Samstag, 11. Februar 2012

Gelesen: "Die Schuld des Tages an die Nacht" von Yasmina Khadra

Gleich mal vorab, um alle Unkarheiten zu beseitigen: Yasmina Khadra klingt nicht nur zu schön, um echt zu sein, sondern ist ein astreines Pseudonym. Der Autor des genannten Werkes ist Mohammed Moulessehoul, einstiger Diener der algerischen Armee, der schon früh seine Leidenschaft für das Schreiben entdeckte. Seine Werke erschienen zunächst unter seinem eigenen Namen. Als er auf Grund der Zensur gezwungen wurde, unter einem Künstlernamen zu veröffentlichen, wählte er die Vornamen seiner Frau („grüne Jasminblüte“). Er floh 2000 in das französische Exil und lebt in Paris.

Sein wohl bekanntestes Werk spielt in Algerien, beginnt zu Zeiten der französischen Kolonien und beschreibt den Krieg in Algerien aus der Sicht von Younes, der als Sohn armer Bauern in den Armenvierteln von Oran aufwächst. Trotz allen Fleißes und harter Arbeit gelingt es seinem stolzen Vater nicht, die ärmlichen Verhältnisse zu verlassen. Er trennt sich deshalb schweren Herzens von Younes und übergibt den Sohn an seinen Bruder, einen Apotheker. Younes´ Onkel ist mit einer Französin verheiratet, weshalb Younes ab dem Tag seines neuen Lebens Jonas gerufen wird und eine neune Welt kennen lernt.
Freundschaften, Erlebnisse und auch die Liebe stehen fortan unter dem Schatten der unterschiedlichen Herkunft - Jonas hat französische, also christliche und jüdische Freunde, wächst aber als privilegierter Algerier und Moslem unter ihnen auf. Missverständnisse und das stets unstete Gefühl, sich zwischen zwei Welten entscheiden zu müssen, prägen Jonas´ Leben. Und dann ist da noch Emilie, die Jonas liebt und auch wieder geliebt wird. Doch Jonas hat ein Geheimnis zu hüten, das ihn zwingt, die Liebe seines Lebens immer wieder aufs neue abzuweisen.

Liest man Yasmina Khadra, hat man zuweilen das Gefühl, dass alles sich stets wenden kann, ja, dass das Schicksal es mit jedem von uns zum richtigen Zeitpunkt auch einmal gut meinen kann. Es bleibt aber auch immer die Botschaft, dass man aus einer guten Wendung eben auch selbst etwas machen muss, um das Glück nicht am Ende bei allem gut gemeinten Schicksal doch noch zu verpassen.

Nachts um zwei zu Ende gelesen, und selten so berührt um diese Uhrzeit geheult. In meiner Lieblingbuchhandlung "Erlesen" gleich das nächste Buch bestellt. Und immer wieder gewundert, warum man uns im schulischen Geschichtsunterricht über Europa im dritten Reich hinaus eigentlich so wenig beibringt...

Donnerstag, 26. Januar 2012

Gelesen:"Marina" von Carlos Ruiz Zafon.

Mary Shelley meets Joanne K. Rowling, und das im alten Barcelona. Wow...!
Dieser Roman ist zu Unrecht von mir ganz lange nicht gelesen worden. Nachdem ich mich der Lektüre von "Der Schatten des Windes" - phänomenal! - und "Das Spiel des Engels" gewidmet hatte und meine Begeisterung beim zweiten Werk auf Grund der ziemlich verworrenen und irgendwie unfertigen Geschichte etwas nachgelassen hatte, habe ich einem Buch, das zeitlich früher entstanden ist, nicht so recht über den Weg getraut. Irgednwie denkt man da ja doch, dass das irgendein fieses Erstlingswerk ist, das auf der Erfolgswelle späteren Einfallsreichtums und entwickeltem Talent rumschwimmen will. Bei Zafon: Weit gefehlt! Die Geschichte ist so toll, spannend und von so dichter Atmosphäre, dass man sich der Sache kaum entziehen kann.

