Sonntag, 22. April 2012

In eigener Sache: Wien im April 2012

Posttheatär, daher ein bißchen angekratzt, habe ich das Beste gemacht, was man nach ein paar Wochen Theater so anstellen kann: Wegfahren und erholen. - Und zwar nach Wien! Wien ist dabei dann auch höchst erfreulicherweise noch viel schöner, als ich es mir vorgestellt hatte. Hier deshalb ein paar Eindrücke aus dieser Stadt, die ich ganz schnell noch einmal besuchen muss.

15.04.12
Um meine Sisi-Lust in den Griff zu bekommen, gehen wir gleich am ersten Tag nach Schönbrunn. Tipp: Große Schlossführung kostet ein paar Euro mehr und führt einen kilometerlang durch ca. 40 kaiserliche Gemächer, dafür kommt man aber sofort dran und muss nicht stundenlang warten. Leider hat´s ein bißchen geregnet, sodass wir den Schlossgarten gar nicht richtig genießen konnten. Ausweichmöglichkeit: Palmenhaus. Auch schön, und ziemlich exotisch.
Da das Wetter perfekter sein dürfte, also von Kaiserwetter weit entfernt, begeben wir uns dann in die Stadt und besuchen das Kunsthistorische Museum. Dort habe ich einen speziellen Besuch in der ägyptisch-orientalischen Sammlung geplant.

Kunsthistorisches Museum
(im Flügel rechts wohnt das Kleine blaue Nilpferd :-)

Aber vorher gibt es eine Überraschung! Im Vestibül, für welches der Herr Gustav Klimt wunderschöne Zwickelbilder gefertigt hat. Niemand malt Frauen so schön wie Herr Klimt, meine ich und bin völlig fasziniert, dass man in diesem Jahr über eine eigens aufgeschlagene Brücke direkt an die wunderschönen Bilder, die ja doch in ziemlicher Höhe angebracht sind, herangehen und sie hautnah bewundern kann.

Ganz nahe stehe ich also vor der Darstellung der Künste und bewundere besonders Ägypten. Klimt muss Frauen unglaublich geliebt haben, denke ich dabei, alle Frauen. Wie sonst hätte er es schaffen können, so schöne Körper zu malen? Seine Darstellungen sind sich dabei ihrer Schönheit offenbar stets auch außerordentlich bewusst, was man schon beim Ansehen sehr genießt.

Wir erfahren hier viele Dinge über Gustav, seine Vorbilder und Ideen sowie seine Entwicklung. Dazu gibt es als Dreingabe auch noch eine große Sonderausstattung. Fazit: Einfach wahnsinnig Glück gehabt!


Und bei Ägyten fällt mir dann auch wer anderes ein, den ich unbedingt besuchen und dringend anschauen wollte:

Kleines blaues Nilpferd!!!

Das Kleine Blaue Nilpferd hatte es mir schon vor der Reise dank Reiseführer sehr angetan. So bin ich denn auch überglücklich, as ich es endlich auf seinem Sockel im Glasblock erspähe! Es ist sehr anmutig und ungaublich niedlich. Es folgt eine ausgibige Fotosession. Mit mir und dem Nilpferd - zusammen sind wir sogar noch hübscher.

Neben der sehr interessanten Mumie eines Krokodils (diese Ägypter haben echt alles einmumifiziert, was ging: Menschen, Schlangen, Katzen, Affen, Eidechsen und weiß der Geier, was sonst noch so...) kommt dann die Kunst und Kultur.

Und siehe da, wir Frauen waren schon vor tausenden von Jahren so: Schmuck ist nie verkehrt. ;-)

Und wenn wir schon dabei sind, was Frauen wollen - da gibt es bei den alten Ägyptern auch schon klare Vorstellungen, die gerne mal ganz offen gezeigt wurden.

Das ist Kunst, kein Schweinkram!
Und wahnsinnig alte noch dazu!

16.04.12
Am nächsten Tag geht es auf den Stephansdom zur Pummerin mit schönem Blick über die alterwürdige Chique-Stadt. Es windet ziemlich und wenn nicht alles eingezäunt wäre, würde Wien mir nun ganz sicher einen Hut schulden.

