Dienstag, 22. März 2011

Gesehen: Offene Zweierbeziehung in der WerkstattBühne Würzburg

Die WerkstattBühne zeigt zur Zeit die "Offene Zweierbeziehung" von Ehepaar Dario Fo und Franca Rame. Gewohnt direkt geht es also in dieser Inszenierung von Cornelia Wagner zu: Als Boxkämpfer treten Er und Sie Antonia in den Ring und geben sich einen Schlagabtausch der verbalen Art, dass einem die Ohren klingeln. Antonia, durch die stetigen Liebesabenteuer des abtrünnigen Schwerenöter-Ehemanns frustriert und deprimiert, will sich lieber eine Suite im Würmerhotel mieten, als weiterhin ihr trauriges Dasein zu ertragen. Vom Sprung aus dem Fenster über orale Medikamentenzufuhr bis zur Pistole wird alles probiert - immer wieder verhindert durch den Ehemanns. Der schlägt schließlich vor, die ganze Sache bei all dem Stress ein bißchen lockerer anzugehen: Jeder darf fremdgehen, solange die eheliche Achtung bleibt! Recht oft tauchen da die Worte mit V... und F... auf, alles Synonyme für die den Begriff der Durchführung des Geschlechtsverkehrs. Man könnte amüsiert sein, erstaunt, oder auch denken: Nicht schon wieder ein Stück über die Befreiung der Frau - ich aber bin begeistert und bewundere. Bewundere vor allem Dagmar Schmauß - wahrscheinlich in der Rolle ihres Lebens: Als zunächst verletztes, lebensmüdes Eheweibchen mausert sie sich zur Antonia, die weiß, wie man Männern den Kopf verdreht und selbstbewusst ein neues Leben beginnt. Dass hier alles ein bißchen sehr emanzipiert wirkt, ist bei diesem Geschlechterkampf dann wirklich nebensächlich - denn während sich Joachim Vogt und Dagmar Schmauß von Runde zu Runde gegenseitig k.o. spielen, kommt man kaum zur Analyse und bestaunt vielmehr mit viel viel Spaß große Kleinkunst.

Offene Zweierbeziehung - noch bis zum 02.04.2011 in der WerkstattBühne Würzburg.

Sonntag, 6. März 2011

Aus gegebenem Anlass: Narrentanz im Karneval!

.... ähm, Fasching, meine ich natürlich. So heißt das nämlich in meiner wunderschönen Wahlheimat Unterfranken. Ich liebe ja Karneval schon seit ich im Kindergarten war. Meine Mutter gab sich da auch immer die größten Mühen, damit ein hübsches Kostüm hatte. Das putzigste war wohl mein Schneeflöckchen-Kostüm aus dem zweiten Kindergartenjahr. Wusste zwar keiner meiner Kindergartenkollegen, was ich sein sollte, aber es war supersüß und superflauschig, ich trug eine Perücke und - ganz wichtig! - Glitzer im Gesicht. Durch die Jahre hat sich auch gehalten, dass ich gerne kostümiert bin. Vor allem wegen des Glitzers, auf den ich ja leider im Büro immer verzichten muss... Ich habe also schon Sissi, Prinzessin, Dornröschen, gefühlte dreihundert Mal Katze, Steinzeitmensch, Teufel und Oma, Vampirjägerin und Mistkäfer hinter mir. (Letzteres sollte eigentlich ein Glückskäfer werden, aber das verstand mein Umfeld irgendwie anders...) Die meisten dieser Kostüme haben übrigens auch sehr geglitzert... Aber den Karneval bin ich sozusagen auf den Modegeschmack gekommen, ich habe irre viel Spaß am Verkleiden und kann da einmal im Jahr ein paar Tage am Stück so rumlaufen, wie ich es irgendwie eigentlich gern einmal die Woche machen würde...

Ein Problem an der Sache ist natürlich, sich im Freundes- und Bekanntenkreis als Karnevalsfan zu outen. Das stößt gelegentlich auf Unverständnis. Meistens mit Argumenten wie: "Ich hasse diese aufgesetzte Fröhlichkeit und ich will nicht auf Kommando Spaß haben müssen".
Aha. Also, ist ja Ansichtssache, aber ich bin im Karneval meistens einfach fröhlich, weil ich da feiern kann. Das ist auch nicht aufgesetzt, denn die Stimmung ist da in der Regel wirklich gut. Man lernt gerade über die Kostüme dauernd Leute kennen, und eigentlich mögen sich immer alle, weil alle gute Laune haben. Im Karneval muss auch keiner auf Kommando Spaß haben, sondern der ergibt sich einfach. Und es ist doch toll, wenn man einen Anlass hat, sich mal völlig auszulassen!