Unbedingt lesen, aber mit "Marina" anfangen und auf das "Spiel des Engels" einfach verzichten.

Freitag, 30. Dezember 2011

Aus gegebenem Anlass: 2011 mit Chellos MKK in eigener Sache unterwegs

Das also war 2011.
Zeit für eines der seltenen Chello-MKKs, würde ich sagen. In diesem Jahr habe ich eine Menge Entdeckungen gemacht, und die müssen unbedingt erwähnt werden, zumal das ja auch das Jahr war, in dem ich zwar 30, aber definitiv nicht erwachsen geworden bin, sondern gefühlt eher Rückschritte in Kauf nehmen musste: Ich bekomme von Alkohol leider immer noch Kopfschmerzen, Schokolade essen macht nach wie vor dick und ich bleibe imer noch gerne bis in die Puppen wach, um mich am nächsten Tag zu wundern, dass ich müde bin. Von vernünftig also keine Spur - wozu wird man da 30, wenn´s ja doch nicht weise macht? Macht aber nichts, das Jahr hatte auch tolle Überraschungen zu bieten, und die betrachte ich hier völlig unpolitisch, unreflektiert und egozentrisch:

Also der Preis für das beste Buch geht in jedem Fall an Rita Falk - danke für den Eberhofer Franz aus Niederkaltenkirchen - wie er da so ermittelt, das ist einfach göttlich und bestimmt noch besser als der Oma ihr Kartoffelsalat. Danke auch an Pia fürs Buch-schenken: Ich habe nach Winterkartoffelknödel mittlerweile schon den dritten Band hinter mir und könnte mich beömmeln! (Das ist jetzt zwar sauerländisch, aber den Franz wird das sicher nicht stören). Ich finde übrigens nicht, dass die Rita Falk da vom Wolf Haas abschreibt. Der schreibt ganz anders. Wie ins Diktiergerät gedacht. Der Franz ist mehr so gerade der Schnauze nach. Aber gut, einfach lesen würde ich mal sagen.

Die musikalisch weltbeste Entdeckung war Melody Gardot. Ulrich Tukur kannte ich ja schon 2010, sonst hätte ich den jetzt knutschen wollen. Aber mal ganz davon abgesehen: Wie hätte ich das Jahr überlebt ohne das Event-Lied Nr. 1 vom Holstuonarmusigbigbandclub: Vo Mello bis ge Schoppornou! Obwohl schon 2010 in die Charts aufgestiegen, habe ich dieses unglaubliche und hoch ambitionierte Meisterwerk erst um meinen Geburtstag herum richtig zu würdigen gelernt. Es motivierte Stephie und Hannes sogar zu einem Trip nach Österreich, ganz in die Nähe des berühmten Mellau, das sogar von einem benachbarten Gipfel in der Ferne erstöbert und abgelichtet wurde. Ja, uns entgeht nix, noch nicht mal wenn es aus Österreich kommt.

Was Film und Theater angeht, war ich ja selber wieder aktiv. Erwähnt werden muss daher vor allem unser "Verflixtes siebtes Jahr". Mittlerweile vermiss ich es ja schon wieder, obwohl ich nach 29 Vorstellungen doch dann auch ganz froh übers Pausieren war... Am Theater war das schlimmste, dass ich wieder so viele Sachen NICHT gesehen habe. Das muss sich unbedingt in 2012 ändern. Vorsatz Nr. 1 ist damit also gefasst.

Beste Investition 2011: Audiokabel für 3,50 Euro um den MP3-Player ans Autoradio anzuschließen. Zweimal nach Amsterdam fahren, Schuhe kaufen ;-)
Die allerbeste Investition 2011 tätigte allerdings der Liebste: Er kaufte eine nagelneue, wunderschöne, herrlich kreisende Waschmaschine. Ich liebe sie.

