Dienstag, 10. Dezember 2013

In eigener Sache: DER HEXER von Edgar Wallace im KuZu/Theater Chambinzky

Ab Freitag, den 13. Dezember 2013 wird im Kellertheater des Chambinzky DER HEXER sein Unwesen treiben! Seit vielen Jahren jagt Scotland Yard den „Hexer“, einen mysteriösen Verbrecher, dessen Verwandlungskünste ihm immer wieder die Flucht ermöglichen.
 Nun wurde Gwenda Milton, die Schwester des „Hexers“ tot in der Themse aufgefunden. Unter dringendem Tatverdacht steht ihr Arbeitgeber, der korrupte Anwalt Maurice Masters. Um ihn vor der Rache des „Hexers“ zu schützen, quartieren sich die Polizisten Wembury und Bliss bei Masters ein. Unterstützung bei ihrer Jagd nach dem Verwandlungskünstler erhalten sie von Dr. Lomond, einem angesehenen Polizeiarzt aus Paris. Doch wo ist der „Hexer“? Weiß es Hackitt, der kleinkriminelle Diener des Anwalts? Oder der gefährliche Johnny Lenley, der mit Masters ebenfalls noch eine Rechnung offen hat?

„Der Hexer“ von Edgar Wallace wurde 1926 uraufgeführt und war sofort ein gigantischer Erfolg. Er wurde insgesamt neunmal verfilmt, unter anderem 1964 mit Joachim Fuchsberger. Matthias Hahn hat die Handlung 2010 für die Bühne neu bearbeitet und in ein kleines englisches Städtchen verlegt. Seine Fassung sorgte bereits in Rothenfels, Berlin und Elmshorn für volle Häuser und begeisterte Zuschauer, in dieser Spielzeit wird sie gleich an sechs Bühnen im gesamten deutschen Sprachraum mehrfach aufgeführt.

Wer Lust hat, mich als Inspektor Wembury bei der Suche nach Londons genialstem Verbrecher zu begleiten, der kann das bis zum 19. Januar tun.


BESETZUNG
Inspektor Wembury: Michelle Neise/Conny Leimeister
Chief-Inspektor Bliss: Thomas Moser
Doktor Lomond: Horst Fuchs
Maurice Masters, Anwalt: Harry Peters-Hartmann
Samuel Hackitt: Andreas Protte
John Lenley: Michael Schwemmer
Cora-Ann Milton: Lenka Hofmann


Produktion                          Theater Chambinzky Würzburg
Aufführungsrechte                Deutscher Theaterverlag, Weinheim
Regie                                   Matthias Hahn
Bühnenbild  | Bühnenbau      Volker Harzdorf, Thomas Stiegler
Licht | Technik                     Friedel Lelonek
Theaterleitung                      Rainer Binz
TERMINE
Aufführungstermine: Aufführungen im KuZU Kellertheater des Theater Chambinzky vom 13.12.13 - 19.01.2014 am DO | FR | SA jeweils um 20.00 Uhr, am SO jeweils um 19.00 Uhr

Kartenreservierung: Telefonisch unter 0931 - 51212 oder per Mail unter www.chambinzky.com

Freitag, 6. Dezember 2013

Was ich denke, wenn ich zum einmillionhunderttausendstenmal "Last Christmas" von Wham im Autoradio höre

Ich fahre Auto. Es ist hässlich draußen. Auch an jeder Ecke blinkende Lichterketten können das nicht wettmachen. Das Radio läuft, der Moderator erzählt was vom Geschenke verpacken und macht fade Witzchen über den Nikolaus, der ja nun morgen kommen soll. Der Run nach dem besten Weihnachtssong 2013 ist offenbar schon wieder im Gange. Leute, mein Tag war echt vollgepackt, ich will heim und aufs Sofa. Und dann passiert´s...

...Leise Musik, etwas blechern: pling.... pling pling!.... pling... pling plink... drrrrring.... 

Die Chello (denkt): Oh neee, das ist doch...isses schon soweit?

George Michael (singt): Uuuuuu... Aaaaaahhh....

Die Chello (denkt): Neeeiiiiin... jetzt geht´s wieder los... 

George Michael (singt): Laaaaast Christmas / I gave you my heart/But the very next day you gave it away.....

Die Chello (denkt): ...gooey Christmas... Blödes Weihnachten, und jetzt auch noch Geschenkestress!!!

George Michael (singt): Thiiiiiiis year, to save me from tears, I'll give it to someone special!

Die Chello (denkt): Scheiße, das kann doch jetzt echt noch nicht wahr sein...???

George Michael (singt): Laaaaast Christmas!

Die Chello (denkt): Hmmmmpf... 

George Michael (singt):....I gave you my heart....

Die Chello (denkt): ... Und das sind sie jetzt, die  besten Weihnachtshits...?

George Michael (singt): but the very next day you gave it away.....

Die Chello (denkt): Wundert mich nicht, wenn ich das Video zu dem Song denke...

George Michael (singt): Thiiiiis year, to save me from tears, I'll give it to someone special 

Die Chello (denkt): ...na subba, gut dass ich die Sorge nicht hab...

- leise erklingen Schlittenglöcken... bingbingbingbingbing...-

Die Chello (denkt): Waaaahnsinn, wahrscheinlich Geräuscheffekte von einem Keyboard der ersten Generation, hart!!!

George Michael (singt): Once bitten and twice shaaaaahy

Die Chello (denkt): da fällt mir wieder das Video aus den 80ern ein - oder war das noch früher???

George Michael (singt): I keep my distance, but you still catch my eye!

Die Chello (denkt): Oh Gott, in dem Video wälzt er sich jetzt gleich im Schnee in diesem fiesen Skianzug... 

George Michael (singt): Tell me baby, do you recognize me? - Well, it's been a year, it doesn't surprise me


Die Chello (denkt): Das mit dem Jahr wundert mich auch gerade...

 George Michael (singt): "Happy Christmas" I wrapped it up and sent it  -With a note saying "I love you", I meant it

Die Chello (denkt): Aber die Musik ist ja schon ganz grooovy...

George Michael (singt): Now I know what a fool I've been


Die Chello (denkt): Hmmm, das Video ist auch ziemlich witzig...!
 

George Michael (singt): But if you kissed me now, I know you'd fool me again
 

Die Chello (ertappt sich beim Summen): mmh mmh mmh...

George Michael (singt): Last Christmas I gave you my heart/But the very next day you gave it away/ This year, to save me from tears, I'll give it to someone special

Die Chello (denkt): Eigentlich ganz cool der Song... Wie ging nochmal der Refrain?

George Michael (singt)/Die Chello (hört zu):
Last Christmas I gave you my heart/But the very next day you gave it away/ This year, to save me from tears, I'll give it to someone special

Die Chello (denkt): Ups, ich hab gerade mit dem Kopf im Takt genickt...

George Michael (singt): Oooohhhh ... Oh oh babyyyy

Die Chello (denkt): Haaach, weiße Weihnachten, das wär mal wieder was....

George Michael (singt)/ Die Chello (lauscht gebannt): A crowded room, friends with tired eyes/I'm hiding from you and your soul of ice / My god, I thought you were someone to rely on/ Me? I guess I was a shoulder to cry on

 Die Chello (denkt): Aaach, da fällt mir ein, dass Weihnachten ja irgendwie doch ganz schön ist...

- Schellengebimmel, Schlittenglöckchen, bingbingbimgbingbing... -

George Michael (singt): A face on a lover with a fire in his heart 

Die Chello (denkt): Weihnachtsmarkt und Glühwein....

George Michael (singt): A man under cover but you tore me apart

Die Chello (denkt): Ich will dieses Jahr auf jeden Fall einen echt fetten Weihnachtsbaum haben...