Vor allem aber bewegen wir uns unter den Stephansdom in die ziemlich gruseligen Katakomben. Los geht es bei den recht aktuellen Gräbern der Erzbschöfe in der Krypta. Auch die Innereien der Habsburger sind hier gelandet, getrennt von den Herzen, die wohl in der Kaisergruft ruhen.
Weil die Wiener inrgendwann keine Erlaubnis mehr hatten, ihre Toten auf dem Domplatz zu bestatten, haben die sich dann was feines ausgedacht: Sie haben einfach Katakomben unter dem Platz gebaut. Gehörig morbid, also ganz wie man es erwartet, erklärt der Führer uns dreimal (zweimal deutsch und einmal englisch), dass der Geruch irgendwann so stark wurde, dass man im Dom keine Messe mehr feiern konnte. Da wurde der schöne Brauch dann auch beerdigt. Wir schauen uns trotzdem (Gott sei Dank ohne olfaktorische Erfahrungen) haufenweise Skelette in unterirdischen Grabkammern an. Besonders eklig finde ich den Blick in eine Pestgrube mit wohl 800 bis 1000 Toten. Zum Glück sind die Gänge großzügig angelegt, sodass ein gebührender Abstand kein Problem ist... Fotos machen darf man nicht, bin ich aber ausnahmsweise auch gar nicht soooo scharf drauf.

Bunte Ziegel und Blick über Wien.

Blick von der Pummerin auf den Domplatz mit Fiakern.
(Von dort oben stinken die Pferde auch gar nicht mehr).

Am Nachmittag dann nach so viel Gruft ein sehr lebendiges Highlight: Führung durch die Staatsoper. Wir haben auch hier Glück, denn es wird gerade von Probe am Nachmittag in Abendvorstellung umgebaut. Ein Blick auf und sogar hinter die Bühne ist daher erlaubt! Auch Pausensaal von Sisi und Franz Josef nebst Kaiserloge schauen wir uns an. Miete: 1 Minute 25 Euro. Mal gucken. Vielleicht eine Option, wenn ich mal reich, sexy und berühmt in Japan bin.

Im weißen Saal.

Blick von der Bühne in den Zuschauerraum.

17.04.12
Obwohl ich das ja schon seit Reiseführer und Wikipedia weiß: Im der Hofburg überzeuge ich mich am dritten Tag persönlich davon, dass die gute Sisi kein bißchen wie die süße Romy Schneider war. Nach Silberkammer (viiiel königliches Geschirr...) erreiche ich nach einer schier endlosen, aber auch sehr interessanten Begehung des Sisi-Museums endlich die kaiserlichen Appartements. Könnte ich nach drei Tagen Wien noch laufen oder wenigstens stehen, könnte ich das genießen. Ist leider nicht mehr möglich und ich lasse mich bei jeder möglichen Sitzgelegenheit nieder und presse den Audioguide an meinen rechten Gehörgang (ich höre auf Grund kritischen Erschöpfungszustandes mittlerweile vor und nach...). Macht nix, als Mädchen muss man da mal durch und alles gesehen und gehört haben. :-)

Besonders spannend ist es nur da, wo man keine Bilder machen darf. Aber interessant an der Silberkammer: Die aus einem Meter Stoff gefaltene Kaiserserviette. Können angeblich nur zwei Personen auf der Welt. Sieht aber auch zeimlich cool aus, finde ich.

18.04.12
Am letzten Tag statten wir Herrn Klimt noch einen Besuch im Leopld-Museum ab. Dort gibt´s viele Vierecke für den Liebsten. Unter anderem einen Kolomann-Moser-Schachtisch. Schön!

Leider ist es mal wieder nicht erlaubt, Fotos in der Klimt-Ausstellung zu machen. Ich bin enttäuscht, denn ich finde den Gustav ja so wunderbar, dass ich gerne ein paar Erinnerungen mitnehmen würde. Schön allein schon, dass er Katzen liebt - und Frauen offenbar auch. Ich wäre bestimmt sehr verliebt gewesen.


Nach einem Eis in der Stadt bei strahlendem Sonnenschein muss ich mich von Wien verabschieden. Dass ist eine tragische Angelegenheit, denn am liebsten würde ich einfach bleiben und noch ein bißchen Wien in mich aufsaugen oder sogar ein bißchen mit Wien um die Wette strahlen.