Leider wird mit Karneval dann auch meistens das Thema Prunksitzung verbunden. Prunksitzungen kann ich gar nicht leiden. Die waren bei uns im schönen Sauerland zwar oft die einzige Möglichkeit, in pubertären Zeiten an Bier zu kommen und sich vorher völlig ungeniert am Schminkkasten zu vergreifen (Glitzer!). Man verkrümelte sich aber dann mit den ganzen anderen Pubertierenden ganz gediegen in der letzten Reihe der Schützenhalle Oeventrop und feierte eigentlich Privatparty, denn das Programm war ja vorne und damit weit weg. ;-) Ich erinnere mich aber trotzdem nur zu gut an das "Lied vom Wolpertinger" (Refrain: "Wolperti-Wolperta-Wolpertumderaaaahh"!). Jedes Jahr performed by Willi R., dem Opa einer Klassenkameradin. Leute, das hatte echt Charme! So viel aber nun abschließend zum Thema Prunksitzungen...
Karneval geht ja zum Gück auch ganz anders, denn er hat durchaus viele Gesichter: Straßenkarneval, Faschingszug und Kneipenkarneval sind mir nämlich voll symphatisch. Wenn man da ungeniert die Kostüme der anderen Mitfeierer anstarren kann und auch mal einfach mit den frisch-neuesten Bekannten - z. B. in illustrer Runde mit Napoleon, einem Schwein und Nosferatu - ein Bierchen trinkt. Karneval ist die einzige Zeit im Jahr, in der ich ohne Scham Schlager von Wolfgang Petri mitgröhlen kann und Lieder mit so hochphilosophischen Texten wie "Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei" gespielt werden.

Unser Karneval hat mich und meine kostümierten Mitstreiter mal wieder in die alte Heimat, den Würzburger Nachtwächter, geführt. Um vier Uhr verabschiedeten wir uns von neuen und alten Freunden und verabredeten uns für den nächsten Tag um fünf - im Nachtwächter, versteht sich. Das war etwas gewagt und leider zwangen mich besondere postparty-verarbeitungstechnische Kausalitäten am nächsten Tag, diesen Termin nicht wahrzunehmen... Noch nichtmal zum Faschingszug in der Innenstadt war ich fit, um ehrlich zu sein. Trotzdem kann mich so ein Faschingsabend im Kneipenkarnevalsmetier unheimlich glücklich verkatert sein lassen. Wenn man will, kann man also in Franken prima Karneval feiern!

Foto: Als fée verte mit grünem Absinth-Kostüm im Würzburger Nachtwächter

Freitag, 25. Februar 2011

Aus gegebenem Anlass:Tod eines Kaktusses (korrekter Genitiv?)

Dass die meisten Dinge, die keine Beine haben und grün sind, sich am besten in meinem Kochtopf, in der Salatschüssel oder gleich auf meinem Teller machen, dürfte ja nach zwei Malven und diversen anderen verstorbenen Clorophyllproduzenten schon bekannt sein. (De mortuis nil nisi bene...).
Mein definitiv von Gott gegebenes Talent als Pflanzenmörderin hat sich neulich aber mal wieder in ungeahnten Ausmaßen offenbart: Ich habe es tatsächlich geschafft, dass in meinem Büro ein Kaktus direkt neben mir von innen heraus verschimmelt ist, und das musste tatsächlich erst nach offenbar vielen Tagen jemand anderes merken! Dafür, dass so ein Kaktus ja eigentlich ein recht pflegeleichtes Pflänzchen sein sollte, ist das schon eine echt stramme Leistung, finde ich.
Also: Auf in den Frühling dann mal. Ich werde mit Tulpen anfangen - die kaufe ich im Bund, schon sicher vorgetötet. Dann bin wenigstens nicht ich dafür verantwortlich, wenn sie braun werden...

"Kaktus" ist übrigens auch ein lustiges Wort... schade, dass ich keinen mehr habe!

