Mittwoch, 15. Mai 2013

Paris im Mai 2013

Urlaub!
Sehr spontan buchen wir Paris, die Stadt der Liebe. Und der Museen. Und des Anstehens ;-).
Es geht am Dienstag schon früh um acht los, denn wir müssen pünktlich den Flieger mit AirFrance ab Frankfurt erreichen. Wir sitzen neben einem Chinesen, der Musik hört und aus Versehen ein paarmal rülpst, und so ist der Hinflug schonmal ganz witzig - wenn auch auf Kosten des armen Nachbarn. Wir residieren in Bercy und steigen für eine Strecke, die eigentlich nur einmal umsteigen erfordert, dreimal um, weil wir die Kürze der Strecke leider erst am dritten Tag auschecken. Zum Glück habe ich einen 15 Kilo schweren Koffer bei mir und haue mir gleich bei der ersten Schranke die Klappe vor den Kopf, sodass ich Angst habe, dass meine Brille es nicht überlebt. Aber dafür muss ich schon auf dem Weg ins Hotel Französisch üben, weil wir nach dem Weg fragen müssen. Alles also sehr abenteuerlich. Am Abend wollen wir, sozusagen zum Beweis, dass wir auch WIRKLICH in Paris sind, gleich mal zum Eiffelturm aufbrechen, und das machen wir auch. Als er auftaucht, ist das echt erhebend, und wir machen gleich mal gefühlte mindestens 50 Fotos von der eisernen Madame.

Erster Blick auf den Tour Eiffel, und wir machen Pause auf der Bank ;-)


Die Dämmerung setzt ein!

Nostalisches Karussell vorm Eiffelturm 
(Magnum hier am Kiosk kostet sagenhafte 5 Euro, kaufen wir natürlich nicht)



Eiffelturm-Gegenüberstellung vor Dämmerung und nach Dämmerung (...)

Eiffelturm bei Nacht

Wir sitzen dann übrigens noch herrlich vor dem strahlenden Turm auf den Champs de Mars und genießen den Ausblick. Danach geht´s erstmal wieder den Schlafvorrat neu bestücken, denn wir wollen am nächsten Morgen früh raus: Da steht der Louvre auf dem Plan. Und da ist es auch schon morgens recht voll:

Louvre
Dafür regnet´s eh ein bißchen und wir genießen einfach gängelang die alten Schinken von den alten Meistern in alten Rahmen in teilweise grausiger Luft, besuchen dem ollen Napoleon seine Gemächer und bestaunen Skulpturen aus allen Zeiten und Regionen.

Voll ist es auf dem Weg zur Mona Lisa... 
... und daselbst ist es noch viel voller und ich spare mir das Angucken der Mona Lisa und erfasse lieber den Irrsinn drumrum. Also, über zu viel Ruhe kann die Dame sich nicht beklagen und ich werde total schlank gequetscht. Dann verliere ich auch noch den Liebsten im Gewimmel und ich habe große Not, der Tante vom Wachdienst zu erklären, dass ich unbedingt nochmal zurück MUSS, weil mon ami noch Monsieur DaVinci huldigt und ich Angst habe, ihn im Getümmel gar nicht mehr zu finden. Das Handy ist nämlich zum Glück aus, und weil ich so verzweifelt wirke, darf ich auch nochmal den Rückwärtsgang einschlagen und da finde ich dann auch den verschollenen Begleiter. Wir schlendern durch den Louvre (wo keine Mona Lisa ist, ist es auch gar nicht sooo voll) und wir fotografieren einfach was anderes. Zum Beispiel den Louvre aus dem zweiten Stock:


Schöne Damen...
















 ...fröhliche dicke Frauen...

...Lady McBeth...












... und wir entdecken, dass es eben zu allen Zeiten allen Mädchen nur auf eines ankam: Ponies und ein Glitzerkleid ;-)





  
Ich mache mich dann, unterstützt von meinem 5-Euro-Miet-Audioguide, auf die Socken um den berühmten Codex Hammurabi zu finden. Irgendwie war ich überrascht, dass es sich dabei um eine Steinsäule handelte. Auf der Säule sind freilich ganz ganz viele wirklich unglaublich winzige Schriftzeichen, die sich laut Aushängetafeln hauptsächlich mit dem Familienrecht befassen. Ein unglaublich großer Haufen Regelungen setzt sich auch noch damit auseinander, wie man Frauen, die sich aufführen, bestrafen kann, und dann gibt es noch ordentlich archaische Strafen.Aber gut, ist ja zum Glück auch alles schon etwas länger her.
Codex Hammurabi 
(und ja, es war SEHR schwer, ein Foto zu kriegen, 
auf dem nicht auch ebenfalls den Codex fotografierende Asiaten zu sehen sind ;-)

Danach ist es dann aber auch echt mal gut mit Museum. Wir wollen jetzt auf dem Fußweg Richtung Arc de Triomphe das mittlerweile traumhafte Wetter genießen. 


