Montag, 18. Mai 2009

Ablenkungsmanöver

Was macht der Examenskandidat, wenn er gerade mal nicht lernt?
Richtig! Er geht ins Kino! Um zwischen umherspringenden Superhelden, rasenden Autos und Motorrädern, starken Männern in Lederjacken und dröhnendem Soundtrack einfach mal zwei Stunden zu entspannen und das wirklich wahre Böse, nämlich das äußerst reale EXAMEN (EVIL! EVIL!! EVIL!!!) kurzzeitig gegen eine einfach gestrickte GUT = die Jungs, die gut aussehen und am Ende als Gewinner dastehen - BÖSE = die hässlichen Typen, die am Ende alle sterben/ins Gefängnis kommen/reingelegt werden etc., auszutauschen.

Leider war die selbst auserwählte Ablenkung in Gestalt von "Wolverine" nicht ganz so toll zur Ablenkung geeignet. Eine undurchsichtige Geschichte (das war ja fast schon kompliziert!), die auch noch Sinnfehler enthielt, angesichts derer die Macher noch nicht einmal versucht haben, eine Erklärung zu liefern, gepaart mit einem leider nicht besonders wolfig-animalischen, dafür aber anabolikageschädigt anmutendem Hugh Jackman - das war nicht der Stoff, aus dem meine Marvel-Träume sind.
Naja, immerhin gabs ein Motorrad, eine Lederjacke, und ein paar ganz amüsante Superhelden. Das Examen konnte ich darüber aber trotzdem nicht vergessen.
Daher Gesamtnote trotz coolem Wolverine Jackman: Ziel verfehlt.

Samstag, 9. Mai 2009

Examensstimmung

Diese Karte schenkte man mir zum Geburtstag...



...und ich werde das Gefühl nicht los, dass ich dem Wesen, das da abgebildet ist, irgendwie jeden Tag ein bißchen ähnlicher sehe. Wenigstens bin ich weiterhin ein nahezu militanter Nichtraucher - ansonsten bestehen aber nicht allzu viele Unterschiede zum typischen Examenskandidaten.

Samstag, 2. Mai 2009

Was ist eigentlich mit... Selig?

– Und endlich unendlich!
Seit zehn Jahren hatte ich ja nun die Hoffnung aufgegeben, dass ich es nochmal auf ein Konzert der größten Band Deutschlands schaffen würde. Aber nun ist es da: Mein Ticket für Selig im September in München!!! Nach der Trennung, dem Einschlagen eigenener Wege und dem einen oder anderen Album in Eigenregie gab es eine Wiedervereinigung, gleich ein neues Album und natürlich die für mich schon im Geiste völlig abgeschriebene Tour.
Ich höre „Und endlich unendlich“ schon seit Wochen rauf und runter, sauge jeden Song auf und ein und verlasse die Wohnung in besonders schlimmen addicted-Phasen noch nicht einmal für einen Gang zum Mülleimer ohne MP3-Player. (Im Ref hat man ja auch sonst keine Zeit zum Musikhören...)
Das Album fängt ein bißchen locker flockig an, der Startsong ist dann aber entgegen dem Titel keineswegs nur ein „Weg zur Ruhe“, sondern läd schon nach wenigen Takten zum Rocken ein und zieht gleich in diesen unnachahmlichen Seligbann – und schon ist man am ende vom ende der transformation. „Wir werden uns wiedersehen“ dagegen ist ein Abendlied, zieht mit, zieht an der Sehnsucht. Gleich darauf: „Schau schau“ - Selig in Reinform. Ein echter Lieblingssong war für mich von Anfang an „Ich bin so gefährdet“. Einen Abendsonnenlied, mit einem Glas Wein, verträumt-vernebelt und ein bißchen Gitarren-angestrauchelt verschwirbelt. Ein unglaublicher Mitreisser ist „Lang lebe die Nacht“... Du und ich im tanzend nervösen licht, egal was uns der tag verspricht - komm her, komm näher in den morgen danach... Und viel zu bald geht es schon auf das Ende zu mit „Ich dachte schon“ – das könnte auch vom Album „Hier“ stammen. Diese Songs verfolgen mich also nun in alle meine Traumfenster und laufen bei allen Schritten mit. Ich genieße die Zeit bis September mit einer neu belebten Selig – Euphorie: Ich bleib liegen in der Welt zwischen den Laken bis Mai.