George Michael (singt): Oh oh now I've found a real love

Die Chello (denkt): mit irre viel Glitzer...

George Michael (singt): You'll never fool me again

Die Chello (denkt): Hmmm. und dieses Jahr bestimmt wieder Hirsch von Mama...

George Michael (singt): Last Christmas I gave you my heart

 Die Chello (denkt): Schlittschuh fahren!!!

George Michael (singt): But the very next day you gave it away

Die Chello (denkt): Kekse backen!

George Michael (singt): This year, to save me from tears...

Die Chello (denkt): Und dann kommt auch Drei Haselnüsse für Aschenbrödel wieder!!!

George Michael (singt): I'll give it to someone special, speciaaaaal!!!!

Die Chello (denkt): Ist das schöööön! Weihnachten! Juchuh!

Die Chello und George Michael (singen gemeinsam):
Last Christmas!!!
I gaaaaave you my heaaaaart
But the very next day you gave it away 
This year, to save me from tears, I'll give it to someone special
Speciaaaaal

A face on a lover with a fire in his heart (I gave you miiiiiiiiine)
A man under cover but you tooooooore him aaaaaaapart
Maybe next year I'll give it to someone -
I'll give it to someone ---- speciaaaal

Speeeeeeeciaaaaaaal
So loooooong...


George Michael (ist endlich still)

Leise Töne: Pling.... pling pling....

Die Chello (denkt): Oh mann, ich hab doch irgendwo noch diese Wham - CD auf der der Song drauf ist... Die könnte ich echt mal wieder raussuchen...!

Und ich weiß wieder mit erschreckend nostalgischer Sehnsucht: Das Jahr ist vollbracht.
Last Christmas ist auferstanden.  Es weihnachtet sehr, und ab morgen läuft Peter Alexander beim Plätzchen backen und ich hör auch wieder wieder wieder Wham...

Mittwoch, 23. Oktober 2013

The Time Machine: Back to the 90s

Ich bin ja immer gern im hier und jetzt. In seinen Dreißigern kann man aber immerhin schon auf drei Jahrzehnte Top-oder-Flop Entwicklungen zurückschauen. Vom letzten Jahrzehnt bin ich wenig beeindruckt - ist ja auch ein bisschen sehr kurz her, um ernsthaft nostalgisch zu werden.
Um so mehr bemüht mein Umfeld gelegentlich die Flucht in die gute alte Zeit in der man nichts zu lachen hatte, und da sind immer noch die 80er total im Rennen. Der Gedanke an die 80er ist für mich aber leider untrennbar verbunden mit Bad Taste zu YMCA-Sound - ich weiß auch leider gar nicht, was mich da drüber retten oder die Tatsachen verklären sollte. Überlegt doch mal: Aus den 80ern kommen Jogginghosen mit Tennissocken und Karottenjeans!!! Als Kind trug ich in dieser Zeit der größten Modeverirrungen peinliche bunte Leggings und kann mich noch lebhaft an mein Betteln nach einer Winterjacke in Neonfarben  erinnern... Noch immer wird mir heute ganz anders, wenn ich Schulterpolster in einem Kleidungsstück entdecke. Ich meine, wer will schon ernsthaft aussehen, wie ein Zombie aus Michael Jacksons "Thriller"-Video??? Bei uns daheim lief auch nur Radio, nix Plattensammlung und Geschwärme von den Stones. Vielmehr wurde Roger Whittaker feilgeboten oder Peter Maffay mal lauter gedreht. Die 80er bleiben mir folglich suspekt.
Macht aber nix, im Wesentlichen beschränken sich die Berührungspunkte ja auf Queen im Radio, den Prinz aus Zamunda im Fernsehen und gelegentliche 80er Revivalbegegnungen zu Karneval. 

Mit den 90ern ist das komplett anders, in denen bin ich nämlich Zuhause. Und die waren ja wohl tatsächlich voll und ganz s u p e r c o o l. Nach vielen vielen Jahren 80er Party, des Sixties-Style und dem 20er-Jahre Look passierte neulich deshalb was, das mich vor Aufregung regelrecht aufschreien ließ - denn das Cover der Frauen-Zeitschrift meines Vertrauens trompetete mir entgegen: "The 90ies are back"! Man warb mit dem Slogan "So geht der neue Grunge-Look".   
Da bin ich jetzt aber schon irritiert. Hat man sich damals Gedanken über einen "Look" gemacht??? Naja, auf der Loveparade vielleicht. Da bin ich auch mit Kinderschwimmbrille in rosa Hosen angetrabt. Irgendwie kann ich mich aber sonst nicht an irgendwen cooles erinnern, der ausgesehen hätte, als habe er mehr als eine Millisekunde mit der Wahl eines Kleidungsstückes verbracht.
Außer mir selber natürlich: ich war da ja vollpubertär, permanent verliebt in Marc B. aus der Klasse drüber und leider unsagbar uncool (weshalb besagter Marc B. auch leider nie von seinem Schicksal erfahren hat)... In den 90ern war die Wahl der richtigen Klamotten für mich also vor allem eines: eine absolut unlösbare Aufgabe, die man sich besser erst gar nicht stellt. Da Klamotten kaufen auf Grund Wohnens auf dem Lande notgedrungen lange Zeit nur mit Eltern funktionierte und die leider schon anfingen, in diffizilen Angelegenheiten wie der Kleidungs- und Haarfarbenwahl schwierig zu werden, beschränkte ich mich schließlich darauf, abgelegte Sachen von Papa und Mama zu tragen. Die stammten aus der Zeit von vor schon damals zwanzig Jahren und waren eher unauffällig. Sogar eine alte Strickjacke von meiner Oma wurde konfisziert für den Zweck, jegliches Modeverständnis meiner Person völlig zu negieren. (Aber das war immer noch besser, als völlig beknackt mit Karottenhose in der Schule herumzulaufen!)  Einzig und allein ließ ich von Papa für mich Jeans erwerben sowie ein geringeltes T-Shirt, was wohl mal "in" war. Ich kann mich an wilde Verkleidungen erinnern und vor allem an den starken Willen, bloß nichts zu tragen, das irgendwer aus der Elternschaft ernsthaft und ausschließlich für meinen Gebrauch auserkoren hatte. Die 90er sind für mich Nirvana, coole Jungs in Skaterhosen mit langen Haaren, die Hochform und Trennung von Take That, gleichzeitig Heavy Metal neben Marusha, Buffalos, Karohemden, massive Unorientiertheit, deutscher Punkrock und Bad Religion. Und bevor ich es vergesse: Die Zeit der besten Serie, die ich jemals im Fernsehen sah: "Buffy im Bann der Dämonen". Es war die Zeit der Antiwitze (Stehen zwei UBoote im Keller und bügeln Butter...) und des Headbangings. Wir fanden Zebramuster cool und trugen T-Shirts, auf denen "Hash ultra" stand. - Wie soll das denn heute funktionieren, bitte hä???