Mittwoch, 16. Februar 2011

Aus gegebenem Anlass: Tag des Nylonstrumpfs


Am 16. Februar 1937 wurde der Nylonstumpf patentiert. Damit ist heute gewissermaßen der Tag der Nylonstrumpfhose - Nylon Stockings´ Day! Ich frage mich, wieso ich an diesem so wichtigen Gedenktag mit einem Anzug ohne Strumpfhose zur Arbeit gegangen bin. Nun ja, es war auch recht frisch heute.

Ich kann es am 15. Mai wieder gut machen. Da ist das erste Mal die Nylonstrumpfhose verkauft worden. Wahrscheinlich ist es im Mai aber dann viel zu warm für Strümpfe.

Das Leben wird einem manchmal echt verkompliziert... Wer plant bloß diese Gedenktage???

Sonntag, 6. Februar 2011

Aus gegebenem Anlass:

Die liebe Sarah hatte die lustige Idee, an der Würzburger Cocktail-Exkursion teilzunehmen. Karten im VVK kosteten 12 Euro, luden dafür aber auch dazu ein, in neun Locations neun unterschiedliche Cocktails zu probieren und dabei ganz gemütlich von der Sanderstraße bis zum Hafen zu flanieren. Also machen wir uns zu fünft auf, um dem Geheimnis der Cocktails auf die Spur zu kommen.
Auf Grund meiner Eigenschaft, um acht Uhr abends einfach noch nicht ausgehen zu können, weil ich unumstößlich einfach erst frühestens um kurz vor neun ausgehfertig bin, stoße ich später zum Trüppchen und verpasse den ersten Cocktail leider. Dafür genieße ich im Muck einen Kaffee, den ich dringend brauchte. Das ist also das erste Getränk des Abends. Zum Kaffee ist nicht viel zu sagen, er bildet sozusagen die Koffein-Grundlage, um die folgenden Stunden durchzustehen. Ich habe mir vorgenommen, demnächst im Muck mal frühstücken zu gehen.

Ich bin nun verständlicherweise Cocktail-gelaunt, und mit den Cocktails, das ist erstmal ein Problem. Nachdem ich das Chelsea als erste Station ja nun schon verpasst habe, folgen auf der Liste das Casa (Glühbar) und die Escobar. Beide: Undefinierbare Pampe in einem Plastikbecher, sehr appetitlich aus einem großen Eimer ausgeschenkt. Wären wir nicht im Februar in Wü herumgelaufen, hätte ich ja gedacht, ich bin am Ballermann vorm Sangria-Eimer gelandet. Mülleimer standen nicht in genügender Anzahl bereit, weshalb bereits die herumliegenden Plastikbecher mit Cocktailresten auf der Straße für den genügenden Abschreckungseffekt sorgten. Anstandhalber probierte ich wenigstens beide Flüssiglösungen. Hier wird nix beschönigt:


Fazit: Der Abend muss besser werden. Dringend. Ich fange schon an, alle diejenigen, die ihre Karte an der Abendkasse für sagenhafte 18 Euro kaufen mussten, extrem zu bemitleiden, da entdecken wir im PC-Laden das Motto für unseren "5 Krieger-9 Cocktails-Abend".



Wir nehmen es also mit Humor, und auf dem Weg ins Brauhaus finde ich bereits die in der Murmel ausgestellten Karnevalsideen schon wieder extrem witzig.
Der letzte Cocktail hat also doch zumindest seine Wirkung nicht verfehlt... Die Escobar, die ansonsten ja wirklich gern mal frequentiere, wird sich trotzdem auf etwas längere Abstinenz einstellen müssen.

Wir besuchen anschließend das Brauhaus, und haben dank Cocktailpass durch Eintrittspreise unbeschränkte Eingangsbefugnisse. Im Brauhaus war ich schon ewig nicht mehr, und mir gefällt der renovierte Laden ziemlich gut. Der Cocktail wird auch hier im Plastikbecher ausgeschenkt, aber wir bekommen einen Sitzplatz und es schmeckt auch schon deutlich besser. Die Becher werden freundlich übergeben und sogar, obwohl wir nicht auf einen zweiten
Drink bleiben, mit ein paar netten Worten abgeräumt. Ich bin sehr versöhnt und würde gern bleiben, komme also sicher auch mal wieder. Die Musik ist leider grauenvoll, aber das muss ja nicht immer so sein und ist außerdem geschmacksabhängig.

