arena und allerhand Sehenswürdigkeiten, die den Göttern zu Gefallen angerichtet wurden.

Oberhalb des griechischen Theaters findet man nicht nur eine Quelle, sondern auch dieses merkwürdige Höhlensystem.
Römische Kampfkonstruktionen.



Mal wieder: Ein griechisches Theater. DIe Theater werden genutzt, was man hier am spektakulären Bühnenaufbau sehen kann. Schade wieder: Alles ist verkleidet und überbaut, dem Volke zum Genuss.

Einen Tagesausflug wert sind die Liparischen Inseln. Wir sehen Lipari und Vulkano.

Aufstieg zum Krater auf Vulkano. Obwohl hier schon ganz kurz vorm Ziel, kollabiere ich in der sengenden Hitze beinahe. Hinzu kommt, dass es ob der Schwefeldämpfe des Vulkans unglaublich eklig nach faulen Eiern stinkt. Ich habe auch nicht mehr viel Zeit, da wir feste Karten für die Fähre haben. Auf dem Weg bis hier habe ich mich durch straffes Tempo auch schon ziemlich verausgabt und habe nicht mehr viel Wasser dabei. Fazit: Als ich sehe, dass ich die letzten Meter bis zum Kraterrand allen Ernstes noch über Felskanten kraxeln muss, gebe ich tatsächlich auf. Ich ärgere mich bis heute deshalb, aber ich wollte auch nicht am Rand eines stinkenden Vulkankraters sterben... Ich werde wieder dorthin reisen und in den Vulkan spucken, ich schwöre es. Für dieses Jahr jedoch bleibt festzuhalten: Knapp daneben ist auch vorbei...

Sengende Hitze beim Aufstieg auf Vulkano.

Hafen von Lipari.

Antike Ruinen auf Lipari im archäologischen Park...

... und die unglaubliche Erklärungstafel dazu (???):



Gatto!!!


Ausblick auf Lipari.

Ausblick von Liparis Festungsmauern.

Sonnenuntergang über Vulkano.




Dieses Bild bedarf keiner Erklärungen, erklärt aber seinerseits eine gewisse Gewichtszunahme, die nach dem Urlaub zu verzeichnen war. Ganz egal: Es hat sich gelohnt. Lecker!

Mittwoch, 25. Mai 2011

Aus gegebenem Anlass: Nur mit meinem Handtuch!

Zum Andenken an den wunderbaren Douglas Adams ist heute, am 25. Mai, der große Towel-Day. Ich hoffe, Ihr hattet alle ein Handtuch dabei, denn das ist zweifelsohne das wichtigste und praktischste Utensil, das man - z. B. auf einer Reise durch die Galaxis - bei sich haben kann. Man kann sich damit zudecken, ein Seil daraus basteln, es als Fallschirm oder auch es als Kleidungsersatz verwenden - vielleicht kann man es auch an wilde Tiere verfüttern, wer weiß.

Ud wer jetzt denkt, ich hab eine Meise, der sollte sich einen Babelfisch ins Ohr stecken oder einfach "Per Anhalter durch die Galaxis" lesen.

Don´t panic!

Dienstag, 3. Mai 2011

Gehört: Progress - Take That im Zeichen der Zeit und der BRAVO!

Neulich brachte eine Mandantin ihre Tochter, 13, mit in die Kanzlei. Letztere hatte - weil beim Anwalt ist es ja schon ziemlich langweilig mit 13 - zur Eigenunterhaltung eine BRAVO! dabei.

Ja echt, Leute, die gibt´s noch! Und sie sieht natürlich irgendwie genauso aus wie damals. Ein kurzer Blick in die Weiten des Internets zeigt mir, dass BRAVO! zwar mittlerweile über einen Internetauftritt, außerdem aber immer noch über dasselbe Themenrepertoire wir zu Pubertätszeiten verfügt. Nur dass heute eben über Taylor Lautner und DSDS, Rihanna und Glee berichtet wird. Zu meinen Zeiten schmückten Take That, Brad Pitt und Die Toten Hosen die Covers. Einmal hatte ich das Glück, dass ein kleines Poster von Soul Asylum enthalten war. Und wahrscheinlich ist ganz Deutschland von Dr. Sommers Aufklärungstipps geprägt - der seit 1969 sexualberatende Erklärbär müsste, wäre er tatsächlich echt, mittlerweile so um die 100 sein.
Fragt sich ernsthaft, was da wohl bei Dr. Sommers gefühltem Alter eigentlich aus den Stars meiner BRAVO!-Zeit geworden ist. Kann ich Euch sogar sagen: Soul Asylums Alben - das letzte erschien 2006 - konnte ich mir auf Grund der pubertären finanziellen Engpässe erst ab 20 komplett zulegen (alle ab 1988 jedenfalls). Die Ärzte scheinen irgendwie ihre Texte nicht mehr mit dem eigenen Hirn zu schreiben und die letzten Alben von den Hosen - falls es welche gegeben hat - habe ich seit diesem bescheuerten Lied vom Kühlschrank ignoriert. Brad Pitt hat ungefähr zwanzig Kinder mit einer Barbiepuppe und aus Johnny Depp ist auf wundersame Weise Jack Sparrow, kauziger Disney-Pirat, geworden.