Nochmal der Louvre aus´m Park...
Bitte das Schild um den eingezäunten (!) Busch beachten - 
dafür, dass es kaum öffentliche Toiletten gibt, 
stellen die Pariser sich mit ihrem Grünzeug ganz schön an...




Wir flanieren durch den wunderschönen Park, pennen in Liegestühlen am Springbrunnen ein, und erreichen schließlich die Champs Elysees. Da könnte ich jetzt aber schön shoppen... Ist aber keine Zeit,  denn wir wollen ja zum Triumpfbogen. 
Da ist dann auch prompt Militärkapelleneinsatz und wir lauschen auch noch der Musikvorstellung. 
Aber wir sind auch ganz schön fertig... trotzdem genehmigen wir und nur eine Essenpause und dann wird noch der Anblick von Notre Dame genossen.
Abends auf dem Heimweg: Kurzer Abstecher zu Notre Dame
Gargoyles. 
Das ist mal so richtig beeindruckend und irgendwie festlich. Weniger festlich ist die Heimreise. Der Liebste rennt im Metrotunnel plötzlich los, und ich will hinterher und quetsche mich dann auch noch voll in der Metrotür ein. Die blauen Flecken hab ich jetzt noch an den Armen, so ´ne Metrotür ist nämlich ziemlich hartnäckig. Als Entschädigung gibt es Chips, die mon ami in der Metro am Automaten zieht. Und schwupps, lade ich mir im Hotel den Glöckner von Notre Dame auf den E-Reader und habe folglich auch die ideale Paris-Lektüre. Und weil mir das so gut gefällt, kehren wir am dritten Tag auch gleich nach Notre dame zurück und besichtigen das gute Stück auch noch von innen. Unfassbar: Da stehen im hinteren Kirchenschiff doch tatsächlich ganze Metalleinmer, aus denen der Weihrauch noch so hochnebelt, dass einem auch garantiert schlecht wird. Ich muss weg, und kann kein Foto machen. Es klingt zwar unglaublich, aber ist wirklich wahr, ich schwörs!!!

Neben Notre Dame: Justizpalast - da beginnt übrigens auch die Geschichte vom Glöckner ;-)

 
                                    Justizpalast
Über Notre Dame, den Justizpalast, den Blumenmarkt und Pont Neuf kommen wir dann zur Lovebridge, wo ganze viele Love Locks hängen. Hier kann man sein Paarglück feiern und ein Schlösschen mit dem Namen drauf befestigen. Der Schlüssel wird dann in den Fluss befördert.Und das ist dann ein Zeichen ewiger Liebe. Wo so viele Schlüssel versenkt werden, frage ich mich, wie da noch ein Schiff fahren kann, ohne auf Grund zu gehen, aber das scheint noch zu funktionieren. 

Das weiß auch der geschäftstüchtige junge Mann da unten im Bild, der uns gleich die guten Lovelocks für nur sechs Euro anpreist und will, dass wir und alles, was irgendwie nach Paar ausschaut, dem Trend folgen.

Zur Abwechslung jetzt dann aber endlich mal weniger romantisch, nostagisch, verliebt und schnuckelig: Shoppen. Und wo kann man das am besten? An der Oper im Lafayette. ;-)


Ich geh shoppen, mon ami was essen, wir genießen die Ausblicke in der Gourmet-Abteilung, fotografieren Wein für zehntausende von Euros und träumen vom Champagnerbad.



Abends will ich dann nach Montmartre, und zwar zum Moulin Rouge. Während Montmartre hält, was es verspricht, ist das Moulin Rouge überhaupt nicht spektakulär. Auch wenn es auf den Fotos immer so aussieht!!! Gegessen wird im Consulat, und dann freue ich mich unglaublich auf die schönste Kirche der Welt: Sacre Coer. Die ist traumhaft schön und ich bin glücklich, alles ist romantisch und ich genieße die phantastische Aussicht auf Paris.