Neulich im Kaufhaus einer bekannten Kleiderkette entdecke ich aber tatsächlich ein Relikt aus vergangenen Tagen: Ein Karohemd aus Flanell. Sowas hab auch ich in den 90ern getragen!!! Damals hatte ich ein braunes und ein magentafarbenes. Eins gekauft, eins geerbt von Mama. Ich muss das anziehen, geht nicht anders. Ich ertappe mich schon in der Kabine, wie ich mich zu dick finde und dann auch noch einen Pickel in meinem Gesicht (!) entdecke. Muss am Muster liegen, da kommt einiges hoch, dass in der Pubertät begraben lag... 
Auf einem Konzert im Oktober spielt eine Teenieband im Enchilada. Ich trag ´ne Karohose und ´nen bescheuerten Hut. Und dazu, klar: Songs aus den 90ern. Ich stehe in der ersten Reihe, brülle mit und springe wild in der Gegend rum. Plötzlich muss ich fast heulen: Kurt Corbain ist tot, fällt mir nämlich gerade ein. Und dann habe ich auch schon wieder die Haare von meinen Nebenmann im Gesicht. Wir hüpfen da so gleich alt nebeneinander hoch, mit fliegendem Schopf und in voller Ekstase. Mir fällt die Zeitschrift wieder ein. Mein sogenanntem Make up ist schon lange Geschichte an diesem Abend. Die Haare sind stilecht "undone". Klar, hat ja auch der Hut plattgequetscht :-). Und ich denke mir nur, wie soll man das denn nun stylen... Da kann ja einer noch so sehr mit Schlontz Make up und Karoklamotte rumlatschen: Das Feeling kriegt er nicht hingemalt.
Ich hab mir übrigens dann das Karohemd gekauft. Das war ja so schön retro. Wie der Bärchen-Schlafanzug aus alten Zeiten, den ich noch bei meinen Eltern gebunkert habe. Mein Freund W. meinte, er kenne mich so gar nicht. Ich glaub aber, ihm hat das gefallen. Kein Wunder: Back to roots - das ist Heimat und authentic style. Ich bin zufrieden wie frisch gebadet, höre  zum Frühstück NOFX und Aerosmith, trauere im Auto morgens nochmal kurz über die Auflösung von Take Tha, denke dabei an das Musikvideo zu Pray und Zeiten, in denen auf MTV und Viva wirklich noch Musik gesendet wurde. Ich kann demzufolge das Karo mit demselben Stolz tragen wie das Seepferdchen auf dem Badeanzug.
Und Euch jetzt viel Spaß bei Euren 80er Parties, wenn Euch mal wieder nach Nostalgie zumute ist. Zieht wieder Leggings an und Neon-Farben im Fitnessstudio. Verkleidet Euch ruhig im Karneval als Hippies oder geht als Charleston-Girls zum 20er-Abend. 
- Aber die 90er kriegt ihr nicht! ! !

Dienstag, 8. Oktober 2013

Aus gegebenem Anlass: Über die feierliche Eröffnung meines Punktekontos in Flensburg

Eine ganze Weile bin ich jetzt schon dazu übergegangen, nicht mehr die B8 auf dem Weg zur und von der Arbeit zu benutzen. Zunächst zwang mich deren Sperrung dazu, nunmehr auch noch ein hinzutretender Umzug, der ansonsten die Fahrt durch das morgens ziemlich überfahrene Würzburg erfordern würde. Fahr ich also über Frankenkäffer, ist nämlich eh viel schöner und erinnert mich an Zuhause.
Dass mein Mobiltelefon auf der Strecke traurige null Balken in punkto Funknetz zeigt, damit kann ich ja noch leben. (Auch, wenn ich jetzt dieses phantastische kabellose Headset habe, mit dem man beide Hände am Steuer und gleichzeitig volle Schwätzgewalt haben kann).
Dass es da aber nur wenige Meter vorm Ortsausgangsschild, wenn man definitiv schon allein auf Grund des drängelnden Hintermanns inmitten grünender Wiesen und üppiger Vegetation denkt, der Ort sei schon vollständig vorüber gezogen, auf völlig tückisch am Straßenrand platzierte Radarfallen in unscheinbaren Autos trifft, das ist wieder einmal eine ganz und gar enttäuschende Entdeckung über meine Freifahrtbürgerrechte in diesem autofahrerfeindlichen Land!!!
Es gibt ein rotes Flashlight, ich denk noch kurz: Boah, nee, ich bin doch gar nicht in der Disse, und beim reflexartigen Blick auf den Tacho rutscht mir sofort der rechte Fuß auf das linkse rechtse Pedal. Aber alles vergebene Liebesmüh: Shiiiiiit... Mit 80 durch die Ortschaft - Chapeau...! Und schon ist man stolzer Besitzer eines Punktekontos in der nördlichsten Stadt Deutschlands.
So Flensburg-Punkte, die sind nicht etwa 1 mit Sternchen, und die bleiben lange erhalten. Ich bin entsetzt. So Flensburg-Punkte, die können im Ernstfall darüber entscheiden, dass ich nicht mehr oder doch zumindest für eine gewisse Anzahl an Monatssätzen nicht mal überhaupt Auto fahren darf!!!
Und was ist die Konsequenz? Ich seh mich schon für die nächsten zwei Jahre über deutsche Straßen kriechen, immer knapp unterm Limit, wie eine selbst im Sommer behandschuhte Oma mit Seheinschränkungen am Steuer. Ich werde den Verkehr behindern, wo immer es geht, an Kreuzungen ausgiebige Bedenkzeiten zum Thema "Fahren oder Nichtfahren" von meinen Hinterleuten einfordern, mich an Ampeln behupen und auf der Autobahn  von LKWs überholen lassen. Passend dazu könnte ich mir vorstellen, vielleicht einer behäkelte Klorolle auf meiner Kofferraumablage Asyl zu bieten. Oder mir alternativ eine Gehhilfe mit Elfenbeinknauf anzuschaffen, mit der ich dann bei Bedarf nach dem Parkvorgang unauffällig aus dem Auto humpeln kann.
Gut, hab ich erstmal abgewartet. Man weiß ja schließlich nicht, ob man nach sowas überhaupt nochmal von der Fahrerseite aus ein Auto von innen sieht. Das tatsächliche Endergebnis war dann natürlich nicht ganz so schlimm, wie ich vermutet hatte. Das Punktekonto in Flensburg ließ sich dennoch nicht vermeiden. Ich fühle mich irgendwie verfolgt und zu Unrecht verurteilt. Und fahr jetzt auch wieder über die B8. Da ist meistens hundert.

Geblitzt wurde ich dann doch gleich wieder: Im Sauerland. Und ich dachte doch echt, in NRW wär' die Welt noch in Ordnung...!

Mittwoch, 2. Oktober 2013

Urlaubn! - Mallorca 2013

Des Deutschen liebstes Ziel ist immer noch Mallorca, das nach meinen Recherchen ja sogar mal als 17. Bundesland im Gespräch gewesen sein soll. Weil die Zeit drängt, wir nur einmal im Jahr so richtig Gelegenheit zum ausgibigen Nichtstun haben und ausserdem immer noch keinen häuslichen Internetanschluss (was eine Suche nach spannenden Zielen in aller Welt doch als recht schwierig gestaltet) fällt unsere Wahl auf eben diese Insel, um dort auch mal ein paar Tage Urlaub zu machen. Und herrje, sie ist wirklich wunderschön... wir sind im Norden am Strand von Muro gelandet. Da ist es ruhig und die Bucht von Alcudia präsentiert  hellen Sand und blaues klares Meer. Deshalb bleiben wir erstmal ein paar Tage dort liegen und aalen uns in Sonne, Meer und Buffet. 

Erst am fünften Tag erkunden wir mit dem Rad Port de Alcudia und auch Alcudia selbst sowie Pollença. 