Um so lieber erinnere ich mich zurück an die guten alten BRAVO!-Zeiten, als das größte Problem Pickel und Jungs waren. Ganz im Zeichen der BRAVO! war mein Zimmer mit Postern so zugepflastert, dass meine Eltern den Sinn des Tapezierens wohl in Frage gestellt haben - mit

Take That.

Tja, Take That... Ich muss ja sagen, dass ich mir mit 14 bei der Trennung schon gedacht habe, dass dieser Robbie Williams es sehr wahrscheinlich mit den ganzen Tattoos und dem "jetzt ist er schwul"-Gerücht karrieretechnisch ganz genau richtig macht. Jedenfalls habe ich keineswegs heulend vor dem Lehrerzimmer gesessen, somdern eher der Dinge geharrt, die da kommen. Vielmehr entlud sich der Trennungsschmerz in Wut auf meine Eltern, welche mir den Besuch eines Konzertes mit 13 untersagten und mir damit vermasselten, Take That (!!!) nochmal live zu sehen. Schließlich gab es ja nach der Trennung keine Chance mehr dazu!!! Das kann einem in diesem Alter schon den Rest des Lebens versauen - ihr seht ja, ich habe es bis heute keinesfalls vergessen ;-).

Take That zu viert gab ich dann nur eine sehr kleine bis gar keine Chance, und einzeln waren die Vier neben Robbie Williams wirklich schlichtweg unerträglich. Ausnahme: Howard Donald, der aber auch als DJ mal was wirklich neues ausprobierte. Wobei es bei Mark Owen ohne die Veröffentlichung von "Child" hätte besser laufen können - dieses Lied hätte wirklich jedem Künstler den Kragen gebrochen... Letzterer erschien mir auch endgültig am Ende angekommen, als ich hörte, er habe allen Ernstes einen Auftritt im englischen Big Brother-Haus hingelegt. Schließlich haben die fünf jetzt das einzige gemacht, was sicheren Erfolg versprach - sich wieder zusammen getan.

Herausgekommen ist, dass ich mir - POST-postpubertär, wie ich eben sein kann - das neue Album natürlich gleich zum Geburtstag wünschte. Zum 30. Geburtstag, wohlgemerkt. Und es heißt Progress. Welch unheilvolle Vorsehung... Schon beim ersten Hören merke ich tatsächlich, dass sich da was verändert hat. Die sind auch nicht mehr 20!!! Und machen auch keine Musik mehr wie in den 90ern! Alles klingt ein bißchen härter, schneller, weiter. Trotzdem supersolide Dance-Songs, bei denen echt nix anbrennen kann. Vielleicht eine zu sichere Sache? Zunächst mal lege ich die CD doch tatsächlich wieder weg.

Irgendwie denke ich aber nach dem BRAVO!-Mandat auf dem Weg aus der Kanzlei, dass es Zeit sein dürfte, die Hörprobe durchzuführen. Progress im CD-Player und Fahrtwind im Twingofahrernacken, erinnere ich mich, wie ich mit 14 herum geschmachtet habe. Jeder von denen (Gary, Mark, Robbie, Jason und Howard - ich kann´s noch!) war absolut unerreichbar entfernt und außerdem auch noch so erwachsen. Und ja, verdammt, die konnten TANZEN, hui! Mit 13 musste man die Sache natürlich anders regeln als heute: Da ging man dann nach der BRAVO!-Lektüre und der visuellen Dauerreizung durch lebensgroße Poster gezwungenermaßen, kurzerhand und schnell zur Kompensation in den Reitstall - Pferde striegeln.
Das waren Momente voller Herzkasper-Flimmern und Qualen, in denen man sich voller Wonne badete. Take That gehören also gewissermaßen zu den Höhepunkten des Soundtracks meiner Schulzeit - schrecklicherweise bin ich wahrscheinlich bis heute vom Traumbild der Überjungs gezeichnet, und Pferdetherapie hilft spätestens ab Volljährigkeit leider nicht mehr.