Mittwoch, 29. April 2009

Sex and the Mensa

Heute Mittag gab es bei mir einfallsreiche Nudeln mit Fertigsoße. Eine recht traurige Angelegenheit der Nahrungsaufnahme. Ich muss daher einmal ein offizielles Hochwort auf die hiesige Mensa in meiner Stadt loswerden, denn ich muss ja unumwunden zugeben, dass eine Woche ohne Mensa irgendwie löcherig und absolut unvollständig erscheint.
Sogar an meinen ersten Mensabesuch kann ich mich noch gut erinnern – er fand im Rahmen einer Einführungsveranstaltung für Erstis statt. Mein Tutor war ein ältlich wirkender, eher zurückhaltender Jurastudent älteren Semesters, dem die zwei Herdplatten und der kalkige Wasserkocher im 1-Zimmer-Studentenappartement durchaus ins Gesicht geschrieben stand. Ich hatte gleich die Assoziation des Alt-68ers, der anlässlich der kollektiven Mensaabspeisung auch beim Essen den Sozialstaat diskutieren muss. War zum Glück nicht so, der hat einfach seine Mahlzeit genossen: Für diesen Studenten war der Mensamittag eine Institution, ein Ruhepol und eine ganz natürliche Angelegenheit bei der man sich entspannen kann. Eine für mich damals noch absolut nicht nachvollziehbare Einstellung: Es gab zwar eine ganz ordentliche Pizza - aber ich fand es schrecklich, mit lauter mir völlig unbekannten Menschen zu essen. Essen hatte damals für mich auch noch irgendwie etwas furchtbar intimes, sodass ich es vor allem ungern in der Öffentlichkeit zelebrierte.
Dabei ist allein essen ja wirklich eine unglaublich traurige Angelegenheit: Pure Nahrungsaufnahme, kein Schwätzchen, keine Gerüchte über den Gerichten, kein freundliches „Guten Appetit“ von gegenüber. Beim Alleinessen möchte ich mich immer am liebsten an einer Gräte verschlucken und sterben...
Wie so vieles im Laufe des Studentenlebens hat sich daher auch meine Einstellung zur Mensa gründlich geändert: Statt allein den Hungertod zu sterben, ging ich eben auch mensen. (Lag vielleicht an meinen zwei Herdplatten und dem kalkigen Wasserkocher). Zuerst mal sporadisch, wenn es sich ergab (bei einem dieser Besuche lernte ich z. B., dass man besser kein „Hirschgulasch“ vor Strafrechtsklausuren isst), dann sogar recht regelmäßig mit Franzi - immer Burse. (Obwohl es dieselbe Küche ist, nur die Teller neuer, die Tabletts anders geformt und das Essen allein aus diesem Grund wesentlich teurer...) Mit Mia: Eher Mensa, manchmal Burse. Ganz nach Geschmack. Mensa nach dem Repetitorium: Mit einigen Damen aus dem Kurs, die regelmäßig nur kleine Salate aßen und dazu ein Schälchen Pommes oder Kartoffeln, und meistens nach der Hälfte des Essens an der unglaublichen Fülle verzweifelten und das meiste mit einem „Ich - kann - nicht - mehr - ich - bin - ja - sooo - satt“ (Wie bitte??? Wovon denn?!) liegen ließen. Mensa mit essgestörten Frauen ist deprimierend, weil man irgendwie was sagen will, aber weiß, dass man nicht helfen kann.
Ansonsten waren es seltene, aber echte Schocker, auch mal allein die Mensa aufzusuchen, etwa in der Studentenjob-Mittagspause. Das war sogar manchmal ziemlich schrecklich... einmal erspähte ich flüchtige Bekannte, bei denen ich mich dazu setzte – sozusagen in der Rolle des sozialen Outsiders, der keine schnöde Mensaverabredung auf die Reihe bekommt. Ganz schlimm. Danach habe ich mich entweder hinter einer Zeitung verschanzt oder mich allein überhaupt nicht mehr allein ins Studentenhaus getraut.
Viel entspannter sind meine jetzigen Mensabesuche: Entweder mit Manfred und seiner Gang. Oder Mensa mit Schlawinski und Karin. Ganz groß: Mensa mit Phil und Sarah, ohne die ich bestimmt schon referendariatsbedingt verhungert wäre – oder aber bereits hunderte von Kilos wiegen würde, weil ich mittags immer Schokolade und Kekse essen müsste. Mensa ist „Sex and the City“ light: Zwischen Salat, Matschegriesbrei, Reis mit Soße, Spaghetti und immer wieder mal „Panzerotti“, den grandiosen Mensapommes und einem Kaffee zum Nachtisch wird erzählt, wer wieder was getrieben hat, was der Umzug macht, welche neuen Klamotten gekauft wurden, wie man mit Übergepäck durch die Flugkontrolle kommt und der Sexappeal von Colin Firth (HOCH!) diskutiert.
Ich bin überascht, dass ich nie mit einem vollen Tablett die Treppe runtergefallen oder damit ausgerutscht bin (obwohl man solche Geschichten von anderen Leuten ja immer mal wieder hört). Das wäre mit Abstand das peinlichste und zugleich lustigste, was man sich in Sachen Mensa um eins leisten kann.
Mensa ist so eine Institution, die das Gemeinschaftsgefühl stärkt, für Zufriedenheit sorgt und einfach gut tut. Viele viele Leute, viel viel Essen und fast immer irgendwo ein bekanntes Gesicht. Dazu passend die vielen heiß diskutierten Themen, die einem manchmal sogar das ohnehin oft lauwarme Essen kalt werden ließen. Eben „Sex and the Mensa“. Daraus sollte mal einer ein Buch oder einen Film machen. – Nein, lieber keinen Film, da würde ja dauernd gegessen - was für eine schreckliche Vorstellung!