Wien ist Kunst, und Kunst ist Wien, finde ich. Sogar im U-Bahn-Schacht gibt es was zu gucken.
Ich bin auch verliebt, in Wien allerdings. Und gelobe, schnellstmöglichst wieder zu kommen, wenn die Sehnsucht zu groß wird.


PS:
Zum Schuhe kaufen allerdings kann ich mich - ganz entgegen aller normalen Angewohnheiten - nicht entscheiden. Zum Schuhekaufen komme ich auch nicht unbedingt wieder - was hier feilgeboten wird, ist nämlich sogar mir eine Spur zu hart ;-) :


Sonntag, 4. März 2012

In eigener Sache: "Taxi Taxi - Doppelt leben hält besser!" im Theater Chambinzky

Es ist mal wieder soweit – unser neues Stück heißt „Taxi Taxi“ und wurde von keinem geringeren als dem großen Ray Cooney geschrieben, dem Meister der haarsträubensten englischen Komödien.
Kein Wunder also, dass Schauplatz des Geschehens London ist. Dort lebt Mr. John Smith, Taxifahrer, ganz normaler Durchschnitt, verheiratet mit Mrs. Mary Smith. Und mit Barbara Smith.
Ja, richtig gehört: "UND". John ist eine Ehefrau nämlich nicht genug, weshalb er sich Dank eines genauestens strukturierten Zeit- und Schichtplans glücklich bigam durchs Leben schlägt.
Bis eines Tages ein Unfall dafür sorgt, dass die ganze Geschichte aufzufliegen droht: Deshalb kämpft sich unser tapferer Held nach einem Zwischenfall mit zwei Rowdies und einer Damenhandtasche mehr oder weniger derangiert mit seinem nicht ganz so cleveren Kumpel Stanley durch die skurrilsten Situationen, die mit viel Charme und kuriosen Einfällen gelöst werden wollen, wenn es nicht zu einer handfesten Katastrophe kommen soll...

Taxi Taxi - Doppelt leben hält besser

Theater Chambinzky Würzburg
08. März bis 08. April 2012
Mi , Do, Fr, Sa: 20.00 Uhr
So: 19.00 Uhr

Presse: Mainpost 10.03.2012

Samstag, 3. März 2012

In eigener Sache: Unser Gisbert

Mein Liebster und ich leben seit Dezember nicht mehr allein zu Hause, sondern haben Gesellschaft. Unser neuer Mitbewohner heißt Gisbert und ist seit seinem Einzug ein wenig zum Sorgenkind mutiert.

Er gehört der Gattung der Bonsai-Bäume an, mit dem schönen Namen serissa japonica, zu deutsch Junischnee. Leider hat Gisbert, so Leid es mir tut, das sagen zu müssen, ein bißchen viel von den Mimosen mit. Er scheint sich bei uns jedenfalls nicht wohl zu fühlen.
Seit er im Dezember zu uns gezogen ist,hat er jedenfalls schon recht viele Blätter verloren, schlägt aus Protest Luftwurzeln und verlangt einen sehr strengen Gießrhythmus, wenn man nicht riskieren will, dass er statt grün braun aussieht. Das alles macht Gisbert, obwohl der Liebste sich wirklich higebungsvoll um ihn kümmert, ihm Spezialdünger nach strengstem Zeitplan verabreicht und auch sonst alles für sein Wohlgefühl macht.
Möglicherweise bekommt Gisbert zu wenig Liebe? Wir begrüßen ihn jetzt jeden Morgen, rücken ihn zum Sonnetanken an die Terassentür und fragen regelmäßig nach seinem Wohlbefinden.
Ich glaube, dass Gisbert sich sogar schon ein bißchen erholt hat.

Immerhin ist Gisbert streng genommen auch nicht meine Pflanze, sondern die meines Freundes. Ich hoffe also, dass mein brauner Daumen nicht auf ihn abfärbt und Gisbert in den besten Händen ist. Drückt uns mal die Daumen, dass er den Winter überlebt und frohgemut gut eingelebt ins Frühjahr starten kann.

Samstag, 11. Februar 2012

Aus gegebenem Anlass: WINTER!

Bevor ich jetzt noch mehr darüber höre, was man nicht alles machen soll bei dieser furchtbaren Eiszeit, schreibe ich lieber selber darüber. Aber nicht, weil ich das alles anormal finde (es ist WINTER, herrgottnochmal), sondern nur, damit ich das im Sommer, wenn ich anfange mich über die Temperaturen zu beschweren, lesen kann und ganz schnell wieder friedlich werde.