Consulat in Montmarte
Moulin Rouge - ein Traum aus Plastik ;-)
Sacre Coer

Am letzten Tag machen wir noch eine Seine-Rundfahrt (bei der ich wieder mal einpenne und außerdem schrecklich friere), besuchen zufällig nochmal die LoveLocks auf der Künstlerbrücke neben der Pont Neuf und genießen den leider etwas trüben Tag ohne Rücksicht auf das Wetter. So gern wir würden: Für das Musée d´Orsay reicht beim besten Willen die Kraft nicht mehr. 

 LoversBridge mit Blick auf Pont Neuf
Stattdessen beschließen wir dann, dass wir doch noch den Eiffelturm besuchen, und zwar das höchste Stockwerk.

 Von weitem schaut es gar nicht so wild aus...

- von ganz nah drunter dagegen ist das schon eine Nummer!

Dafür lohnt sich der Ausblick umso mehr. denn Paris von oben ist, so nah und direkt an der Seine, ganz arg schön... bitte einfach genießen und auch schön finden...

Paris bei Nacht 

Es folgt ein etwas gehetzter Lauf zur Metro, wo als krönender Abschluss des Urlaubs natürlich hinter uns noch einer ins Abteil kotzt. Das muss aber wohl sein, und trägt auf jeden Fall zum Spaß-Flair bei. Wir wechseln ganz schnell den Wagen, um uns nicht einreihen zu müssen. Ich lese im Hotel noch ein bißchen im Glöckner.

Und am nächsten Morgen, so traurig es auch ist, müssen wir abreisen... 
Paris, je t´aime  - und wir kommen wieder!

Empfehlung: Reiseführer Paris von Baedecker. Ganz frisch erschienen. Und spart die geführte Stadttour. 

Mittwoch, 1. Mai 2013

Reflexionen über den Froschkönig

Neulich habe ich tatsächlich die Prinzen wieder entdeckt. Damals - in den ewig von mir verehrten 90ern - brachten die ein Album raus, auf dem ein Froschkönig mit Krone saß und fett drauf prangte: KÜSSEN VERBOTEN. Die Darstellung des Froschköngs haben die Prinzen seither in steter Regelmäßigkeit wieder bemüht. Schon damals, 1992, gerade mal stolze elf, habe ich mich ja gefragt, was das soll. Die wollten also lieber Frösche bleiben und keine Prinzen werden. Oder umgekehrt?
Trotzdem haben natürlich unter anderem die Prinzen mit ihren netten kleinen auf deutsch gesungenen Liedchen den Beginn meiner Musikbegeisterung ein kleines Stück begleitet, und wie oft im Frühjahr (da wurde ich dann zwölf und der Osterhase brachte ALLES NUR GEKLAUT bei Oma, weil ich einfach zu dick für Schokolade war) sind sie mir auch dieses Jahr irgendwie eingefallen und ich hab mal wieder reingehört.

Und wie ich so mit der White Pearl durch die Gegend eiere und die Prinzen mir was vorsingen, denke ich drüber nach, wie man eigentlich auf sowas blödes wie das Froschding kommen kann. Und wieso muss man eigentlich "viele Frösche küssen, bevor man einen Prinzen trifft"? Vom Froschkönig kommt das ja wohl sicher nicht. Genau genommen wird nämlich in der gesamten deutschen Märchenliteratur ganz sicher kein Frosch geküsst, sondern vielmehr zu erlösende Prinzessinnen. Und letztere Mission erledigen im Normalfall ganz bestimmt keine Frösche. Eigentlich geht die Geschichte mit dem Frosch nämlich ganz anders. Ich ziehe mal mein altes Märchenbuch zu Rate: 


Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich

"In den alten Zeiten, wo das Wünschen noch geholfen hat, lebte ein König, dessen Töchter waren alle schön, aber die Jüngste war so schön, dass die Sonne selber, die doch so vieles gesehen hatte, sich verwunderte, sooft sie ihr ins Gesicht schien".