Nach dem Brauhaus folgt ein kleiner Abstecher in das Enchilada mit Caipi. Gleich am Eingang wird man gebeten, sich als Teilnehmer der Exkursion im Innenhof einzufinden. Spontan denke ich an "Hunde müssen draußen bleiben". Überraschenderweise ist der Innenhof aber gemütlich mit Heizstrahlern ausgestattet, es ist eine Extrabar aufgebaut und der Cocktail wird im pfandgesicherten Plasikglas ausgeschenkt.





Das gefällt mir und wir feiern im Caipi-Zucker-Rausch unterm Heiz-Mushroom die Versöhnung mit dem Abend. Heimelig illuminiert kommen hier sogar ein bißchen Sommerlaunen auf, und das tut wirklich gut. Der etwas geschmacklich etwas verunglückte Caipi ist dabei eher Nebensache.

Weil es irgendwann dann doch ziemlich voll wird und die Stunden voranschreiten, geben wir die Wärmequelle auf und begeben uns ins Irish Pixie. Hier kocht die Bude (wir befinden uns also nun in einer Wärmequelle, weshalb der Verlust des Heizpilzes sich gut verschmerzen lässt), es gibt Livemusik und der Cocktail schmeckt gut, wird sogar dekoriert und im Glas dargeboten.

Die Mädels quetschen sich natürlich zum langbemähnten Musiker vor, und ich verliere beim Tanzen meine Jacke. Einer der Mittänzer bekommt aus Versehen vom Cocktails-schüttelnden Barmann eine Orangenscheibe an den Kopf und das Aggressionspotential steigt kurzzeitig an. Der Gitarrist spielt ganz beruhigend "Jessie" von Joshua Kadison, und ich bekomme meine Jacke wieder - die Jungs um den Orangenscheibenmann haben sie gefunden und gerettet. Der hat auch schon wieder gute Laune. Dann stellt Franzi den Verlust ihrer Handtasche fest, weshalb kurzzeitig Panik unter den Damen ausbricht. Sie wurde aber beim Türsteher abgegeben, taucht also auch wieder auf. Auf den Schreck gibt es außer der Reihe eine Runde Tequila Gold. Draußen treffen wir den Solokünstler, der uns verrät, dass er eigentlich zu der Band Neumond gehört. Mir hat´s gefallen, deshalb hört Euch bei Gelegenheit mal was von dem sehr netten Josi und Neumond an, indem Ihr ein Konzert besucht.

Ich wäre eigentlich gern im Pixie geblieben, aber schließlich haben wir uns ja was vorgenommen und die Mission des Abends muss erfüllt werden. Wir landen im Alten Kranen, der echt sehr sehr schick geworden ist. Cuba Libre passt mir auf Grund des hohen Cola-Anteils gut ins Programm und wir genießen den eroberten Sitzplatz.


Von da ab ins Lumen, auf das ich mich besonders gefreut habe, weil ich das Lumen so unglaublich schick finde. Ich kenne es allerdings nicht mit akustischer Elektronikuntermalung, sondern eher mit Pianosound. Macht nix, die Anlage ist super und der Luminator schmeckt uns allen sehr gut. Er wird fortan als bester Cocktail des Abends gefeiert. Leider können wir uns nicht an alle Zutaten erinnern, es handelt sich aber wohl unter anderem um Maracujasaft, Gin un Blue Curacao. Leider sind wir sehr spät im Lumen, und es ist nicht mehr wirklich viel los. Ich empfehle das versteckt liegende Lumen trotzdem allen - ich mag es einfach und man kann dort z. B. auch immer sehr schön einen Kinoabend einleiten oder abschließen.

Wir schließen den Abend im Zauberberg ab, und dort zahlen wir keinen Eintritt. Das freut uns, denn einen Cocktail gibt es hier nicht. Für die Gutscheine werden uns jeweils zwei Beutelchen Chemiewasser überreicht. Ich beschließe, den Inhalt zu verschmähen, aber das würde ja die Mission sterben lassen! Todesmutig reißen wir also kollektiv die Tütchen auf. Es ist dann in der Tat ein grauenvolles Geschmackserlebnis, aber zu fünft und nach acht Cocktails (bzw. einem Kaffee und sieben Cocktails) erscheint letztlich alles als ein Erlebnis, das man unmöglich auf dem Lebensweg auslassen kann...