Also, was tun, wenns draußen Eisschrank ist?

Zum Beispiel hoffen, dass die Heizung nicht ausfällt und gern mal eine halbe Stunde auf den Öllieferanten, der die Garage zusetzt, warten, bis man heimfahren kann.
Seit gestern: In Skiunterwäsche schlafen (Hubi, ich weiß, dass Du das SO nicht gemeint hattest, aber trotzdem: der Tipp war suuuper!!!).

Der Liebste droht mir unterdessen, bei Amnesty International anzurufen, und mich wegen nicht artgerechter Haltung seiner Person anzuzeigen. Weil ich ihn eine Einkaufskiste habe tragen lassen, und zwar vom Auto bis zur ca. 30 m entfernten Haustür - ohne Handschuhe!!!
Ich hab ihm als Entschuldigung ein Feuer im Wohnzimmer gemacht. Unterm Fonduetopf, versteht sich.

Dafür habe ich ihn fast jeden Abend mit Ausführungen darüber gequält, was die armen Leute, die keine Wohnung haben, jetzt bloß machen. (Ehrlich, das beschäftigt mich sehr, besonders abends unterm warmen Federbett). Das ich, nebenbei bemerkt, eigentlich nicht haben dürfte, weil der Liebste ´ne Hausstauballergie hat. Die ist aber gerade wegen Eiszeit außer Kraft gesetzt, und ich habe sogar eine wohnzimmermilbenverseuchte Wolldecke ins Bett schmuggeln dürfen, weil ich nur dann in Sachen "Mission Eisfüße" wirklich Ruhe gebe.

Ich dufte im Garten heute endlich Futter für die Vögel aufhängen, das fand ich super. Morgen werde ich wie eine Katze vor der Terassentür hocken und bei jedem Federvieh, das sich annähert, quietschen vor Aufregung.

Ich trage ansonsten Wolle. Wollstrumpfhosen, wie früher als Kind, einen Wollmantel, Wollkleider und Strickjacken, und sogar Wollstulpen noch über den Leberstiefeln. Das ist einfach, aber tatsächlich extrem effektiv: Ich habe bisher nicht ernsthaft gefroren, wenn ich die Nase vor die Tür gesteckt hab. Wolle ist super. Ich mag Schafe. - Das sind ausgesprochen nette Tiere, die einem das Leben echt wärmer gestalten. Und hübsch aussehen tut das auch, gar keine Frage. Schafe sind ja auch ganz niedlich.

Abschlussgeheimtipp: Wenn nichts mehr geht, dann Sonnenbank. Aufpassen ist angesagt, bloß nicht zu viel Zeit im Tussen-Toaster verbringen!!! Aber ein bißchen macht schon ganz gute Laune. Solange die Sonne sowieso so schön scheint, hilft ansonsten nur warm anziehen. Die nächste Hitzewelle kommt bestimmt, also. Wer kann, sollte den Winter genießen. Schöner als gerade wird er nämlich nicht!




Gefällt auch unseren vierbeinigen Freunden.

Alte Mainmühle, auf Eis.

Die Sonne lockt doch den einen oder anderen Würzburger vor die Tür!

Cool: Eistorte im Würzburger Residenzgarten.

Gelesen: "Die Schuld des Tages an die Nacht" von Yasmina Khadra

Gleich mal vorab, um alle Unkarheiten zu beseitigen: Yasmina Khadra klingt nicht nur zu schön, um echt zu sein, sondern ist ein astreines Pseudonym. Der Autor des genannten Werkes ist Mohammed Moulessehoul, einstiger Diener der algerischen Armee, der schon früh seine Leidenschaft für das Schreiben entdeckte. Seine Werke erschienen zunächst unter seinem eigenen Namen. Als er auf Grund der Zensur gezwungen wurde, unter einem Künstlernamen zu veröffentlichen, wählte er die Vornamen seiner Frau („grüne Jasminblüte“). Er floh 2000 in das französische Exil und lebt in Paris.