Ok, ich fass mal zusammen: Sprechender Frosch tut heulender Prinzessin einen Gefallen, indem er ihr Lieblingsspielzeug, eine goldene Kugel - nicht ganz zeitgemäß, ich weiß - aus der Tiefe eines Brunnens wieder hervorholt. Als Gegenleistung verlangt er aber, dass das Fräulein ihn mit zu sich nach Hause bringt, wo er fortan als Spielkamerad fungieren will. Und die verspricht: "Ach ja, ich verspreche Dir alles, was Du willst, wenn du mir nur die Kugel wiederbringst!" Worauf der Frosch erfolgreich seinen Job erledigt. Die Prinzessin findet den Frosch dann aber plötzlich nicht mehr so wirklich attraktiv und macht sich aus dem Staub. (Merke: Nirgendwo im Märchen findet sich auch nur ein Hinweis darauf, dass der Frosch eine Krone trage!!!) Der Frosch hat´s schwer, nimmt aber die Verfolgung bis zum Schloss auf: "Königstochter, jüngste, mach mir auf, weißt Du nicht, was gestern Du zu mir gesagt bei dem kühlen Brunnenwasser?"
- Und weil Märchen ja bekanntlich was für die gute Erziehung tun sollen, sind die Eltern angesichts des armen und mit Flucht abgespeisten Frosches ziemlich sauer und bringen dem Fräulein erstmal gute Manieren bei: Frosch isst mit, Frosch trinkt mit - und: Frosch darf bei Prinzessin übernachten (SKANDAL!). Die Kleine ist darüber dann auch derart erbost, dass sie den kleinen grünen Kerl kurzerhand am Bein packt und gegen die Wand haut. O-Ton: "Nun wirst Du Ruhe haben, du garstiger Frosch!" Und dann steht plötzlich der Prinz vor ihr. Geküsst wird in diesem Märchen übrigens überhaupt nicht, nur der Heinrich verliert noch seine drei schweren Eisenringe ums Herz.

Tatsache ist also: Frösche muss man erstmal ordentlich vor die Wand hauen, bevor sie sich zu Prinzen entwickeln. Und Frösche werden auch nicht geküsst, ganz im Gegenteil. Mein Rat frei nach den Gebrüdern Grimm daher: Alle Frösche, die denken, dass sie irgendwann mal geküsst ganz gute Prinzen werden könnten, sollten sich also nicht allzu große Hoffungen machen. Und Ihr wisst ja jetzt: Dass das Wünschen noch geholfen hat, das war in den alten Zeiten...!

Mittwoch, 10. April 2013

In eigener Sache: "Yes Prime Minister" im Theater Chambinzky


Fast druckfrisch, denn gerade mal aus dem Jahr 2010 kommt eine heiße Story aus GB zu uns: Der Prime Minister Jim Hacker hat das eine oder andere Problemchen. Seine Umfragewerte sinken, die britische Währung ist im Keller, das Kabinett ist gespalten – wie kann er da erwarten, bei der geplanten Konferenz des Europäischen Parlaments die finanzielle Stabilität Europas erreichen zu können?
Hacker will es mit einem Kredit aus Kumranistan versuchen, doch die Bedingungen für diesen Geldsegen sind außerordentlich außergewöhnlich. So will der kumranistanische Retter Mr. Aitikiee nicht nur eine Pipeline zum Öltransport durch Europa legen, sondern auch eine eigene Pipeline noch ganz woanders unterbringen... 
Mit Humor auf very british muss der deutsche Zusschauer zwar damit rechnen, dass ihm der eine oder andere Lacher echt im Halse steckenbleibt, dennoch kann man unserem Stück wohl kaum mangelnde Aktualität vorwerfen. Wir freuen uns über ganz viele Zuschauer, zumal wir in deutschsprachiger Erstaufführung unterwegs sind! Und das will sich doch sicher keiner von Euch entgehen lassen?

YES PRIME MINISTER
von Jonathan Lynn & Antony Jay

Es spielen: Wolfgang Stenglin, Gerd Eickelpasch, Nis Heller, Miriam Schriewer, Oskar Vogel, Michelle Neise   
Regie: Manfred Plagens
Assistenz: Julia Heigel 
Bühne: Volker Harzdorf
TERMINE:
im März 2013:      28. 29. 30. 31.
im April  2013:      3. 4. 5. 6. 7. 10. 11. 12. 13. 14. 17. 18. 19. 20. 21. 24. 25. 26. 27. 28.   
im Mai   2013:      1. 2. 3. 4.