Port Álcudia

 Alcudia

Mit dem Bus geht es nach einem weiteren Ruhetag nach Palma. Der ist mit ca. 12 Euro hin und zurück viel günstiger und praktischer als ein Mietauto. Ich gebe mir dabei dann auch die richtige Dröhnung, denn ich höre auf dem Weg die besten Schlager der letzten ungefähr 350 Jahre, und diese Playlist von der allerallercoolsten Schlager - BILD - CD hat es in sich und muss einfach im Pauschalurlaub mal sein, und wenn es auch nur auf einer Busfahrt gelingt - deshalb muss ich sie Euch vorstellen ;-) : 

Nicole: Ein bißchen Frieden (läuft auch jeden Abend an der Bar über der wir wohnen..)
Wolfgang Petry: Verlieben Verloren...
Chirstian Anders: Es fährt ein Zug nach Nirgendwo (Es fährt ein Bus nach Paaaaahalma...)
Marianne Rosenberg Er gehört zu mir
Ibo: Ibiza (auch auf Malle schön)
Dschingis Khan: Moskau (supi: keine Fellstulpen auf Malle nötig!)
Dorthe: Wärst Du doch in Düsseldorf geblieben
Howard Carpendale: Ti Amo
Ninoo di Angelo: Jenseits von Eden
Connie Francis: Schöner fremder Mann
Manuela: Schuld war nur der Bossa Nova
Chirs Wolff: Palma de Mallorca (absoluter Höhepunkt der Liste!!!)
Hoffmann und Hoffmann: Himbeereis zum Frühstück
Trude Herr: Ich will keine Schokolade
Toni Holiday: Tanze Samba mit mir
Jürgen Drews: Ein Bett in Kornfeld
Caterina Valente: Ganz Paris träumt von der Liebe
Mina: Heißer Sand

Allerdings müssen wir am Abend wegen Touristenüberfüllung auf einen Zusatzbus warten, und zwar eine halbe Stunde. Ist aber nicht so schlimm, Palma hat mit seinen schönen Gassen und hübsche Häusern dafür auf jeden Fall genug Entschädigung geboten. Dort kann ich die Kathedrale bewundern, und außerdem ein bißchen shoppen.

Mit dem Mietwagen erkunden wir am nächsten Tag Inca, Binissalem, die Jardins d´ Alfabia, das beeindruckende Gebirge vor Sollèr und Port de Sollèr. 

 Jardins d ´Alfabia

Auf dem Wochenmarkt von Inca interessiere ich mich für eine blaue Tasche, was uns innerhalb von Sekunden in ein Verkaufsgespräch verstrickt, das mich irgendwie an meine finstersten Feilscherlebnisse aus der Türkei 2012 erinnert... damals bin ich tatsächlich einfach weggelaufen, als es mir zu wüst wurde, aber hier ist mein Liebster schon auf meine Fluchtstrategie vorbereitet und nimmt die Sache selbst in die Hand.
„What is your price“? – „This might bei your price, but not my price...“- wenn der Liebste dabei ist, brauche ich meine Oma gar nicht, stelle ich fest. Der feilscht ja noch besser als die alte Dame, und die hat sich, wahrscheinlich kriegstechnisch und bedingt durch lange Jahre selbstständigen Gastronomendseins, schon einiges an Künsten angeeignet. Wir prüfen, tasten, fragen nach dem Tier von dem das Leder stammt und bemängeln die Verarbeitung, während der Verkäufer die Ware lobt und preist. Dreimal wenden wir uns zum Gehen und erzielen erstaunliche Preisnachlässe. Der Mann schwärmt vom marrokkanischen Kamelleder und verrät uns auf Nachfrage, dass er aus dem Senegal stamme. Interessanterweise hält er auch danach an seinem bemitleidenswert gebrochenen Englisch fest. Very tricky... frech wird der Bursche jetzt außerdem, weil wir doch sehr bestimmt gehen wollen. Nach einem klaren und vollständig deutsch aktikulierten "Wenn du mich beleidigst, nehme ich sie gar nicht" vom Liebsten an den Vertragspartner kriege ich meine Tasche für eine akzeptable Summe Euros. Auf ähnliche Weise erhalte ich einen coolen Pareo fürs Patenkind.
Wir suchen in Binissalem vergeblich die Weinberge – denn von dort gelangt der Wein auf dem mallorquinischen Markt und mundete uns ausgezeichnet. Trotzdem: Keine Weinberge weit und breit, weshalb wir uns auf der Route über die Berge mit einem Zwischenstopp in den orientalischen Gärten von Alfabia einen Überblick von oben verschaffen wollen. Weinstöcke finden wir auch von dort aus nicht (das Geheimnis haben wir bis heute nicht gelüftet!!!), aber dafür wunderbare Aussichten und Panoramen.
Abends genießen wir den 50er-Jahre-Flair des Hafens von Sollèr. Dort ist es wie in den alten Filmen, und ich genieße die Stimmung.

Beim Abendessen zurück im Hotel wissen wir schon, dass es besser ist, die Umgebung des „Professors“ zu meiden. Der ist zwar wahrscheinlich nicht wirklich Professor, aber herrlich verschroben und miteilsam. Neulich ist er und mal beim Frühstück begegnet und hat mich auf geradezu possierliche Art und Weise an eine Mischung aus „Marcel“ und „Alexander von Eich“ alias Christian Ulmen in „Mein neuer Freund“ erinnert. Es ist erstaunlich, wie er - stets lässig im rosa Leinenhemd, von dem nur der oberste Knopf geschlossen sein darf, und mit auf dem Haupte thronenden Haarreif (!) - seinem Frauchen  die Welt erklärt. Aus der Mitteilung im Joghurtdeckel, dass der stolze Besitzer des Bechers bei einem im Internet platzierten Gewinnspiel bis zu 40 Euro gewinnen kann, wird die bejubelte Nachricht "Guck mal Schatz, du hast 40 Euro gewonnen!!!" Eigentlich wird alles, was beim Buffet auftaucht, bestaunt wie ein seltenes Tier und der Dame an der Seite präsentiert. Das finde ich schon lustig, aber ich musste leider auch mitanhören, dass er die süße schwarze Katze, die hier offenbar auf Vollpension eingecheckt hat, als „Flozirkus“ bezeichnete. Das geht ja gar nicht: Bettelnde Katzen kriegen immer was von mir und müssen sich zum Dank dafür von mir streicheln lassen. Der Professor soll das nicht kommentieren und wir setzen uns woanders hin.
Diese Nachbarschaft allerdings ist wesentlich unangehmer als „le proffesseur“: Der deutsche Pauschalurlauber mit Bildungshintergrund dank Anstellung bei der Allianz. Das haben wir schon nach der Bestellung der Getränke  raus. Es handelt sich um ein Ebenbild Heino Ferchs. Behauptet der Typ jedenfalls selbst von sich - ich kann da keine Ähnlichkeiten  entdecken (wohl aber eine schier unglaubliche Beleidigung für Heino Ferch). Der Herr belehrt, wie man Urlaub zu machen hat und sportliche Aktivitäten lernt. Eigentlich belehrt er nicht uns, sondern das arme Paar mit Ossi- Akzent, mit dem man sich offenbar am selben Tag angefreundet hat. Ich verfolge aufmerksam, wie er sogar das Radfahren als so außerordentlich technikabhangige Disziplin beschreibt, dass man als Hobbysportler besser erst gar nicht damit anfängt.
Gut, dass er nicht weiß, was für eine schöne Radtour wir gemacht haber, der Liebste und ich, ganz ohne Helm und Radtrikot gemütlich an der Küste und mit Verzicht auf Führer und Windschatten. Schließlich erzählt er seiner Begleiterin (Internetbekanntschaft und aus Versehen mitverreist oder aber arme Sekretärin) noch ausführlich von seiner Exfrau. Bei jeder Bemerkung der anderen abschätziges Lachen und Eigenkommentare: Der Mann weiss alles besser. Beleidigt Prag und dann auch noch Amsterdam. Dann zu dem anderen Paar, der Herr (der uns entfernt an Angela Merkels Mann Joachim erinnert) hat sich gerade genüsslich in ein wohlverdientes Urlaubsbier versenkt, die Aussage: „Also ich trinke ja gar nichts. Wenn man sich das mal überlegt, wie der Alkohol bei uns vergessen wird als Volkskrankheit! Und ich rede hier von Leuten, die trinken jeden Abend ihre halbe Flasche Wein! Und die denken, das ist normal! Aber das ist nicht normal!“
Der arme Joachim. Sein Frauchen versucht noch mitzuhalten, hat aber keine Chance gegen Herrn Allianz - Oberschlau. Ich kann kaum an mich halten. Der Liebste schaut mich an und grinst. Als der Nachbar beginnt, die Koalitionspläne der CDU zu analysieren und ohne Sinn und Verstand über Jürgen Trittin lästert, stehen wir dann endgültig auf. Auf dem Weg zur Tür tut es uns leid- beim Buffet ist nämlich heute ein Schokobrunnen aufgebaut. Wir nehmen den Nachtisch (in meinem Fall den zweiten Nachtisch) an einem anderen Tisch ganz nahe beim Buffet ein. Und ich bin wieder glücklich.
Am nächsten Abend halten wir Abstand. Nicht aber, ohne beim Vorbeigehen zu bemerken, dass jetzt jeder am Tisch nur noch Wasser trinkt. Bis auf den Checker: Der trinkt Cola. Naja, ob das so gesund ist... Armer Joachim, denke ich mir, das war´s mit dem Urlaubsbierchen. Ich drücke ihm die Daumen, dass er sich freistrampeln kann. Vielleicht kann er ja heimlich mal ein Schnapspralinchen essen oder einen Schnellausflug zum Ballermann machen (getarnt als Radfahrkurs oder so), während die anderem am Strand sind.