Sein wohl bekanntestes Werk spielt in Algerien, beginnt zu Zeiten der französischen Kolonien und beschreibt den Krieg in Algerien aus der Sicht von Younes, der als Sohn armer Bauern in den Armenvierteln von Oran aufwächst. Trotz allen Fleißes und harter Arbeit gelingt es seinem stolzen Vater nicht, die ärmlichen Verhältnisse zu verlassen. Er trennt sich deshalb schweren Herzens von Younes und übergibt den Sohn an seinen Bruder, einen Apotheker. Younes´ Onkel ist mit einer Französin verheiratet, weshalb Younes ab dem Tag seines neuen Lebens Jonas gerufen wird und eine neune Welt kennen lernt.
Freundschaften, Erlebnisse und auch die Liebe stehen fortan unter dem Schatten der unterschiedlichen Herkunft - Jonas hat französische, also christliche und jüdische Freunde, wächst aber als privilegierter Algerier und Moslem unter ihnen auf. Missverständnisse und das stets unstete Gefühl, sich zwischen zwei Welten entscheiden zu müssen, prägen Jonas´ Leben. Und dann ist da noch Emilie, die Jonas liebt und auch wieder geliebt wird. Doch Jonas hat ein Geheimnis zu hüten, das ihn zwingt, die Liebe seines Lebens immer wieder aufs neue abzuweisen.

Liest man Yasmina Khadra, hat man zuweilen das Gefühl, dass alles sich stets wenden kann, ja, dass das Schicksal es mit jedem von uns zum richtigen Zeitpunkt auch einmal gut meinen kann. Es bleibt aber auch immer die Botschaft, dass man aus einer guten Wendung eben auch selbst etwas machen muss, um das Glück nicht am Ende bei allem gut gemeinten Schicksal doch noch zu verpassen.

Nachts um zwei zu Ende gelesen, und selten so berührt um diese Uhrzeit geheult. In meiner Lieblingbuchhandlung "Erlesen" gleich das nächste Buch bestellt. Und immer wieder gewundert, warum man uns im schulischen Geschichtsunterricht über Europa im dritten Reich hinaus eigentlich so wenig beibringt...

Donnerstag, 26. Januar 2012

Gelesen:"Marina" von Carlos Ruiz Zafon.

Mary Shelley meets Joanne K. Rowling, und das im alten Barcelona. Wow...!
Dieser Roman ist zu Unrecht von mir ganz lange nicht gelesen worden. Nachdem ich mich der Lektüre von "Der Schatten des Windes" - phänomenal! - und "Das Spiel des Engels" gewidmet hatte und meine Begeisterung beim zweiten Werk auf Grund der ziemlich verworrenen und irgendwie unfertigen Geschichte etwas nachgelassen hatte, habe ich einem Buch, das zeitlich früher entstanden ist, nicht so recht über den Weg getraut. Irgednwie denkt man da ja doch, dass das irgendein fieses Erstlingswerk ist, das auf der Erfolgswelle späteren Einfallsreichtums und entwickeltem Talent rumschwimmen will. Bei Zafon: Weit gefehlt! Die Geschichte ist so toll, spannend und von so dichter Atmosphäre, dass man sich der Sache kaum entziehen kann.

Unbedingt lesen, aber mit "Marina" anfangen und auf das "Spiel des Engels" einfach verzichten.

Freitag, 30. Dezember 2011

Aus gegebenem Anlass: 2011 mit Chellos MKK in eigener Sache unterwegs

Das also war 2011.
Zeit für eines der seltenen Chello-MKKs, würde ich sagen. In diesem Jahr habe ich eine Menge Entdeckungen gemacht, und die müssen unbedingt erwähnt werden, zumal das ja auch das Jahr war, in dem ich zwar 30, aber definitiv nicht erwachsen geworden bin, sondern gefühlt eher Rückschritte in Kauf nehmen musste: Ich bekomme von Alkohol leider immer noch Kopfschmerzen, Schokolade essen macht nach wie vor dick und ich bleibe imer noch gerne bis in die Puppen wach, um mich am nächsten Tag zu wundern, dass ich müde bin. Von vernünftig also keine Spur - wozu wird man da 30, wenn´s ja doch nicht weise macht? Macht aber nichts, das Jahr hatte auch tolle Überraschungen zu bieten, und die betrachte ich hier völlig unpolitisch, unreflektiert und egozentrisch:

Also der Preis für das beste Buch geht in jedem Fall an Rita Falk - danke für den Eberhofer Franz aus Niederkaltenkirchen - wie er da so ermittelt, das ist einfach göttlich und bestimmt noch besser als der Oma ihr Kartoffelsalat. Danke auch an Pia fürs Buch-schenken: Ich habe nach Winterkartoffelknödel mittlerweile schon den dritten Band hinter mir und könnte mich beömmeln! (Das ist jetzt zwar sauerländisch, aber den Franz wird das sicher nicht stören). Ich finde übrigens nicht, dass die Rita Falk da vom Wolf Haas abschreibt. Der schreibt ganz anders. Wie ins Diktiergerät gedacht. Der Franz ist mehr so gerade der Schnauze nach. Aber gut, einfach lesen würde ich mal sagen.