Die persönliche Hitliste meiner Mensabesuche sieht etwa folgendermaßen aus:
10- Mensa mit Pommes
9- Mensa und es gibt SchniPo
8- Mensa draußen und mit Pommes
7- Mensa draußen, Pommes und zum Nachtisch Eis (Nogger) aus dem Automaten
6- Burse mit Franzi (immer eine Augenweide, und angestarrt werden wir dann beide ;-)!)
5- Mensa mit Frank, ohne den essen ja eigentlich gar keinen Spaß macht
4- Burse mit Karin und Schlawinski – Karin bekommt mindestens einen Lachanfall.
3- Mensa mit Phil – Fechtgeschichten!
2- Mensa mit Phil und Sarah – ALLE Geschichten, inklusive dem Bericht über die geheimen Kosenamen der Freundinnen von gemeinsamen Bekannten
1 - Es gibt Vanillepudding... Egal wie, sogar allein großartig. Unangefochtene Spitze!

Donnerstag, 23. April 2009

Gelesen: Heinz Strunk - Fleisch ist mein Gemüse

Heinz ist 22, wurde aus der Bundeswehr nach Hause entlassen, hat keinen Job, keine großartig erwähneswerten Motivationen und sein Leben ist ziemlich frauenarm. Außerdem hat Heinz außerirdisch furchtbare Akne, hat seit Jahren die Sonne nicht gesehen und wohnt in Hamburg-Harburg. Kurzum: Heinz ist führt eine ziemlich glücklose Existenz und versteht auch, dass dem Leser mit dem leicht sarkastischen Humor des Versagers vor Augen zu führen.
Heinz ist aber Musiker und spielt Saxophon, und das verschafft ihm immerhin ein Engagement bei „Tiffanys“ (nicht den Tiffanies) als fünfter Mann. Und hier, liebe Leute, wird das Buch für jede deutsche Landratte aus Schützenfestbreiten ein wahres Erlebnis von zeitreisender Komik, dass man es als Ex-Landbewohner, Stadt-Eingebürgerter oder auch Noch-Städter einfach gelesen haben muss: Zwischen schlechtem Dorfgasthausessen, dem schrägen Gesang des Bandchefs Gurki, pinken Paulchen-Panther-Sakkos und „Gut-Schuss“-Bejubelungen der bemusizierten Schützenkönige sucht sich Heinz, der für mich ab heute unangefochtene König der goldenen Klarinette, den Weg zu unnahbaren Dorfschönheiten, lernt die beruhigende Wirkung des Alkohols kennen und fristet sein freudloses Tanzmusikerleben auf der untersten Stufe der Hühnerleiter des Musikererfolgs.
Wer dieses Buch gelesen hat, muss nicht mehr auf ein Schützenfest gehen – der weiß, wie´s läuft! Heinz Strunk spricht mir bei der Beschreibung der Dorfszenarien sogar so aus der Seele, dass ich mich augenblicklich ins Sauerland katapuliert fühle und wieder 17 bin, dass ich laut „Auf die Vogelwiese ging der Hans“ singen möchte und ich von Nostalgie überschwemmt heulen könnte.
Ein Buch, das bei herrlichster Situationskomik auch nicht versäumt, mit melancholischen Strecken den Ernst und die Tragik der Existenz in Erinnerung zu rufen und dabei trotzdem stets dran erinnert: Immer irgendwie weitermachen, dann folgt am Ende auch die verdiente Versöhung mit sich und der Welt.
Ist das Leben nicht irgendwie schön?