Mi-Sa 20:00 Uhr
So 19 Uhr

Montag, 18. März 2013

Gehört: Selig im Gibson Club FFM am 17.03.2013

Als überzeugte Wiederholungstäterin habe ich gestern mein drittes Selig-Konzert im Gibson Club in Frankfurt besucht. Und es war sofort bei den ersten Klängen von Ich lüge nie wieder klar: Diese Band ist einfach so unendlich geil, dass ich schon wieder gar nicht weiß, wie ich Euch das nur erklären kann, wenn Ihr nicht dabei wart. Ihr musst Euch das ungefähr so vorstellen wie Orgasmus auf Schokolade - und ´n ordentlicher Schuss Sekt dazu... 
Erstmal gab es eine volle Dröhnung Magma, allerdings auch mit vielen ruhigen Klängern. Besonders freute mich, dass sogar Der Tag wird kommen es auf die Tourliste geschafft hat. Wahnsinnig toll sind live auch Danke und - herrlich selbstironisch - Bring mich heim. Dann gibt es einen Streifzug durch die neueren Alben mit Schau Schau oder 5000 Meilen.
 Dann einer der absoluten Höhepunkte: Leise beginnen Gitarrenklänge den dunklen Raum zu erfüllen, und ich weiß schon nach den ersten Tönen verdammt und ganz genau was jetzt kommt... - und dann heult Jan "Oh, am andern Morgen - rotes rotes Gras / mag sein dass sie geliebt hat, mag sein wir hatten Spaß / Egal ob es regnet, egal ob es schneit ---" ins Mikro. Und die Halle bebt: "Sie trägt den Arsch einer Göttin ...!" Es gibt als Zugabe Sie hat geschrien und außerdem hauen sie dann auch noch Wenn ich wollte aus dem Käfig. 
Ich weiß plötzlich wieder ganz genau: Die 90er sterben nie, und ein Konzert kann nicht schiefgehen, wenn folgende Regeln eingehalten werden: Ein Sänger muss mit uns reden, ein Gitarrist braucht lange Haare, ein Keyboarder muss Quatsch machen, ein Drummer richtig Wumms geben und ein Bassist einfach cool sein (Leo, ich liebe Dich ;-)
Das beste ist, dass die Besten außerdem die Show nicht verlassen, am Ende für uns noch Ohne Dich spielen und das Mächen auf dem Dach und als absolutes Endhighlight Regenbogenleicht vom Album Blender.

Und ich weiß: Ich werd´s wieder tun. Ich bin unendlich glücklich. Ich bin süchtig. Und absolut und total SELIG.

Montag, 4. Februar 2013

Gehört: "Magma" von Selig

Vor vielen Jahren, das war noch in den 90ern, und es kommt mir jetzt gerade unendlich lange her vor, da hieß es mal: "Kann nicht schlafen / kann nicht essen / kann nicht trinken ohne sie / kriech dem Wahnsinn unters Kleid / und im Haus Nummer Sieben brennt ein Licht..." und Jan Plewka flehte mit verzerrten Lauten: "Verbring die Nacht mit mir im Fahrstuhlschacht"!

2013 hört sich das mit "Magma" irgendwie um einiges vernünftiger an, wenn es so gaz und gar verständlich heißt: "Kann nicht essen, kann nicht schlafen / vom Beeilen und nicht Warten / vom zu Viel und noch viel Mehr. / Wo bleibt die Zeit zum Verweilen / und zufrieden zu sein?"
Das neue Selig-Album ist seit ein paar Tagen da, und nach wochenendfüllenden Fortbildungsqualen fand ich, dass es ganz bestimmt Zeit sei, mir etwas Gutes zu tun. Ich zahle immer noch für Musik - der Weg führte also über einen Download. "Magma" ist damit das erste Selig-Album, das nicht in meinem Regal steht, sondern irgendwo im Datennirwana von MP3-Player und Rechner rumschwirrt. Heute Morgen auf dem Weg zur Arbeit hatte ich dann endlich ein paar Minuten Zeit, mich zurückzulehnen und in Entspannung zu üben. 

Ob´s mir gut geht, fragt Jan mich diesmal im Jahr 2013. Und erzählt mir vom Lügen, Lieben und Arbeiten, nimmt mich mit ins Zimmer 433 (da ist der Kaufvertrag im BGB normiert, fällt mir ganz spontan ein...) und zum Meer. Fast denke ich schon, dass das auch eine ganz andere Band sein könnte, die mir da was erzählt, und dass da heute gar keinen Raum für mich ist. (Und den hatten Selig bisher eigentlich, wenn zuletzt mit "Und endlich unendlich" auch in zunehmend verschwindendem Maße, immer gelassen).