Die musikalisch weltbeste Entdeckung war Melody Gardot. Ulrich Tukur kannte ich ja schon 2010, sonst hätte ich den jetzt knutschen wollen. Aber mal ganz davon abgesehen: Wie hätte ich das Jahr überlebt ohne das Event-Lied Nr. 1 vom Holstuonarmusigbigbandclub: Vo Mello bis ge Schoppornou! Obwohl schon 2010 in die Charts aufgestiegen, habe ich dieses unglaubliche und hoch ambitionierte Meisterwerk erst um meinen Geburtstag herum richtig zu würdigen gelernt. Es motivierte Stephie und Hannes sogar zu einem Trip nach Österreich, ganz in die Nähe des berühmten Mellau, das sogar von einem benachbarten Gipfel in der Ferne erstöbert und abgelichtet wurde. Ja, uns entgeht nix, noch nicht mal wenn es aus Österreich kommt.

Was Film und Theater angeht, war ich ja selber wieder aktiv. Erwähnt werden muss daher vor allem unser "Verflixtes siebtes Jahr". Mittlerweile vermiss ich es ja schon wieder, obwohl ich nach 29 Vorstellungen doch dann auch ganz froh übers Pausieren war... Am Theater war das schlimmste, dass ich wieder so viele Sachen NICHT gesehen habe. Das muss sich unbedingt in 2012 ändern. Vorsatz Nr. 1 ist damit also gefasst.

Beste Investition 2011: Audiokabel für 3,50 Euro um den MP3-Player ans Autoradio anzuschließen. Zweimal nach Amsterdam fahren, Schuhe kaufen ;-)
Die allerbeste Investition 2011 tätigte allerdings der Liebste: Er kaufte eine nagelneue, wunderschöne, herrlich kreisende Waschmaschine. Ich liebe sie.

Bester Tag 2011: Auf Sizilien am Strand, irgendwann im Juni, im abgesteckten und von Bademeister Enrico bewachten Abschnitt auf der Touri-Liege mit meinem Buch über Essad Bey. Ja, so einfach kann man mich glücklich machen.

Wichtigstes Event: Jeden Tag morgens beim Blick in den Spiegel denken: DIE WELT MUSS MICH SEHEN! Klappt nicht immer. Aber - je älter ich werde...! Außerdem hoffe ich natürlich wie jedes Jahr, dass Silvester ein Höhepunkt wird. Wir werden wintergrillen. Also eigentlich adH feiern. Für die, die nicht wissen was das heißt: Da habt Ihr was verpasst. Pilztechnisch war mein Jahr echt mau, muss ich sagen. Auch das werde ich ab dem Frühjahr hoffentlich ändern, wenn der Märzschneckling sich aus dem Boden schneckt (also ab Februar, gell, Hannes!).

2011 sind weiterhin ziemlich viele Leute gestorben, und am traurigsten war ich ehrlich gesagt zunächst über den Tod von Peter Alexander. Am 24.12.11 verstarb aber auch meine Grundschullehrerin. Ich bin ihr sehr dankbar, da ich ohne sie vermutlich nie eine Uni von innen gesehen hätte. Das möchte ich hier mal loswerden, weil es schon ziemlich wichtig ist, wenn man jemandem danke sagen möchte. Selbst wenn der jemand vielleicht schon verstorben ist, sollte man es auf keinen Fall versäumen, und damit möchte ich meine Betrachtungen dann auch schließen.


Zusammengefasst war 2011 für mich ein prima Jahr.
Und da ich auch im nächsten Jahr wieder in den Urlaub fahren, Theater spielen und Schuhe kaufen werde, sehe ich 2012 ziemlich gelassen entgegen.
Solltet Ihr auch alle tun. Happy new Year!