"Fleisch ist mein Gemüse" von Heinz Strunk erschien 2004 und wurde 2008 fürs Kino auf die Leinwand gebracht. Der Film ist jedoch eine echte Enttäuschung, kommt er doch nicht nur nicht an die literarische Vorlage heran, sondern erzählt die Geschichte auch ganz anders.
Deshalb: Unbedingt das Buch lesen - und NUR das Buch lesen! Ein Jammer, dass ich das nicht eher entdeckt habe.

Dienstag, 21. April 2009

Aus gegebenem Anlass: Küchenparties

Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Aus den naiven Leichtsinnsplänen, ab halb zehn meine Wohnung bei der alljährlichen und von den Nachbarn wahrscheinlich zutiefst verachteten Geburtstagsfeier gemeinschaftlich zu verlassen, um in der Stadt noch ein paar alkoholische Kaltgetränke zu sich zu nehmen, ist nichts geworden. Das lag einerseits am strömenden Regen, andererseits an der doch recht gemütlichen Wohnung. Immerhin wurde die Party, die hier traditionell und sowieso von Anfang an in der Küche stattfindet, durch einen mal ganz neuen Sitzkreisel im Wohnzimmer ergänzt. Ich war fast ein bißchen erstaunt, denn mein Wohnzimmer haben bisher nur die Raucher für ein Schwätzchen am Fenster jemals aufgesucht, und es existiert kein einziges Feierfoto, das nicht auch die Spüle, den Herd oder zumindest den Kühlschrank oder einen Toaster zeigt... Bei meiner Küche kommt erschwerend hinzu, dass sie immerhin der gemütlichste Raum ist und außerdem das nachbarverträglichste Partyzimmer.
Schließlich sind Küchenparties aber auch einfach das beste: Der Kühlschrank ist nahe, manchmal gibt es dort Essen, alle stehen dicht gedrängt beieinander und im Regelfall gibt es keine nervige Stereoanlage, die Unterhaltungen stören könnte. Die Küche ist der gefürchtete Ort der harten Alkoholika, die Start- und Endlandebahn sämtlicher Flirtangriffe und letztlich der Dreh- und Angelpunkt jeder Wohnungsparty. Ich erinnere mich an Evas Auszugsparty, bei der ich mit der Black Pearl auftauchte und demzufolge nichts trinken dufte. In der Küche schaffte es dafür jemand, mir so viel Tequila über das T-Shirt zu schütten, dass ich mich auf Grund der Dunstwolke kaum in mein geliebtes Auto traute – wenn das ein Polizist gerochen hätte, wäre hätte er wahrscheinlich bei der ersten Nase davon eine Alkoholvergiftung bekommen und ich lebenslanges Fahrverbot mit tausend Flensburgpunkten. In nächtlichen Partyküchen sind wir alle schon auf klapprigen IKEA-Stühlen eingenickt, haben Liebeserklärungen bekommen und waghalsige Gerichte zu nachtschlafener Stunde mit Resten aus dem Kühlschrank gezaubert. Ein Bekannter hat es sogar mal geschafft, das für den Jagdhund des Hausherrn zum Abrichten vorübergehend im Eisschrank gelagerte tiefgekühlte Wiesel in Coca Cola (!) anzubraten. (Bei dieser Episode war ich leider nicht anwesend, aber die Geschichte kursiert nach wie vor und erscheint tatsächlich glaubwürdig). In meiner Küche kannte ich nach einer feucht fröhlichen Theaterpremiere mal die Hälfte der mitgekommenen Gäste kaum bis gar nicht - aber in Küchen kommt man sich ja schnell näher. In Küchen geht man außerdem Eier braten, nachdem auch der letzte wankende Gast aus der
Schützenhalle gekehrt wurde, in Küchen darf man auch mal auf dem Schoß vom irgendwem sitzen, weil auf der Anrichte kein Platz mehr ist, und in Küchen lässt man den Morgen kommen.
Am Morgen nach meinem Geburtstag roch es in meiner Küche verdächtig nach einer größeren Menge abgefackeltem tschechischen Absinth, und aus dem Eisfach kam mir der gefrorene Sekt entgegen. Ansonsten waren die Besucher brav wie noch nie gewesen. Hach, ist das schön – mein letzter Geburtstag in den heimischen Gefilden der Sanderau.

