Freitag, 1. Juni 2012

Aus der Stadtbücherei: "Die Eleganz des Igels", um die es hier gar nicht geht.

Ich leihe ja immer gern Bücher aus der Stadtbibliothek aus. Ich mag die nämlich, weil man da nur einmal im Jahr Jahresbeitrag leistet, ständig neue Bücher da sind, und man auch mal eins einfach unzuendegelesen wieder zurück geben kann, wenn es dann doch nicht so prall war. Sehr schön unkompliziert, das muss ich schon sagen. Es gibt auch englische Bücher, oder DVDs und Hörspiele von Agatha Christie. Und wenn was sehr zerlesen ist, haben das die Leute schon oft ausgeliehen und auch gelesen und das ist ein bisschen auch ein Garant dafür, dass es nicht so schlecht sein kann. Der Liebste findet das überhaupt nicht komisch, weil ich die voll verlausten Bücher auch immer schön mit ins Bett nehme und dann da die Bazillen verteile. Das kann er nämlich überhaupt nicht leiden. Trotzdem schaffe ich es immer irgendwie, die Teile in die Koje zu schmuggeln, und meistens gibt es dann auch bald kein Theater mehr, wenn die Dinger einmal drin sind und eh schon alles damit verseucht ist.

Gerade habe ich "Die Eleganz des Igels" ausgeliehen. Wenn mir was gefällt, blogge ich dann auch darüber. Im Regelfall ist das dann aber danach. Diesmal allerdings gab das Buch Anlass, sogar schon beim Ankommen auf Seite 65 das Ding hier aufs Parkett zu bringen. Es ist nämlich echt schier unglaublich. 
Ich lese das Buch und freu mich dran, und dann, mir nichts, dir nichts, so BAMM! auf Seite 65, also kaum erst richtig im Spiel - DAS hier:


Kann sich das einer vorstellen? Da hat doch tatsächlich so ein Büchereinutzer-Klugscheißer einen Druckfehler korrigiert. Mit schwarzem Kuli. In dem fremd-verlaust-zerlesenen Bücherei-Buch. Macht der das mit seinen eigenen Büchern auch? Ist es ein innerer Zwang? Will er die dummen Leser schützen?
Ich glaub das nicht. Das sind mir ja die Intellektuellen vom Allerfeinsten: Die Rechtschreibfehler-Korrektoren. Die gehen auch mit Tipp-Ex an Restaurant-Speisekarten ran und rasieren ihre Büro-Kakteen. Ein kleiner Schritt für den Erbsenzähler, ein großer Schritt für den Büchereinutzer. Das sind dann ja auch naturgemäß die Sorte Schlaumeier, deren Intelligenzbestialität sich darauf beschränkt, die Fehler anderer zu eruieren und schön prätentiös offen zu decken. Ein schwieriger Menschenschlag, der meistens selber lieber ganz nichts macht, als vielleicht doch was falsches.

Es ist ja wirklich ein winzig kleiner Tempus-Fehler, der da auf dieser Seite 65 steht. Aber jeder, dem jetzt nicht nur Fliegen durch die Birne kreisen, hätte den auch ohne die tolle Lehrer-Lämpel-Aktion bemerkt. Aber eben wohlwollend darüber hinweg gesehen und sich im Hinterkopf einfach gedacht: "Sieh an, ein kleiner Tempus-Fehler. Den überlesen wir jetzt mal wohlwollend, denn wir wissen ja alle, dass das gute alte Präsens gemeint ist".
Aber nein, der Weltverbesserer malt mir mal fröhlich diesen störenden Strich in die Seite, damit bloß keiner auf den dummen Gedanken kommen könnte, das gehöre so. Ich danke für diese so missionarische Einstellung in Grammatik, die es mir ersparen soll, darauf reinzufallen.

Ich werde jetzt natürlich versuchen, möglichst viele Wörter, die laut Duden nicht existierend sind, hier zu verwenden und möglichst oft die Zeit zu wechseln. Mit ´nem Kuli kommen die Ober-Klugscheißer unter uns da nämlich nicht ran. Da müssen die schon den Bildschirm schwarzmarkern. Und darauf bin ich dann echt mal gespannt. Die Korrektur-Hotline läuft unter 32 16 8, da geht Rosi ran und sorgt für Entspannung.

1 Kommentar:

ralf hat gesagt…

Wenig intellektuell geht es morgen beim Bloggertreffen zu: :)
http://wuerzblog.de/2012/05/22/bloggen-und-lesen-treffen-und-feiern/