Mit fortschreitendem Hintersichlassen der Pubertät kommt aber - unaufhaltsam und tragischerweise - auch die Entzauberung. Heute würde ich mit den Herren, die mal Jungs waren, vermutlich ein Bier trinken und darüber grinsen, dass mir unser Altersunterschied so gravierend vorkam - oder ich auch gern älter gewesen wäre (oh mann!!!). Falls die überhaupt Bier trinken - den Gerüchten zufolge müssen alle Diät halten, damit sie auf der Bühne eine gute Figur machen können ;-). Außerdem würde ich nicht kreischen oder in Ohnmacht fallen, wenn ich Mark Owen (Frau, Kinder und - ich kann es einfach nicht verdrängen!!! -Big Brother-Haus!) treffen würde - der Jubel legt sich und man wird beruhigend ruhiger. Auch der Reitstall wird ja dank überzeugender Alternativen nicht mehr frequentiert.

Hmm.

Progress. - Soll das jetzt also heißen, dass wir alle irgendwann erwachsen werden? Soll das heißen, dass ich jetzt nicht mehr mein Leben gegen eine Konzertkarte eintauschen würde? Soll das heißen, dass das Kribbeln aufhört?! Für immer?#$!?

Progress. Nach ein paarmal Hören entfaltet sich da dann plötzlich eine gewisse Leichtigkeit. Da schleichen sich Erinnerungen ein, zum Beispiel an das legendäre Musikvideo zu Pray, bei dem alle Take Thatler in Badehosen aufkreuzten (- schaut Euch das dringend mal an! Reitstall-ALARM, aber hallo!!!).
Aber dazu kommt nun diese absolut coole Gewissheit, sich eine CD ganz ohne gravierende Geldengpässe aus dem Internet herunterladen oder auf ein Konzert gehen zu können, ohne Mama und Papa dazu überreden zu müssen. Jungs hat man genug geküsst und kann sich sogar ernsthaft und überzeugend ein Urteil über gute oder schlechte Küsser erlauben. Ich darf solange ausgehen wie ich will und noch ganz andere Sachen tun. Außerdem suche ich meine Kleidung selber aus, finde meine Kleidergröße nicht mehr im geringsten beunruhigend und mich selbst gelegentlich sogar außerordentlich cool!

Ich kann es kaum fassen, als es mir klar wird: Das ist sie jetzt also - die große Freiheit, von der ich mit 14 geträumt habe! Die paar Falten und grauen Haare nehme ich dafür doch gern in Kauf. Und das erstaunlichste: Ohne Take That mit ihrem nicht gerade vertrauenserweckenden Progress hätte ich das gar nicht bemerkt!

Das Fazit lautet also ganz anders: Take That sind keine Jungs mehr, die 90er und unvorteilhafte bauchnabelfreie Mode sind vorbei, ich darf an Karneval Alkohol ohne Ausweis beim Schlecker kaufen und trotzdem darf ich mir noch voller Aufregung das neue Album von Gary, Mark, Robbie, Howard und Jason wünschen und es mit zittrigen Händen auspacken. Von wegen erwachsen - kreisch! Robbiiiiiiiee! Und Mark Owen hat das Big Brother-Haus ja wohl auch als Sieger verlassen, ätsch!

Wow. Es ist, als wäre John Lennon auferstanden.

Ach ja, ich muss jetzt unbedingt endlich zum Take That-Konzert, fällt mir dabei ein. Es gibt welche in Deutschland stelle ich fest, schon ganz verschwitzt vor dem Rechner sitzend, während meine Finger über die Tastatur huschen und Daten, Orte und Preise erkunden. Das Konzert in München ist erreichbar - ich kann ja selber fahren. Ich bin volljährig! :-)

Dann entdecke ich, dass ich am selben Tag, abends, unaufschiebbare Theater-Verpflichtungen habe. Das heißt - stelle ich voller Entsetzen und nunmehr atemlos und kurz vorm Nervenzusammenbruch fest -ich kann NICHT HIN! Da führt kein Weg dran vorbei. Mein Gott. John Lennon ist gerade im Theater gestorben... Und ich fühle mich wieder haargenau wie 13.


Im Booklet zu Progress steht schlicht "Thank you".
Das gebe ich an Take That zurück, hundertfach, für den Erhalt meiner geistigen Jugend und das Gefühl der unerfüllbaren Träume. Bitte trennt Euch nie wieder, es würde mir das Herz brechen. Ich liebe Euch! - mit 13, 30 und bestimmt auch 53. Und irgendwann, wenn John Lennon aufersteht, werde ich auch endlich auf ein Konzert gehen.

Tipp: Wer wissen will, wie die Herren von heute die Jungs von früher sehen,
der findet das Video zu Happy Now bestimmt genauso witzig wie ich.