Bester Tag 2011: Auf Sizilien am Strand, irgendwann im Juni, im abgesteckten und von Bademeister Enrico bewachten Abschnitt auf der Touri-Liege mit meinem Buch über Essad Bey. Ja, so einfach kann man mich glücklich machen.

Wichtigstes Event: Jeden Tag morgens beim Blick in den Spiegel denken: DIE WELT MUSS MICH SEHEN! Klappt nicht immer. Aber - je älter ich werde...! Außerdem hoffe ich natürlich wie jedes Jahr, dass Silvester ein Höhepunkt wird. Wir werden wintergrillen. Also eigentlich adH feiern. Für die, die nicht wissen was das heißt: Da habt Ihr was verpasst. Pilztechnisch war mein Jahr echt mau, muss ich sagen. Auch das werde ich ab dem Frühjahr hoffentlich ändern, wenn der Märzschneckling sich aus dem Boden schneckt (also ab Februar, gell, Hannes!).

2011 sind weiterhin ziemlich viele Leute gestorben, und am traurigsten war ich ehrlich gesagt zunächst über den Tod von Peter Alexander. Am 24.12.11 verstarb aber auch meine Grundschullehrerin. Ich bin ihr sehr dankbar, da ich ohne sie vermutlich nie eine Uni von innen gesehen hätte. Das möchte ich hier mal loswerden, weil es schon ziemlich wichtig ist, wenn man jemandem danke sagen möchte. Selbst wenn der jemand vielleicht schon verstorben ist, sollte man es auf keinen Fall versäumen, und damit möchte ich meine Betrachtungen dann auch schließen.


Zusammengefasst war 2011 für mich ein prima Jahr.
Und da ich auch im nächsten Jahr wieder in den Urlaub fahren, Theater spielen und Schuhe kaufen werde, sehe ich 2012 ziemlich gelassen entgegen.
Solltet Ihr auch alle tun. Happy new Year!

Donnerstag, 15. Dezember 2011

Gehört: "In Paris" von Götz Alsmann

Die perfekte Weihnachtsüberraschung für mich: Das neue Album des großartigen Herrn Alsmann! Obwohl schon seit Oktober im Handel, habe ich erst gestern den Download bei Amazon getätigt. Vorfreude ist ja bekanntermaßen die schönste Freude, und da Herr Alsmann Würzburg erst wieder im Juni 2012 besuchen wird, brauchte ich dringend etwas zur Verzuckerung der Wartezeit.

Was würde sich da besser eignen als süß-melancholische Chansons aus der Liebesmetropole française Paris, vorgetragen von Götz Alsmann und Band in manierlich daherswingendem Schlagerjazz?

Übrgens: Bei Amazon las ich zu meiner Entrüstung, wie sich ein übereifriger Kritiker beschwerte, "Herr Alsmann entwickle sich nicht weiter". Da muss ich unbedingt ein paar persönliche Worte an den König des Schlagerjazz richten:


Lieber Herr Alsmann,

a-allerschönster Mann, ich bitte Sie inständigst:

Bitte entwickeln Sie sich auf gar keinen Fall irgendwo hin! Schon gar nicht nach woanders, denn das ist wirklich absolut tabu! Nein, das wär vielleicht was - es würde mir das Herz unterm rosaroten Lampion brechen. Auf einen Mokka würde ich auch nicht mehr mit Ihnen gehn!
Denn Sie sind dufte und so zuckersüß, ganz so wie Sie sind. Lassen Sie sich also auf keinen Fall gehen. Auf weitere große Momente - es verbeugt sich vor Ihnen (mit einem ganz leichten "Dosvedanje"):

Die Chello

Montag, 28. November 2011

Chellos MKK: Was man im November NICHT getan haben muss.

Zum Beispiel, sich beim Tchibo aus Versehen, weil man mal wieder nicht richtig die Ware untersucht hat und es wirklich eilig hatte, zwei linke Hausschuhe kaufen. Sehr witzig.