Und der Strand,  ja, der Strand ist der Hammer. Vor Freude will ich am ersten Tag, als wir uns kennenlernen, am liebsten gleich ins Wasser pinkeln und die natürliche Freiheit des Ozeans spüren. Das Wasser ist aber so klar und es gibt da halt auch noch andere  Badegäste, da lass ich´s lieber und nehm das Strandbar-Klo.
Very entertainig: Die Ansage des Melonenmanns, der immer mit eine Schubkarre voller Obst  den Strand abpflügt: „Hallo papa mama happa happa fruti fruti drei euros la melona pineapple banana coconut! Melona cocoloco hallo papa mama potentia e vitamina para papa e mama! cocoloco la melona happa happa!
Der Mann ist rund, freundlich und lacht fast immer. Ich könnte mir das ewig anhören. Aber im Wasser warten Fischli und Seesterne und ab und an weiter draussen eine oder manchmal auch ein ganzer Schwarm  faszinierend grosser Quallen, größer als mein Kopf, auf mich. Ich muss das erkunden! Die Quallen erschrecken mich bei unserer ersten Begegnung furchtbar. Ich will hinausschwimmen bis zur gelben Leuchtboje (wie schon am Tag zuvor einmal) habe aber diesmal eine Schwimmbrille auf, die mir erlaubt, auch unter Wasser alles zu sehen, was ich kurzsichtigerweise so sehen kann. Sprich: Was sich so im Wasser tummelt, taucht in meinem beschränkten Sehfeld auch wirklich erst dann auf, wenn ich quasi schon reinschwimme. Bei einem Schwarm dunkler Riesenquallen der Größe eines hausverträglichen Hundes ist so ein Treffen verständlicherweise etwas aprupt.
Als wir uns am letzen Tag aber etwas angefreundet haben, besuche ich die Mädels  mit Kontaktlinsen und stelle fest, dass die ziemlich gezielt vor mir die Flucht ergreifen. Am Nachmittag bin ich total mutig und fasse einen der prallen Quallenkörper sogar an. Fest und glatt fühlt sich das an - auf das Anfassen der Tentakeln verzichte ich vorsichtshalber. Zur Boje schwimme ich trotzdem nicht mehr. Ich hab nämlich einen ganz natürlichen Respekt vor allem, was da wohl noch so rumschwimmt und habe kurz hinter einem Quallenschwarm schon zwei armlange helle und flinke Fische erspäht. Ich streichle stattdessen einen Seestern. Spongebobs dämlicher Freund  Patrick ist irgendwie weniger unheimlich, weiß meine Zuneigung aber irgendwie nicht so richtig zu würdigen.

Auf jeden Fall genieße ich die Sonne, diese herrliche, spanische, warme, streichelzarte Septembersonne. Und bin glücklich. Glücklich, während  der Liebste mich über Mallorcas Berge durch zerklüftete Felslandschaften fährt oder ich die über 300 Stufen zur Kirche von Pollenca hocbschreite,  nur, um mir dort glücklich ein Eis zu kaufen und beim Verzehr einer Katze beim Mittagsschlaf zuzusehen.



In Deutschland fängt jetzt der Herbst an, weiß  ich aus dem Wetterbericht der FAZ, die AfD hat Gott sei Dank nicht den Einzug in den Bundestag geschafft und Angie denkt vielleicht über eine Koalition mit dem Grünen nach. Schon eine Woche vor der Wahl habe ich per Brief meine Stimmen verteilt und mich auf dem Herflug gefragt, ob mir ohne Marcel Reich-Ranicki wohl etwas fehlen wird. Das alles ist herrlich weit weg, ungefähr in Marsentfernung, würde ich schätzen, und etwa gleich weit weg wie mein Handy, Emails und Facebook. Das ist mein Urlaubsziel: Erlaubt ist nur eine Anzahl von ca. fünf Sms, die ich brauche, um meinen lieben Anverwandten meinen Standort zu offenbaren und Biggis Plz zu erfahren. Als ich ihr dann eine Karte schreibe, vergesse ich naturgemäß, die PLZ dann auch tatsächlich zu ergänzen und schmeiße sie ohne in den Postkasten an der Rezeption. Zum Glück ist man dort gern bereit, mit mir zusammen das Postgeheimnis zu brechen und aus etwa fünfzig Karten die mit der fehlenden PLZ rauszusuchen, damit ich die wichtigen Zahlen noch ergänzen kann. Hoffen wir, dass der Vogel sein Ziel erreicht... Wir jedenfalls sind jetzt längst wieder da – aber noch keine einzige Karte!

Montag, 19. August 2013

Schwimmbad transzendental

Kurzzeitig hatte ich mich ja durchaus gefragt, ob er wirklich und ganz ehrlich notwendig war, der wasserdichte MP3-Player für das Schwimmbad, den sogar meine Eltern im für mich schwer verfügbaren Aldi Nord erjagen mussten.... 
Heute allerdings, NACH dem sportlichen Teil, gegen halb acht und entspannt ruhend auf einer Blubberliege im sich leerenden Schwimmbad mit Tom Petty (You and I will meet again) unter Wasser im Ohr, tiefseeartig unverfälscht und mit direkter Wirkung im Hirn, Blick durch die Glaskuppel in den wolkigen Himmel unter Grünpflanzen hinweg - erscheint mir die Frage anlässlich dieses schon transzendental anmutenden Erlebnisses ähnlich obsolet wie die nach dem Sinn des Seil beim Bungee-Jumping.