Selig 2013 ist tatsächlich Poprock und damit ganz kristallklar einzuordnen, was ich bei Selig in den 90ern immer sehr schwierig fand und mich deshalb beim Hören immer ganz und gar frei gefühlt habe, aus der Musik zu machen, was mir gefällt. Was damals so rauschartig mein Hirn schweben ließ, ist heute einem gefälligen Cocktail gewichen, von dem ich bestimmt keinen Kater bekommen kann. Heute lasse ich mir also Geschichten erzählen, und die kann letztlich jedermann ganz gut hören. Ich fühle mich ein bißchen einsam...

Als ich es aber nach ein paar Titeln eigentlich schon gar nicht mehr glaube, stellt man mir dann zum Glück doch noch "Schwester Schwermut" vor. Vor mir geht schon nach ein paar Takten die Sonne auf, und ich weiß: Darauf habe ich bis Februar gewartet - vielleicht nicht gerade seit den 90ern, aber ich hatte es doch auch erwartet. Ich bin ja soooo versöhnt. "Danke" und "Wenn ich an Dich denke" haben zwar klare Texte, aber eben auch tolle Musik. Etwas ganz neues bringt mir "Der Tag wird kommen" - über ein paar Takte komme ich erst gar nicht hinaus, aber dann ist es so schön anders, dass es schon wieder besticht, wenn man es zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort hört.

Und so fühle ich mich mit "Magma" gerade so schön an zu Hause erinnert. Sicher werde ich "Magma" oft hören, so wie heute früh, in den besonderen Situationen, in denen ich dringend und voller Sehnsucht nach Hause zu mir selbst will, auf dem Weg zur Arbeit und auf dem Weg zur Ruhe.

Ich hoffe, ich darf getrost nur aufs nächste Album warten, um nach Hause zu kommen -

SO GUT, DAß ICH GESEHN HAB
SO GUT, DAß ICH WEIß
SO GUT, DAß ICH GELACHT HAB
ÜBER DAS, WAS ÜBRIGBLEIBT
TRAG MICH WEITER WEIT ALS HIER
UND ICH WÜNSCHTE, AUCH DER REST
KÖNNTE MIR GEHÖR´N

KOMM, TANZ WEITER
TREIB MICH, VERZEIH DIE ZEIT
MACH DIE AUGEN AUF, UND GLAUB DARAN
STILL BEI MIR ZU SEIN

SO GUT....(Selig: Nach Hause / Album Hier 1995)

- und das wird mich hoffentlich wieder ins Gemüt treffen, so wie es für immer und selig sein sollte. Und bis hahin werde ich mich mit "Magma" zumindest dorthin träumen. 

Selig: Magma/1. Februar 2013
Label: Vertigo Berlin (Universal)

Donnerstag, 3. Januar 2013

In eigener Sache: Prag zum Jahreswechsel 2012/13

Den Jahreswechsel haben wir diesmal richtig gut angehen lassen. Und zwar mit vier Tagen Prag für sechs Leute, wohin wir uns mit der Deutschen Bahn befördern ließen. Zunächst geht es da mit dem ICE nach Nürnberg, und dann im Expressbus direkt und ohne Halt nach Prag. Bereits die Busfahrt war dementsprechend sensationell. Mit an Bord und  - logisch! - direkt hinter uns platziert waren drei symphatische Jungs, von denen zwei ganz offenkundig "Schwein" und "Homo" hießen. Ich gebe hier auch den originellsten Witz der beiden nochmal zum besten: "Was ist der Unterschied zwischen einem belgischen Kind und einer Kartoffel?  - Die Kartoffel ist erst unter der Erde und dann im Keller!" Der kleinen Fauxpax von "Schwein", der zuerst aus Versehen nach dem Unterschied zwischen einem holländischen Kind und einer Kartoffel fragte, vergessen wir dann jetzt mal schnell. Ist ja auch gar nicht so weit weg von Holland, dieses Belgien. Aber als Animateure, echt 1A die Jungs. Wir fangen sozusagen als Gegenprogramm auch schon um halb zehn morgens mit der ersten Flasche Sekt an und genehmigen uns dann noch die Bayern-Hits, ausgewählte Spirituosen im Fünferpack. Ich erwische einen Kräuterschnaps. Herrlich - endlich Urlaub, kann ich da nur sagen.
Nach so viel Kultur schon im Bus kann ich die Stadt kaum erwarten, ehrlich. Zum Glück bin ich da wieder einigermaßen nüchtern, denn es bieten sich unglaublich tolle Bilder und Silouetten auf unserem ersten Stadtrundgang gleich am Nachmittag. Hier deshalb ein paar Eindrücke: 