Nachdem wir uns vergewissert haben, dass alle die Tütensuppe überlebt haben, schließen wir den Abend ab. Ich bin nach einem langen Marsch (bei dem wir uns noch köstlichst über eine Mateflasche amüsieren können - was Cocktails so im Hirn veranstalten...) dann um vier endlich zu Hause.


Fazit: Ein sehr lustiger Abend, nur die Sanderstraße lasse ich beim nächsten Mal ausfallen. Ich danke allen Mitstreitern für den lustigen Abend! - denkt immer dran: Wir haben den Mut, uns unserem Schicksal zu stellen!

Samstag, 22. Januar 2011

Besser nur gehört und nicht gefunden: Die Entthronung der Könige

Nach dem Konzert in der Posthalle von Selig war ich sozusagen in Fan-Trance und geriet auf die "offizielle Seite" einer Selig-FanHP, die versprach, aktuell über Alben, Konzerte und sonstiges zu berichten. Habe ich dann im Spontan-Rausch mal ausgetestet und mich sogar registriert.
Schon nahm das Unheil seinen Lauf: Offiziell heißt offenbar, dass eine junge Dame da zu allerlei Aktionen mobil macht und ich aufgerufen werde, in meiner Stadt Werbung für "die Jungs" zu machen. Sogar ein Weihnachtsgeschenk für "die Jungs" gab es in Form eines nach ihrer Band benannten Sterns, bei dem alle Mitglieder mitschenken konnten (?!#?). Außerdem soll ich in meiner Stadt Aktionen durchführen, um T-Shirts abzustauben.

Wow.

Ich bin ja schon groß geworden die letzten Jahre. Aber "die Jungs" sind sicher über vierzig. Bis vor kurzem wusste ich noch nicht mal ihre vollständigen Namen. Auch sonstige Sozialdaten habe ich nie auswendig gelernt. Denn irgendwie fand ich immer, dass das bei Leuten, die Songs wie "Arsch einer Göttin" spielen, irgendwie so gar nicht pässig ist. Es kam mir sogar echt uncool vor. Und öffentliche Aktionen - das braucht meine Lieblingsband???
Einer "der Jungs" stand neulich für Fragen im Chat zur Verfügung. Ich nahm nicht daran teil. Denn Selig war für mich immer unerreichbar fern auf einem Stern im heimlichen Fanhimmel, der unumstößlich jedes markante Ereignis meines Lebens vom größten Liebeskummer bis zum tollsten Urlaubstag umrahmte. Die Jungs sind also meine Könige, und sozusagen mit einem musikalischen Heiligenschein umgeben, der staunende Verehrung verlangt!
Jetzt bekam ich dann als I-Tüpfelchen eine vor Aktionismus strotzende E-Mail, in der ich aufgefordert wurde, dem Gitarristen zum Geburtstag Briefe oder Geschenke zu schicken. Aha. Fanpost. Mit solchen Idees wurde ich doch zuletzt mit 13 konfrontiert, oder? Das waren damals Zeiten, in denen ich immer ein Autogramm von Marc Owen (Take That I.) haben wollte. Der ist in der Zwischenzeit über eigene Musikerversuche nach einem Abstecher im englischen Big Brother Haus wieder auf den Bühnen der Welt gelandet (Take That II.). Seine Fans sind um die Dreißig, und eigentlich haben wir da Kinder, Jobs und müssen uns mit Yoga fit halten. Kitschige Fanpost schicken gehört nicht mehr zu unserem Metier.

Dafür verfügen wir über genügend Barmittel, um die Musik nicht illegal im Internet runterladen zu müssen, sondern kaufen Cds und Konzertkarten. Ich nenne Original Fan-T-Shirts der Smashing Pumpkins, von Marius Müller Westernhagen und natürlich auch von Selig mein Eigen. Die trage ich übrigens auch, und das muss als wirksame Öffentlichkeitsarbeit von Otto-Normal-Fan reichen. Fragwürdige Aufkleber Aktionen empfinde ich da eher als Anbiederungs-Mitleidsakt... Für alles andere werden doch außerdem Manager bezahlt. Ich fühle mich nicht berufen. Ich will nur Musik hören. Ich will, dass diese einzigartig coole Band genauso cool und weit weg-erwachsen bleibt, wie sie es die letzten zehn Jahre war. (Naja, zugegebenermaßen als sie Musiker sich vorübergehend getrennt hatten und jeder sein eigenes Ding machte).
Aber ich will NICHT den selbstbesungenen Popstarkult und Fotos mit dem Lieblingskuscheltier in der Bravo! Am Ende kann ich da noch ein Date ersteigern, und Viva filmt das ganze vor rosa Wölkchen-Kulissen.