Montag, 27. Mai 2013

Wie ich doch noch Jurist geworden bin, wer Schuld hat und was sich seit damals bahnbrechendes geändert hat

Man muss ja bei diesem Wetter jeden, aber wirklich auch jeden regenfreien Moment nutzen, anlässlich dessen mal kurz die Sonne durch die fetten Wolkenschichten sichtbar ist. Heute nachmittag gegen vier also, Dach auf, Sonnenbrille auf, ein bißchen rumprollen im Twingo (!!!!) auf der B8 also, und dann dazu AC/DC an. Laut. Gerade auf dem Weg vom Gericht und back to office, und ich denk mir so: Highway to Hell, wo hab ich das zuletzt bewusst gehört? 
- Und da fällt es mir dann auch schlagartig ein: Zwischenprüfung 2002, gerade beschlossen, dass ich Jura vielleicht doch lieber nicht weitermache, weil so viele Penner mit mir dabei sind, die alles besser wissen und permanent prophezeihen, dass ich auf Grund meiner nordrhein-westfälischen Herkunft sowieso niemals ein Staatsexamen in Bayern - geschweige denn zwei - auch nur irgendwie geartet ablegen werde. 
Auf dem Weg zur Uni stand wie extra für mich dahingesprüht und launenabhängig zum Heulen oder Lachen immer auf eine dortig zu passierende Hauswand gesprüht: Frei statt Bayern. Denke ich mir jedesmal nach einem Wochenende im Sauerland ja auch wieder, und trotzdem bin ich hier tatsächlich sowas wie ernstzunehmend berufstätig geworden - sogar das mit den Staatsexamina hat also augenscheinlich irgendwie geklappt.
Ich weiß nämlich noch ganz genau, wie ich und die ganzen Mitpenner damals im Tirili auf der Tanzfläche standen, gerade erst den 90ern entwachsen und irgendwie doch geistig noch dort beheimatet und alle nach den unglaublichen Strapazen der Zwischenprüfung im zweiten Semester -quasi auf direktem Weg zu juristischem Ruhm und staatsexaminierter Ehre - gebrüllt haben:

Highway to hell
I’m on the highway to hell
highway to hell
don’t stop me
I’m on the highway to hell
on the highway to hell
highway to hell
I’m on the highway to hell
and I’m goin’ down
all the way
I’m on the highway to hell!

Und ich denk mir so: "Wenn das so ist, dann kannste das ja ruhig auch erst mal so weitermachen".  Und bin doch nicht Ärztin, Maskenbildnerin oder Prinzessin geworden. - Tja, hätte ich mal bloß wenigstens blass geahnt, wie schicksalsschwer sich das alles noch ausweiten würde! Hätte ich diese Warnung, damals im zweiten Semester, auf der Tanzfläche mit dem Bier in der Hand, bloß erkannt und ernst genommen! Aber wie denn auch, nach sovielen alkoholischen Kaltgetränken und im Rausch der anstehenden Semesterferien! Und jetzt, ja jetzt, auf der B8, bei offenem Dach und AC/DC, isses zu spät! 
Und ich denk mir: Was zum Teufel hat sich eigentlich seit damals geändert? - ??? - Genau! Und schon brülle ich wieder mit, als hätte ich erst gestern noch beschlossen, doch mal aus Blödsinn Jurist zu werden: 

Livin’ easy / Lovin’ free
Season ticket on a one way ride
Askin’ nothin’ / Leave me be
Takin’ everythin’ in my stride
Don’t need reason /Don’t need rhyme
Ain’t nothin’ that I’d rather do
Goin’ down / Party time
My friends are gonna be there too

I’m on the highway to hell
on the highway to hell
highway to hell
I’m on the highway to hell

Sonntag, 26. Mai 2013

Gesehen: "Balance Akt" von Frank Salisbury im KuZu des Theaters Chambinzky


Am Freitag habe ich endlich einmal wieder eine Premiere ganz entspannt als Zuschauer genießen dürfen. Die spielte sich ab in einem schicken New Yorker Appartement, wo Hauptprotagonist Eugene, Ex-Ehemann und Jetzt-Single, ausgestattet mit gutem Job, Charme und Geschmack trotzdem etwas glücklos sein Dasein fristet. Eben deshalb ist er allerdings gerade auf dem Weg, eben das alles hinter sich zu lassen, um für ein Weilchen zu verschwinden und dem schönen New York den Rücken zuzuwenden.   
Doch an besagtem Abend klinget es dann ganz unverhofft an der Tür und ein ziemlich unsicheres und schüchternes Wesen steht davor, um Eugene einen Besuch abzustatten: Die äußerst pflichtbewusste Kollegin Beth aus der Buchhaltung. Eugene, der sich anfangs weder an Gesicht noch an an den Namen erinnern kann, wird allerdings zusehends nervös, als Beth - seit fünf Monaten in der Firma beschäftigt, und offensichtlich auch seit etwa fünf Monaten ein bißchen in Chef Eugene verknallt - von einem ziemlich interessanten Fehler in der Buchhaltung berichtet, der Eugene an diesem Abend noch eine gewaltige Menge Nerven kosten wird...
Eine äußerst verzwickte Situation, zu viel Alkohol, ein Abflugtermin, sexuelle Verwicklungen und zwei Menschen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Das alles macht den Humor und die Spannung in dieser Komödie, der sich schließlich sogar zum Kriminalfal ausweitet, aus und lässt den Zuschauer bis zur letzten Minute darüber im Unklaren, wie die Geschichte wohl ausgehen wird. Eugene - immer wieder in Kontakt mit dem Publikum - der zusehend nur noch zum Schein die Kontrolle über die Situation behält, und Beth - von eigener Mutter und dem Leben unterdrückt - die endlich beginnt, Kontrolle zu entwickeln, lassen Abgründe auftauchen und mitbangen, wobei keineswegs immer klar ist, wem man in diesem verrrückten Spiel den Sieg wünscht...

Ralph Wüst feierte zusammen mit einer wirklich grandiosen Charlene Wright sein Regiedebut im Kellertheater des Chambinzky Würzburg. Ich wünsche den beiden mit diesem spannenden und lustigen Abend eine erfolgreiche Produktion, die natürlich auch entsprechend viele Zuschauer verlangt: Also ab mit Euch ins Theater - und mal ehrlich: Bei diesem Wetter doch erst recht! Karten gibts wie immer unter chambinzky.com .
  
Charlene Wright und Ralph Wüst im 1. Akt (Foto: Ralph Wüst)

"Balance Akt" im KuZu Kellertheater in der Valentin-Becker-Straße
Regie: Ralph Wüst
Darsteller: Ralph Wüst, Charlene Wright

24., 26., 30., 31. Mai 2013
1., 6., 7., 8., 13., 14., 15., 21., 22., 28., 29. Juni 2013
27. 28. 29. September 2013
3., 4. Oktober 2013
Beginn um jeweils 20:00 Uhr, September/Oktober sonntags bereits 19 Uhr

Mittwoch, 15. Mai 2013

Paris im Mai 2013

Urlaub!
Sehr spontan buchen wir Paris, die Stadt der Liebe. Und der Museen. Und des Anstehens ;-).
Es geht am Dienstag schon früh um acht los, denn wir müssen pünktlich den Flieger mit AirFrance ab Frankfurt erreichen. Wir sitzen neben einem Chinesen, der Musik hört und aus Versehen ein paarmal rülpst, und so ist der Hinflug schonmal ganz witzig - wenn auch auf Kosten des armen Nachbarn. Wir residieren in Bercy und steigen für eine Strecke, die eigentlich nur einmal umsteigen erfordert, dreimal um, weil wir die Kürze der Strecke leider erst am dritten Tag auschecken. Zum Glück habe ich einen 15 Kilo schweren Koffer bei mir und haue mir gleich bei der ersten Schranke die Klappe vor den Kopf, sodass ich Angst habe, dass meine Brille es nicht überlebt. Aber dafür muss ich schon auf dem Weg ins Hotel Französisch üben, weil wir nach dem Weg fragen müssen. Alles also sehr abenteuerlich. Am Abend wollen wir, sozusagen zum Beweis, dass wir auch WIRKLICH in Paris sind, gleich mal zum Eiffelturm aufbrechen, und das machen wir auch. Als er auftaucht, ist das echt erhebend, und wir machen gleich mal gefühlte mindestens 50 Fotos von der eisernen Madame.

Erster Blick auf den Tour Eiffel, und wir machen Pause auf der Bank ;-)


Die Dämmerung setzt ein!

Nostalisches Karussell vorm Eiffelturm 
(Magnum hier am Kiosk kostet sagenhafte 5 Euro, kaufen wir natürlich nicht)



Eiffelturm-Gegenüberstellung vor Dämmerung und nach Dämmerung (...)