Donnerstag, 17. November 2011

In eigener Sache: Lesung zu "Cristos´ Himmelfahrt"


Matthias Hahn gibt sich nochmal die Ehre und liest aus seinem neuen Roman "Cristos´ Himmelfahrt". Der macht eine kriminalistische Tour durch Würzburg, führt über Oslo in die Tropen und schließlich sogar ins All... Wer mehr darüber wissen will, sollte einfach mal vorbeischauen - der Termin für die nächsten Lesung ist:

Mo, 21.11.11 um 20:00 Uhr im Standard

Weitere Termine:

Sa, 03.12.11 um 20.00 Uhr bei Massimo Villari

So, 04.12.11 um 15:30 Uhr im Krimikeller Rothenfels
Presse
So, 11.12.11 um 19:00 Uhr in Lohr im Weinhaus Mehling
Presse

Natürlich könnt Ihr da Bücher kaufen und die auch signieren lassen.
P.S.: Ich bin auch dabei ;-)

Sonntag, 13. November 2011

Gesehen: "Mordsrausch" im Krimikeller Rothenfels

Das beschauliche Städtchen Rothenfels in Bayern gehört seit letzten Donnerstag in die Schlagzeilen. Mord, Entführungen und unerlaubte Geisterei sind hier offenbar an der Tagesordnung und werden von der zuständigen Polizei nicht nur geduldet, sondern - so scheint es - nach Bestechung mit Kochkäse und Bier regelrecht unterstützt!

Schauplatz des Geschehens: Der Krimikeller Rothenfels, der in den Händen des Intendanten Michael Franz offenbar im Laufe des letzten Jahres zur Nr. 1 - Brutstätte des örtlichen Verbrechens avancierte. Zwischen trügerischem Kerzenschein und eigens zu Kriminalzwecken gebrautem Bier kann der geneigte Zuschauer hier zusehen, wie Weinschenke und Brauerei um die Gunst des Burggespenstes buhlen, nebenbei der eine oder andere mehr oder weniger Ortsansässige um die Ecke gebracht und schließlich auch zum Thema "Geldübergabe im Entführungsfalle" mit den wichtigsten Schulungsinformationen der KriPo nicht gegeizt wird.
Man lernt also fürs Leben: Umgang mit Gespenstern, erste Schritte zur Leichenbeseitigung im Gästeklo und nicht zuletzt die Herstellung von Kochkäse stehen auf dem Stundenplan.

Autorin und Regisseurin Cornelia Wagner hat also nicht nur ein Stück auf die Bühne gebracht, das eigens für die Stadt Rothenfels konzipiert und perfekt an dessen Winkel, Burgruinen und Gassen angepasst wurde, sondern auch darüber hinaus richtig viel Spaß macht. Zwischen vielen Rothenfelsern, denen ihr eigenes Theater offenbar auch schon sehr ans Herz gewachsen ist, genieße ich also am letzten Donnerstag mit einigen Würzburgern die Uraufführung. Zur Feier der Premiere gab es nicht nur das neue Bier der Marke Mordsrausch, sondern auch noch ein prächtiges Buffet, das mich für die doch eine Weile dauernde Fahrt vollkommen entschädigt.

Hinweisen will ich auf folgendes: Der Krimikeller erfreut sich einer wachsenden Zahl von Fans, deshab sollten Karten rasch reserviert werden. Die Erfahrung zeigt, dass es anfangs noch Karten gibt, jedoch zum Ende der Spielzeit hin die ausverkauften Vorstellungen überhand gewinnen. Wer sich den Mordsrausch also nicht entgehen lassen will, der sollte doch fix die Leichen in den Keller schaffen. Alle wichtigen Tipps dazu gibt´s beim Krimikeller Rothenfels.

Dilettanten-Handy-Bild vom Krimikeller Rothenfels - Foyer


MORDSRAUSCH - Ein Krimi zwischen Bier und Weinfass
von Cornelia Wagner
Premiere 10. November 2011
Derniere 08. Januar 2011