Also, ich habe meine Mitgliedschaft im Meet-Your-Star-Club jedenfalls nach den jüngsten Entwicklungen kündigen wollen, denn das war jetzt einfach ne Spur zu hart. Leider hatte ich da mein Passwort schon vergessen, und das brauche ich zum Einloggen, um meinen Account zu löschen. Bis zum heutigen Tage habe ich dreimal versucht, mir meine Daten schicken zu lassen. Leider kommt keine Reaktion. Vielleicht muss ich tatsächlich eine E-Mail an den Administrator schicken. Zum Glück habe ich von dem tonnenweise Mails in meinem E-Mail-Fach, seit ich Mitglied geworden bin.
Ich will aber keine Fanpost schicken. Ich wär lieber einfach selig, um gelegentlich auf Konzerten taube Ohren zu bekommen. Und ich will gute Musik. Bitte lasst meine Könige auf ihrem Thron, und lasst mich im Glauben an ihre endliche Unendlichkeit.

Mittwoch, 12. Januar 2011

Aus gegebenem Anlass: 3 Monate vor 25´5

Vor einigen Tagen schon entdeckte im Schwimmbad unter der Föhnlampe unzählige graue Haare - nicht im Waschbecken, sondern zu meinem Leidwesen auf meinem Kopf. Also: Meine grauen Haare, die gnadenlos auf fortschreitendes Alter, drohende Midlifecrisis und Ordnung im Leben hinweisen. Die mich angrinsen und unmissverständlich sagen: "Schau her, jetzt wirst Du erwachsen!" - Die Vorfreude auf meinen nächsten Geburtstag lässt plötzlich zu wünschen übrig. Ich rede mir aber sehr erfolgreich ein, dass graue Haare in meinem jugendlichen Alter doch irgendwie ziemlich cool sind und ich dementsprechend am besten gleich noch mehr züchten sollte.

Im Supermarkt kaufe ich dann an einem Freitagabend einen Badezusatz im Beutelchen - der tetesept-Schokotraum verspricht Entspannung pur. An der Kasse dann beim Scannen ein hässliches Bieps-Geräusch: "Alterfreigabe", sagt die Kassiererin erstaunt. Heißt auf Deutsch: Ich muss 18 sein, um mein Schokobad zu kaufen. (-?!?)
Sicher ist das ein Fehler, und obwohl das Bad in Pulverform dargereicht wird, behauptet die Kassierin mit Nachdruck, sicher sei Alkohol enthalten. Naja. Auch der Kunde hinter mir schaut ein wenig skeptisch ins Wetter. Eher ist der Badezusatz doch aus sexuell animierenden Gründen nur für Erwachsene zugänglich, denke ich mir. Diesen Verdacht spricht (zum Glück!) aber keiner von uns aus.
Wie auch immer, Fehlbuchung hin oder her, Versehen oder nicht - meinen Ausweis will auf jeden Fall keiner sehen. Als ich das Vorzeigen hoffnungsvoll anbiete, lacht die Kassiererin herzlich.
Ein bißchen enttäuscht bin ich darob schon, beharre aber aus guten Gründen nicht auf der unbedingten Offenlegung meines Geburtsdatums... Fazit: Die 18 wurden definitiv überschritten, und ich sehe mindestens genauso alt aus, wie ich bin.

Beim Friseur ein paar Tage später spreche ich die Sache mit den grauen Haaren dann doch an. (Betone aber ohne Altersfreigabe darauf, dass ich noch nicht einmal dreißig bin!) Wir machen blonde Strähnchen, dann sieht man die Grauen (mich packt eher dasselbige!) nicht mehr so.
Geburtstag kann kommen.
Ich werde übrigens 25.

`5.