Eiffelturm bei Nacht

Wir sitzen dann übrigens noch herrlich vor dem strahlenden Turm auf den Champs de Mars und genießen den Ausblick. Danach geht´s erstmal wieder den Schlafvorrat neu bestücken, denn wir wollen am nächsten Morgen früh raus: Da steht der Louvre auf dem Plan. Und da ist es auch schon morgens recht voll:

Louvre
Dafür regnet´s eh ein bißchen und wir genießen einfach gängelang die alten Schinken von den alten Meistern in alten Rahmen in teilweise grausiger Luft, besuchen dem ollen Napoleon seine Gemächer und bestaunen Skulpturen aus allen Zeiten und Regionen.

Voll ist es auf dem Weg zur Mona Lisa... 
... und daselbst ist es noch viel voller und ich spare mir das Angucken der Mona Lisa und erfasse lieber den Irrsinn drumrum. Also, über zu viel Ruhe kann die Dame sich nicht beklagen und ich werde total schlank gequetscht. Dann verliere ich auch noch den Liebsten im Gewimmel und ich habe große Not, der Tante vom Wachdienst zu erklären, dass ich unbedingt nochmal zurück MUSS, weil mon ami noch Monsieur DaVinci huldigt und ich Angst habe, ihn im Getümmel gar nicht mehr zu finden. Das Handy ist nämlich zum Glück aus, und weil ich so verzweifelt wirke, darf ich auch nochmal den Rückwärtsgang einschlagen und da finde ich dann auch den verschollenen Begleiter. Wir schlendern durch den Louvre (wo keine Mona Lisa ist, ist es auch gar nicht sooo voll) und wir fotografieren einfach was anderes. Zum Beispiel den Louvre aus dem zweiten Stock:


Schöne Damen...
















 ...fröhliche dicke Frauen...

...Lady McBeth...












... und wir entdecken, dass es eben zu allen Zeiten allen Mädchen nur auf eines ankam: Ponies und ein Glitzerkleid ;-)





  
Ich mache mich dann, unterstützt von meinem 5-Euro-Miet-Audioguide, auf die Socken um den berühmten Codex Hammurabi zu finden. Irgendwie war ich überrascht, dass es sich dabei um eine Steinsäule handelte. Auf der Säule sind freilich ganz ganz viele wirklich unglaublich winzige Schriftzeichen, die sich laut Aushängetafeln hauptsächlich mit dem Familienrecht befassen. Ein unglaublich großer Haufen Regelungen setzt sich auch noch damit auseinander, wie man Frauen, die sich aufführen, bestrafen kann, und dann gibt es noch ordentlich archaische Strafen.Aber gut, ist ja zum Glück auch alles schon etwas länger her.
Codex Hammurabi 
(und ja, es war SEHR schwer, ein Foto zu kriegen, 
auf dem nicht auch ebenfalls den Codex fotografierende Asiaten zu sehen sind ;-)

Danach ist es dann aber auch echt mal gut mit Museum. Wir wollen jetzt auf dem Fußweg Richtung Arc de Triomphe das mittlerweile traumhafte Wetter genießen. 


Nochmal der Louvre aus´m Park...
Bitte das Schild um den eingezäunten (!) Busch beachten - 
dafür, dass es kaum öffentliche Toiletten gibt, 
stellen die Pariser sich mit ihrem Grünzeug ganz schön an...




Wir flanieren durch den wunderschönen Park, pennen in Liegestühlen am Springbrunnen ein, und erreichen schließlich die Champs Elysees. Da könnte ich jetzt aber schön shoppen... Ist aber keine Zeit,  denn wir wollen ja zum Triumpfbogen. 
Da ist dann auch prompt Militärkapelleneinsatz und wir lauschen auch noch der Musikvorstellung. 
Aber wir sind auch ganz schön fertig... trotzdem genehmigen wir und nur eine Essenpause und dann wird noch der Anblick von Notre Dame genossen.
Abends auf dem Heimweg: Kurzer Abstecher zu Notre Dame
Gargoyles. 
Das ist mal so richtig beeindruckend und irgendwie festlich. Weniger festlich ist die Heimreise. Der Liebste rennt im Metrotunnel plötzlich los, und ich will hinterher und quetsche mich dann auch noch voll in der Metrotür ein. Die blauen Flecken hab ich jetzt noch an den Armen, so ´ne Metrotür ist nämlich ziemlich hartnäckig. Als Entschädigung gibt es Chips, die mon ami in der Metro am Automaten zieht. Und schwupps, lade ich mir im Hotel den Glöckner von Notre Dame auf den E-Reader und habe folglich auch die ideale Paris-Lektüre. Und weil mir das so gut gefällt, kehren wir am dritten Tag auch gleich nach Notre dame zurück und besichtigen das gute Stück auch noch von innen. Unfassbar: Da stehen im hinteren Kirchenschiff doch tatsächlich ganze Metalleinmer, aus denen der Weihrauch noch so hochnebelt, dass einem auch garantiert schlecht wird. Ich muss weg, und kann kein Foto machen. Es klingt zwar unglaublich, aber ist wirklich wahr, ich schwörs!!!

Neben Notre Dame: Justizpalast - da beginnt übrigens auch die Geschichte vom Glöckner ;-)

 
                                    Justizpalast
Über Notre Dame, den Justizpalast, den Blumenmarkt und Pont Neuf kommen wir dann zur Lovebridge, wo ganze viele Love Locks hängen. Hier kann man sein Paarglück feiern und ein Schlösschen mit dem Namen drauf befestigen. Der Schlüssel wird dann in den Fluss befördert.Und das ist dann ein Zeichen ewiger Liebe. Wo so viele Schlüssel versenkt werden, frage ich mich, wie da noch ein Schiff fahren kann, ohne auf Grund zu gehen, aber das scheint noch zu funktionieren. 

Das weiß auch der geschäftstüchtige junge Mann da unten im Bild, der uns gleich die guten Lovelocks für nur sechs Euro anpreist und will, dass wir und alles, was irgendwie nach Paar ausschaut, dem Trend folgen.

Zur Abwechslung jetzt dann aber endlich mal weniger romantisch, nostagisch, verliebt und schnuckelig: Shoppen. Und wo kann man das am besten? An der Oper im Lafayette. ;-)


Ich geh shoppen, mon ami was essen, wir genießen die Ausblicke in der Gourmet-Abteilung, fotografieren Wein für zehntausende von Euros und träumen vom Champagnerbad.



Abends will ich dann nach Montmartre, und zwar zum Moulin Rouge. Während Montmartre hält, was es verspricht, ist das Moulin Rouge überhaupt nicht spektakulär. Auch wenn es auf den Fotos immer so aussieht!!! Gegessen wird im Consulat, und dann freue ich mich unglaublich auf die schönste Kirche der Welt: Sacre Coer. Die ist traumhaft schön und ich bin glücklich, alles ist romantisch und ich genieße die phantastische Aussicht auf Paris.

Consulat in Montmarte
Moulin Rouge - ein Traum aus Plastik ;-)
Sacre Coer

Am letzten Tag machen wir noch eine Seine-Rundfahrt (bei der ich wieder mal einpenne und außerdem schrecklich friere), besuchen zufällig nochmal die LoveLocks auf der Künstlerbrücke neben der Pont Neuf und genießen den leider etwas trüben Tag ohne Rücksicht auf das Wetter. So gern wir würden: Für das Musée d´Orsay reicht beim besten Willen die Kraft nicht mehr. 

 LoversBridge mit Blick auf Pont Neuf
Stattdessen beschließen wir dann, dass wir doch noch den Eiffelturm besuchen, und zwar das höchste Stockwerk.