Weihnachtsmarkt vor Taynkirche

Blick von der Moldau auf den Hradschin mit Veitsdom

Auf der Karlsbrücke in der Dämmerung

Am ersten Tag essen wir auf der Kleinseite im U Schnellu. Das beste kommt wie immer zum Schluss: Apfelstrudel. Lecker! Leider habe ich zu diesem Zeitpunkt schon eine mittelgeradige Knoblauchvergiftung von der Vorspeisen-Kartoffelsuppe. Aber das macht nichts, in Prag lässt sich da der Pegel ganz gut halten und die Entwöhnung ist weniger hart, als man denkt

Schaufenster eines Spirituosenladens

In Prag sind alle irgendwie ganz verrückt nach Absinth. Es gibt sogar Flaschen, in denen ein riesiger toter Käfer rumschwimmt. Absinth "Beetle" nennt sich das dann. Lecker. Ich verzichte auf Kostproben und halte mich an Bier. Schließlich will ich ja noch was sehen von der Stadt, und die grüne Fee hatte ich ja eh schon kennen gelernt.  
Der Absinth-Trinker - Gemälde im Kaffeehaus Slavia

Es geht am nächsten Tag daher postwendend auf den Berg und in die Burg. Erstmal genehmigen wir uns einen Glühwein. Ist ja auch schon halb zwölf Mittags. Der wird einem auch förmlich an jeder Straßenecke aufgedrängt. Hier oben ist er leider weder gewürzt noch gezuckert. Sehr interessant, so heißer, trockener Rotwein im Pappbecher. Ich kipp mal lieber ein Beutelchen Zucker rein. Und trinke dann tapfer auf den scheußlichsten Glühwein der Welt. Und alle machen mit ;-)

Dann steht aber wieder Kultur auf dem Speiseplan. Da gibt es eine gruselige Folterkammer und eine blendende Aussicht auf Prag. Und natürlich den Veitsdom mit grausligen Wasserspeiern außen dran und unglaublich coolen Fenstern innendrin. An jeder Ecke stehen hier irgendwelche Musiker rum, was ganz arg romantisch ist.
Vor dem Wachplatz

Im Veitsdom

Touristinnen. Ohne weitere Worte...

Sammlung von Rüstungen im Goldgässchen

Abends gehe ich mit dem Liebsten auf den Berg in den Park und zu  kleinen Prager Eiffelturm Der Blick von dort ist echt gigantisch. Und dann werde ich auch noch zum 7-Gänge-Menü ins Kampa Park geladen. Das ist fein und hat auch tolle Aussichten. 

Blick vom kleinen Eiffelturm auf die Stadt

 Im Kampa Park an der Moldau 

Dann ist es auch schon so weit - Silvester naht! Zum Glück haben wir schon am ersten Tag eine echt coole Location aufgetan, in der es sich verdammt geil feiern lässt. Wir sind bei den "Cowboys" auf der Kleinseite und die haben super Buffet und außerdem eine phantastische Dachterasse direkt unter der Burganlage mit Blick über die ganze Stadt. Ich kann das nur empfehlen, die kriegen für Essen, Liveband und 1. Reihe-Plätze-Feuerwerk eine glatte Eins. Leider kann man das nicht fotografieren, so ein Diamanten-Funkelgewitter über einer alten aber dennoch grazilen Stadtsilouette. Stellt es euch einfach vor, wie wenn Millionen Glitzersteine über ein Lichtermeer prasseln. Na, kommt schon, Ihr wisst doch, wie ein Feuerwerk aussieht, oder???

Den letzten Tag lassen wir gemütlich mit einem langen Spaziergang und einem Frühstücks-Besuch im Kaffeehaus ausklingen. Hier gibt es, ähnlich wie in der Türkei, erotik Lampa. Naja. Eher exotik Lampa. Aber trotzdem schöööön. Und das Frühstück ist mit Fleischbrühe und Omelette nach so einem Knallersilvester genau das richtige.