Dienstag, 14. April 2009

Oh, Du schönes Sauerland II - Schützenhallenparties

Am Sonntag habe ich dank der Kneipentour am Samstag auch einen recht üblen Kater, den ich mit einem Schläfchen in der Sonne auskuriere. Schließlich habe ich abends ja auch schon wieder was vor: Osterhasenball in der Oeventroper Schützenhalle, und davor gibt es ein Vorglühen bei meinen Cousinen. Natürlich nehme ich mir vor, nach den Exzessen des vorherigen Abends heute mal lieber das Auto selbst mitzunehmen und diesmal nur Cola zu trinken.
Das werfe ich allerdings schon um 21.00 Uhr über den Haufen: Bei den Cousinchen ist außer mir niemand, der nichts trinkt, und außerdem falle ich in der Alterklasse 17 bis 23 ohnehin schon genug auf. Klarer Fall von Gruppenzwang und ich ergebe mich demütigst. Es folgt deshalb die spontane Erkenntnis, dass es besser ist, an so einem Abend im Sauerland beim Osterhasenball lieber nicht auf Alkohol zu verzichten und stattdessen bei Oma zu übernachten. Ich hole also noch schnell den Schlüssel: Ein riesiger Anhänger ist da dran mit dem Schriftzug „Beste Oma“. Ich fasse das mal lieber nicht als schicksalhafte Anspielung auf die Altersdurchschnittssprengung beim Vorglühen auf und lande dann, fast wie geplant! - bei Bacardi-Cola. Ab elf geht es zur Schützenhalle, wo schon die Party in vollem Gange ist.
Schützenhallenparties im Sauerland kann sich ein Nichtsauerländer ungefähr so vorstellen: Bei viel zu lauter Musik feiern eine große Menge Sauerländer von etwa 14 bis 40 unter den Schriftzügen „Glaube – Sitte – Heimat“, „Ferienort XY“ und einer Menge bunter Flaggen und Fahnen, die das Dorfwappen zeigen, eine Party unter den Scheinwerfern einer großen Lichtanlage. Es wird sehr viel Pils konsumiert, manchmal auch Fanta-Korn und von den 14 bis 15jährigen auf dem Klo oder draußen vor dem Eingang „Kleiner Feigling“ getrunken. Eigentlich müssen alle unter 18 von der Security um 24.00 Uhr rausgeschmissen werden. Aber weil das meistens die jungen oder jung gebliebenen Onkels und Tanten von den 14 bis 17jährigen sind und das sowieso alles keinen interessiert, wird natürlich niemand rausgeworfen sondern höchstens die Kiddies, die sich aus Versehen vor der Halle übergeben müssen, ins Taxi nach Hause gesetzt. (Schlimmstenfalls werden ihre Eltern angerufen. ) Ganz ehrlich: Schützenhallenparties sind großartig, und weil sie nur dreimal im Jahr oder so stattfinden, freut man sich immer schon monatelang drauf – vorausgesetzt natürlich, man ist höchstens 18.
Ich bin bei diesen Vorkenntnissen aber trotzdem erstaunt, so viele bekannte Gesichter zu sehen und das eine oder andere große Hallo ist auf jeden Fall garantiert, vor allem weil ich noch mit Iry und Gurke verabredet bin und beide in dem Gewusel auch tatsächlich finde.
Außerdem sehe ich zufällig Marc, in den ich mit 14 unglaublich verschossen war. Es ist eine sehr beruhigende Erkenntnis, dass meine erste große Liebe (ohlala!) - von der eben dieser Herr natürlich nie etwas wusste - immer noch verdammt gut ausieht! Kaum zu fassen, immerhin war ich da erst 14 und mit 14 kann einen doch schon mal die eine oder andere Geschmacksverirrung ereilen. Ich klopfe meinem 14jährigen Ich in Gedanken selbst auf die Schulter. Um vier Uhr früh, als sich die Halle schon weitgehend geleert hat, meine Schuhe aussehen wie in Bier gebadet und ich nach ziemlich vielen Umdrehungen auf der Tanzfläche auch mindestens so viele Umdrehungen zu viel im Blut habe, ergattern wir ein Taxi und ich entschwebe kurz darauf bei Oma und Opa im Gästebett ins Reich der Träume. Echt: Wie in alten Zeiten!!! Und ich bekomme auch diesmal morgens Spiegeleier und Brötchen...herrlich.
So ist das also im Sauerland. Zurück in Wü verblasst das alles immer ganz schnell und es reiht sich ein in eine Menge Erlebnisse vor der Studienzeit, als wäre es nicht am letzten Wochende gewesen, sondern irgendwann vor 10 Jahren. Trotzdem: Zweimal im Jahr braucht ein Sauerländer das irgendwie, und ich merke dann immer, dass ich doch immer noch ein bißchen Sauerländer bin. Gut zu wissen... -manches gibt es halt auch nur im Sauerland!