 Von weitem schaut es gar nicht so wild aus...

- von ganz nah drunter dagegen ist das schon eine Nummer!

Dafür lohnt sich der Ausblick umso mehr. denn Paris von oben ist, so nah und direkt an der Seine, ganz arg schön... bitte einfach genießen und auch schön finden...

Paris bei Nacht 

Es folgt ein etwas gehetzter Lauf zur Metro, wo als krönender Abschluss des Urlaubs natürlich hinter uns noch einer ins Abteil kotzt. Das muss aber wohl sein, und trägt auf jeden Fall zum Spaß-Flair bei. Wir wechseln ganz schnell den Wagen, um uns nicht einreihen zu müssen. Ich lese im Hotel noch ein bißchen im Glöckner.

Und am nächsten Morgen, so traurig es auch ist, müssen wir abreisen... 
Paris, je t´aime  - und wir kommen wieder!

Empfehlung: Reiseführer Paris von Baedecker. Ganz frisch erschienen. Und spart die geführte Stadttour. 

Mittwoch, 1. Mai 2013

Reflexionen über den Froschkönig

Neulich habe ich tatsächlich die Prinzen wieder entdeckt. Damals - in den ewig von mir verehrten 90ern - brachten die ein Album raus, auf dem ein Froschkönig mit Krone saß und fett drauf prangte: KÜSSEN VERBOTEN. Die Darstellung des Froschköngs haben die Prinzen seither in steter Regelmäßigkeit wieder bemüht. Schon damals, 1992, gerade mal stolze elf, habe ich mich ja gefragt, was das soll. Die wollten also lieber Frösche bleiben und keine Prinzen werden. Oder umgekehrt?
Trotzdem haben natürlich unter anderem die Prinzen mit ihren netten kleinen auf deutsch gesungenen Liedchen den Beginn meiner Musikbegeisterung ein kleines Stück begleitet, und wie oft im Frühjahr (da wurde ich dann zwölf und der Osterhase brachte ALLES NUR GEKLAUT bei Oma, weil ich einfach zu dick für Schokolade war) sind sie mir auch dieses Jahr irgendwie eingefallen und ich hab mal wieder reingehört.

Und wie ich so mit der White Pearl durch die Gegend eiere und die Prinzen mir was vorsingen, denke ich drüber nach, wie man eigentlich auf sowas blödes wie das Froschding kommen kann. Und wieso muss man eigentlich "viele Frösche küssen, bevor man einen Prinzen trifft"? Vom Froschkönig kommt das ja wohl sicher nicht. Genau genommen wird nämlich in der gesamten deutschen Märchenliteratur ganz sicher kein Frosch geküsst, sondern vielmehr zu erlösende Prinzessinnen. Und letztere Mission erledigen im Normalfall ganz bestimmt keine Frösche. Eigentlich geht die Geschichte mit dem Frosch nämlich ganz anders. Ich ziehe mal mein altes Märchenbuch zu Rate: 


Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich

"In den alten Zeiten, wo das Wünschen noch geholfen hat, lebte ein König, dessen Töchter waren alle schön, aber die Jüngste war so schön, dass die Sonne selber, die doch so vieles gesehen hatte, sich verwunderte, sooft sie ihr ins Gesicht schien".

Ok, ich fass mal zusammen: Sprechender Frosch tut heulender Prinzessin einen Gefallen, indem er ihr Lieblingsspielzeug, eine goldene Kugel - nicht ganz zeitgemäß, ich weiß - aus der Tiefe eines Brunnens wieder hervorholt. Als Gegenleistung verlangt er aber, dass das Fräulein ihn mit zu sich nach Hause bringt, wo er fortan als Spielkamerad fungieren will. Und die verspricht: "Ach ja, ich verspreche Dir alles, was Du willst, wenn du mir nur die Kugel wiederbringst!" Worauf der Frosch erfolgreich seinen Job erledigt. Die Prinzessin findet den Frosch dann aber plötzlich nicht mehr so wirklich attraktiv und macht sich aus dem Staub. (Merke: Nirgendwo im Märchen findet sich auch nur ein Hinweis darauf, dass der Frosch eine Krone trage!!!) Der Frosch hat´s schwer, nimmt aber die Verfolgung bis zum Schloss auf: "Königstochter, jüngste, mach mir auf, weißt Du nicht, was gestern Du zu mir gesagt bei dem kühlen Brunnenwasser?"
- Und weil Märchen ja bekanntlich was für die gute Erziehung tun sollen, sind die Eltern angesichts des armen und mit Flucht abgespeisten Frosches ziemlich sauer und bringen dem Fräulein erstmal gute Manieren bei: Frosch isst mit, Frosch trinkt mit - und: Frosch darf bei Prinzessin übernachten (SKANDAL!). Die Kleine ist darüber dann auch derart erbost, dass sie den kleinen grünen Kerl kurzerhand am Bein packt und gegen die Wand haut. O-Ton: "Nun wirst Du Ruhe haben, du garstiger Frosch!" Und dann steht plötzlich der Prinz vor ihr. Geküsst wird in diesem Märchen übrigens überhaupt nicht, nur der Heinrich verliert noch seine drei schweren Eisenringe ums Herz.

Tatsache ist also: Frösche muss man erstmal ordentlich vor die Wand hauen, bevor sie sich zu Prinzen entwickeln. Und Frösche werden auch nicht geküsst, ganz im Gegenteil. Mein Rat frei nach den Gebrüdern Grimm daher: Alle Frösche, die denken, dass sie irgendwann mal geküsst ganz gute Prinzen werden könnten, sollten sich also nicht allzu große Hoffungen machen. Und Ihr wisst ja jetzt: Dass das Wünschen noch geholfen hat, das war in den alten Zeiten...!

Mittwoch, 10. April 2013

In eigener Sache: "Yes Prime Minister" im Theater Chambinzky


Fast druckfrisch, denn gerade mal aus dem Jahr 2010 kommt eine heiße Story aus GB zu uns: Der Prime Minister Jim Hacker hat das eine oder andere Problemchen. Seine Umfragewerte sinken, die britische Währung ist im Keller, das Kabinett ist gespalten – wie kann er da erwarten, bei der geplanten Konferenz des Europäischen Parlaments die finanzielle Stabilität Europas erreichen zu können?
Hacker will es mit einem Kredit aus Kumranistan versuchen, doch die Bedingungen für diesen Geldsegen sind außerordentlich außergewöhnlich. So will der kumranistanische Retter Mr. Aitikiee nicht nur eine Pipeline zum Öltransport durch Europa legen, sondern auch eine eigene Pipeline noch ganz woanders unterbringen... 
Mit Humor auf very british muss der deutsche Zusschauer zwar damit rechnen, dass ihm der eine oder andere Lacher echt im Halse steckenbleibt, dennoch kann man unserem Stück wohl kaum mangelnde Aktualität vorwerfen. Wir freuen uns über ganz viele Zuschauer, zumal wir in deutschsprachiger Erstaufführung unterwegs sind! Und das will sich doch sicher keiner von Euch entgehen lassen?

YES PRIME MINISTER
von Jonathan Lynn & Antony Jay

Es spielen: Wolfgang Stenglin, Gerd Eickelpasch, Nis Heller, Miriam Schriewer, Oskar Vogel, Michelle Neise   
Regie: Manfred Plagens
Assistenz: Julia Heigel 
Bühne: Volker Harzdorf
TERMINE:
im März 2013:      28. 29. 30. 31.
im April  2013:      3. 4. 5. 6. 7. 10. 11. 12. 13. 14. 17. 18. 19. 20. 21. 24. 25. 26. 27. 28.   
im Mai   2013:      1. 2. 3. 4.

Mi-Sa 20:00 Uhr
So 19 Uhr