 Die Sonne scheint. 2013 wird sicher super!



Im jüdischen Viertel

Liebes-Schlösschen

 
Charles-Bridge-Blues



Happy New Year!

Übrigens: Auf der Heimreise haben wir tatsächlich bereits an der Bushaltestelle unsere reizende Begleitung von der Hinreise wieder getroffen. Die Jungs waren jetzt müde, ausgenüchtert und ganz brav. An die Fahrt  im Bus konnten sie sich nach eigenen Angaben leider auch auf Nachfrage nicht mehr erinnern. Wir haben uns den Belgier-Witz nochmal erzählen lassen und Bilder gemacht. Meet your Star! ;-)

Montag, 3. Dezember 2012

Aus gegebenem Anlass: Twentyfour - auf der Suche nach dem Adventsmoment

Der Liebste bekam dieses Jahr keinen Adventskalender. Er hat nämlich letztes Jahr schon die Schokolade darin verweigert. Auf Grund besonderer ernährungspsychologischer Kausalitäten. 
Naja. Ich fühle mich nicht richtig adventlich ohne Adventskalender zuhause (egal, ob meiner oder seiner!). Also muss ich mir einen eigenen schnitzen. Jeden Tag gibt es nämlich im Dezember irgendwo, irgendwie irgendwann ein bißchen Weihnachten. Völlig ohne Kalorien werde ich daher hier mein eigenes "December-Twentyfour" anrichten, und Ihr, liebe Leser (die Ihr dieses Jahr ziemlich zahlreich geworden seid, was mich sehr freut und auch glücklich macht), müsst mir bei der Suche nach dem einzig wahren Adventsmoment des Tages zuhören und helfen.



Montag, 3. Dezember
Es ist Montag, und alles geht schief im Büro. Zum Glück kocht der Liebste mir abends Hackfleischklößchen. Und dazu hat er ein Gläschen feinen Rotwein. Und dann läuft echt das Weihnachtsspecial mit unserem Helden Mr. Bean. Ich in versöhnt und der Adventsfriede ist wieder hergestellt. Viel Spaß. Mr. Bean ist celebrating christmas the different way!


Sonntag, 2. Dezember
Kaum zu glauben, aber Weihnachten begegnet mir schon beim Aufstehen! Es hat geschneit, ganz echten SCHNEE, und das in Würzburg! Ich bin völlig fasziniert. Zum Glück habe ich vor ein paar Tagen meine alte Stereoanlage im Wohnzimmer aufgebaut, die echt coolen Sound produziert - da kann ich den Schatz liebevoll wecken: Mit voller Dröhnung "I´m dreaming of a white Christmas" und "Let it snow, let it snow, let it snow". So, da hat er seinen Adventskalender dieses Jahr. Schöne Bescherung. ;-)



Samstag, 1. Dezember 

Die erste, die mir auf der Suche nach Weihnachten und dem wahren Moment des Advents half, war Meike. Obwohl ich sie nie zurückrufe, das ganze Jahr über vor lauter Stress und Entfernung nix von mir hören lasse, unsere Freundschaft damit vernachlässige und stets ein schlechtes Gewissen habe, lässt sie jedes Jahr Gnade vor Recht ergehen und schickt mir ihren E-Mail Adventskalender trotzdem.
Da gibt es dann jeden Tag ein kleines Stück von einer schönen Weihnachtsgeschichte, auf die ich immer schon sehnsüchtig warte -  und jeden Tag wird mir ein bißchen warm ums Herz, wenn ich die Adventskalender-Mail so *b l i n g b l i n g * in meinem Postfach sehe. Meike ist eben großartig, und jedes Jahr zu Weihnachten möchte ich ihr dafür von ganzem Herzen danken. Das mache ich hiermit feierlich und offiziell, und gelobe für das nächste Jahr öffentlich Besserung. Liebe Meike, hoffentlich liest du das hier und nimmst die weihnachtliche Entschuldigung für mein schlechtes Betragen an. Sankt Nikolaus wird meine Unartigkeit zwar in sein schwarzes Buch eingetragen finden - aber es wäre mir schon recht, wenn wenigstens Du nicht allzu sauer wärest... DANKE auf jeden Fall für meine tägliche Dosis Weihnachten. Ich genieße sie und freu mich jeden Tag darüber!